Mühlhausen. Auf großes Interesse stieß die öffentliche Podiumsdiskussion „Aktuelle Herausforderungen in der Drogen- und Suchtpolitik“ des Landratsamtes Unstrut-Hainich-Kreis, die am Montag, 19. Januar 2026, in der Hainich Akademie am Ökumenischen Hainich Klinikum stattfand. Rund 180 Gäste aus Medizin, Suchthilfe, Verwaltung, Bildung und Zivilgesellschaft folgten der Einladung - darunter Ärztinnen und Ärzte, Mitarbeitende des Ökumenischen Hainich Klinikums und des Hufeland Klinikums, Vertreterinnen und Vertreter des Sozialpsychiatrischen Dienstes, des Schulamtes Nordthüringen, des Jobcenters sowie zahlreiche interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Sucht- und Drogenkonsum sind gesellschaftliche Themen, die sowohl Städte als auch den ländlichen Raum betreffen. Nahezu jeder Mensch kommt im privaten oder beruflichen Umfeld mit den Auswirkungen von Suchterkrankungen in Berührung. Entsprechend vielfältig waren die Perspektiven, die auf dem Podium zusammenkamen.
Diskutiert wurden unter anderem Fragen der zeitgemäßen Suchtprävention, der Weiterentwicklung von Hilfs- und Versorgungsstrukturen sowie notwendige Maßnahmen zur Schadensminimierung, etwa im Straßenverkehr. Ein besonderer Fokus lag auf neuen Konsumformen, dem sinkenden Einstiegsalter bei Alkohol- und Cannabiskonsum, digitalen Abhängigkeiten bei Kindern und Jugendlichen sowie den wachsenden Herausforderungen durch neue synthetische Drogen.
Einen besonderen Akzent setzte der Moderator des Abends, Hardy Krause. Bestens auf die Thematik vorbereitet, eröffnete er die Podiumsdiskussion mit einer eindrücklichen Gedankenreise rund um den 14-jährigen „Max“, der bei seiner Jugendweihe zu tief ins Glas geschaut hatte. Mit diesem lebensnahen Einstieg verdeutlichte Krause, wie früh Jugendliche bereits mit potenziell suchtgefährdenden Substanzen in Berührung kommen.
Im weiteren Verlauf des Abends sorgte er mit gezielten, präzise gesetzten Fragen an alle Podiumsgäste für einen strukturierten und zugleich lebendigen Gesprächsverlauf, in dem zahlreiche Aspekte der Sucht- und Drogenpolitik beleuchtet werden konnten.
Dr. Katharina Schoett, Ärztliche Direktorin und Chefärztin der Klinik für Suchtmedizin am Ökumenischen Hainich Klinikum, machte die Dimension der Problematik aus medizinischer Sicht deutlich. Als größte Suchtklinik Thüringens betreut das Klinikum jährlich rund 1.800 Patientinnen und Patienten im Bereich „Sucht“. Insbesondere der zunehmende Konsum neuer synthetischer Substanzen stelle die suchtmedizinische Versorgung vor große Herausforderungen. Sie betonte die Bedeutung verlässlicher Zahlen, Erfahrungen aus der Praxis und eines engen Austausches mit der Politik.
Mandy Prütz, Präventionsfachkraft für Suchtprävention, verwies auf alarmierende Entwicklungen bei Kindern und Jugendlichen. Das Einstiegsalter für Alkohol- und Cannabiskonsum sinke weiter, problematische Konsummuster entstünden zunehmend bereits in der frühen Jugend. Prävention müsse daher frühzeitig ansetzen, Kinder und Jugendliche stärken und Eltern stärker einbinden.
Prof. Dr. Hendrik Streeck, Mitglied des Deutschen Bundestages und Beauftragter der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, unterstrich, dass Sucht- und Drogenpolitik kein Nischenthema sei, sondern eine zentrale gesundheitspolitische und gesellschaftliche Aufgabe. Es gehe darum, regionale Problemlagen ernst zu nehmen, genau hinzusehen und politische Maßnahmen an den tatsächlichen Herausforderungen vor Ort auszurichten. Zudem verwies er auf internationale Entwicklungen wie die Opioidkrise in den USA und das Auftreten hochgefährlicher neuer Substanzen.
Aus Sicht des Landkreises machte Thomas Ahke deutlich, wie vielfältig die Berührungspunkte des Landratsamtes mit der Drogen- und Suchtproblematik sind. In unterschiedlichen Fachbereichen - darunter das Fallmanagement im Fachdienst Soziales, der Sozialpsychiatrische Dienst, die Betreuungsbehörde sowie der Bereich Familie und Jugend - werden Menschen mit Suchterkrankungen oder suchtbedingten Problemlagen beraten, begleitet und in geeignete Hilfs- und Unterstützungsangebote vermittelt. Ziel ist es dabei stets, frühzeitig zu unterstützen, Selbstständigkeit zu erhalten und passgenaue Hilfen zu koordinieren.
Besondere Bedeutung kommt der engen Zusammenarbeit mit regionalen Netzwerkpartnern zu, etwa mit medizinischen Einrichtungen, Suchthilfeangeboten, Beratungsstellen, Polizei und Justiz. Gerade in Krisensituationen zeigt sich, dass Sucht- und Drogenproblematiken häufig mehrere Lebensbereiche gleichzeitig betreffen und eine abgestimmte Zusammenarbeit vieler Akteure erforderlich ist.
Auch im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe spielen Suchterkrankungen - sowohl stoffgebundene als auch nicht-stoffgebundene - eine zunehmende Rolle.
Neben der Bewältigung akuter Krisensituationen kommt der frühzeitigen Prävention eine entscheidende Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang wurde auf dem Podium die Schulsozialarbeit als wichtiges Instrument der Prävention hervorgehoben.
Sie wird in Thüringen im Rahmen einer gemeinsamen Verantwortung von Land, Kommunen und freier Jugendhilfe umgesetzt und ermöglicht frühzeitige Unterstützung, stärkt soziale Kompetenzen und bietet Kindern und Jugendlichen verlässliche Ansprechpersonen im schulischen Alltag.
Insgesamt wurde deutlich, dass Sucht- und Drogenpolitik nicht nur eine medizinische, sondern auch eine soziale und gesellschaftliche Aufgabe ist, der sich der Landkreis in enger Vernetzung mit allen beteiligten Akteuren stellt.
Einigkeit bestand auf dem Podium darüber, dass leistungsfähige Einrichtungen wie das Ökumenische Hainich Klinikum für die Region von herausragender Bedeutung sind. Sie seien unverzichtbar, um suchtkranken Menschen Perspektiven zu eröffnen und ihnen den Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion nutzten die Gäste die Gelegenheit für Fragen und einen offenen Austausch mit den Diskutierenden. Das durchweg positive Feedback aus dem Publikum unterstrich die hohe Relevanz des Themas und den großen Bedarf an weiterem fachlichen und gesellschaftlichen Dialog.
Abschließend dankte Thomas Ahke allen Besucherinnen und Besuchern für das große Interesse sowie dem Ökumenisches Hainich Klinikum für die Bereitstellung der Räumlichkeiten. Sein Dank galt zudem den Podiumsgästen für den offenen und wichtigen fachlichen Austausch sowie dem Moderator für die souveräne und inhaltlich fundierte Leitung der Diskussion. Ein besonderer Dank ging an Prof. Dr. Hendrik Streeck für seinen Besuch im Unstrut-Hainich-Kreis und die Zeit, die er sich für den Dialog vor Ort genommen habe.
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