Ich habe in meinem Leben schon viele Bäume und Büsche gepflanzt, Blühstreifen und Niederwildansaaten an mehreren Stellen in unserer Gemarkung zur Aussaat gebracht. Es erfreut mich immer wieder, wenn ich dann sehe und höre wiewohl sich die Insekten und auch das Niederwild in den Malven-, Sonnenblumen-, Klee- und Buchweizenblüten fühlen und Deckung finden.
Ja ich bin Jäger. Ich sehe mich in unserer grünen Zunft ebenso als Heger. Übrigens tun das sehr viele in unserer Kreisjägerschaft. Unter anderem bin ich auch Vorsitzender unserer Waldgenossenschaft.
Unsere Waldgenossenschaft hat, wie viele Waldbesitzer Sorgen mit dem Borkenkäfer. Deshalb suchen wir nach funktionierenden Wegen beim erfolgreichen Waldumbau. Dabei setzen wir auf Laubbäume durch eine Naturverjüngung und verzichten auf großflächige Einzäunungen von Waldgebieten. Denn der Harthwald hat bekanntlich eine hohe Frequentierung durch Wanderer und Spaziergänger.
Eine Naturverjüngung funktioniert umso besser, je konsequenter man den Hochwildbestand reguliert. Das haben wir als Jäger und Waldbesitzer erst erkennen müssen. Deshalb stehen Hochsitze nicht nur in unserem Wald. Diese dienen zum Beobachten (gerade in den Schonzeiten), zum richtigen Ansprechen (Erkennen) und auch zum Erlegen von Wild.
Was mussten wir vor 2 Wochen aber feststellen? So mir nichts dir nichts hatte man in unserem Wald einfach 2 Hochsitze abgesägt und umgeworfen. Ein Hochsitz hat einen Wert von 800 Euro. Ich habe mich gefragt, was wäre, wenn die „Säger“ gestört würden? Vielleicht in einem Moment, wo bereits alle 4 Füße abgesägt waren, aber der Hochsitz noch nicht umgestoßen war. Ich möchte mir das Szenario gar nicht ausmalen, wenn ein Jäger auf einem solchen Hochsitz Platz genommen hätte und dieser aufgrund der Gewichtsverlagerung mit dem Jäger - einem Menschen wir - umgestürzt wäre!
Manchmal klettern auch Mütter und Väter mit ihren Kindern auf Hochsitze um zu beobachten (obwohl das nicht erlaubt ist). GRAUENVOLL - auch das will ich mir nicht vorstellen. Warum machen das Menschen? Wer das macht, macht sich strafbar. Sollen wir im ganzen Waldgebiet Wildkameras aufstellen?
Jeder von uns hat zu den Dingen unseres Lebens seine Auffassung, seine eigene Meinung. Das ist gut so. Aber darf man deswegen so etwas tun? Wäre es nicht besser, wenn man sich an einen Tisch setzt und seine Gedanken austauscht? In der Regel lernen beide Seiten etwas dazu, man muss es wollen.
Ich meinerseits stehe gern zu solchen Gesprächen bereit.
Bernhard Helbing