In deinem Körper gibt es eine riesige, unsichtbare Welt. Dort fließen Flüsse aus Blut durch lange Röhren, die wir Adern nennen. In diesen Flüssen schwimmen viele kleine Helfer, die jeden Tag dafür sorgen, dass es dir gut geht.
Die wichtigsten Wächter heißen weiße Blutkörperchen. Und genau von denen erzähle ich dir heute eine Geschichte.
Stell dir vor, dein Körper ist wie eine große Stadt. In dieser Stadt willst du natürlich gesund bleiben. Aber manchmal versuchen winzige Eindringlinge - Viren, Bakterien oder andere Keime - in diese Stadt hineinzukommen. Sie sind so klein, dass man sie nur mit einem besonderen Mikroskop sehen kann. Doch auch wenn man sie nicht sieht: Sie können Ärger machen.
Und genau dafür gibt es die weißen Blutkörperchen.
Sie sind deine Körper-Polizei, deine Superhelden, die immer aufpassen.
Einige weiße Blutkörperchen sind wie Späher. Sie schwimmen langsam durch den Blutfluss und halten die Augen offen. Wenn alles ruhig ist, entspannen sie sich. Aber sobald ein Eindringling auftaucht, schlagen sie Alarm:
„Achtung, wir haben einen Fremden entdeckt!“
Sofort schicken sie Nachrichten an die anderen Wächter, damit diese herbeieilen.
Sobald der Alarm losgeht, kommen die stärksten weißen Blutkörperchen angerannt. Sie sehen zwar nicht aus wie Ritter, aber sie kämpfen genauso mutig. Sie stürzen sich auf die Eindringlinge und versuchen, sie unschädlich zu machen.
Manchmal „fressen“ sie die Eindringlinge sogar einfach auf - ganz schnell und ohne Angst.
Wenn du Fieber bekommst, bedeutet das oft: Die Kämpfer sind gerade im Einsatz. Dein Körper macht es wärmer, damit die Bösewichte es schwerer haben.
Es gibt auch eine besonders kluge Gruppe von weißen Blutkörperchen. Sie merken sich genau, wie ein Eindringling aussieht. Wenn der gleiche Keim ein zweites Mal kommt, rufen sie sofort:
„Den kennen wir schon! Los, schneller angreifen!“
Deshalb wirst du viele Krankheiten nur einmal im Leben richtig stark bekommen - weil deine weißen Blutkörperchen sie sich merken.
Nachdem ein Kampf vorbei ist, räumen andere weiße Blutkörperchen auf. Sie reparieren kleine Schäden und sorgen dafür, dass du dich wieder wohlfühlst.
Wenn du zum Beispiel eine Schramme am Knie hast, kommen viele weiße Blutkörperchen dorthin und beschützen die Wunde. Darum wird die Stelle manchmal rot oder warm. Das ist kein Grund zur Sorge - die Heiler arbeiten nur besonders fleißig.
Du hast Millionen und Abermillionen weiße Blutkörperchen in deinem Körper. Sie schlafen nie, sie machen nie Urlaub und sie passen ständig auf dich auf - Tag und Nacht.
Dank ihnen kannst du spielen, toben, lachen, rennen und die Welt entdecken, ohne dass jeder kleine Keim dich krank macht.
Tief in deinem Körper, mitten in einem warmen Blutfluss, lebte ein weißes Blutkörperchen namens Captain Weiß. Er war klein, rund und ein bisschen wabbelig - aber mutiger als jeder Ritter aus einem Märchenbuch.
Er trug zwar keine Rüstung, aber dafür ein großes Lächeln und eine noch größere Portion Mut.
Eines Morgens, als Captain Weiß gemütlich den Blutfluss entlangtrieb, hörte er plötzlich ein leises „Hihihihiiii“.
Das konnte nur einer sein: Funke, ein winzig kleiner Keim, der gern Unsinn machte.
„Oh nein, nicht schon wieder!“, seufzte Captain Weiß. „Funke, der Frechling, ist zurück!“
Captain Weiß stellte seine Antennen - also eigentlich einfach zwei kleine Fühler - auf.
Ein merkwürdiger Geruch lag in der Luft. „Keimgeruch!“, rief er. „Funke ist ganz in der Nähe!“
Da huschte auch schon ein winziges, grünes Etwas an ihm vorbei. Funke machte ein Rad, purzelte, lachte und rief:
„Fang mich doch, wenn du kannst, Weißklops!“
Captain Weiß war beleidigt. Niemand nannte ihn „Weißklops“.
„Jetzt reicht’s!“, brummte er und nahm die Verfolgung auf.
Funke flitzte durch die Blutbahn wie ein kleiner Wirbelwind.
Er rutschte über rote Blutkörperchen, hangelte sich an einer Aderwand entlang und machte sogar einen Purzelbaum über eine Blutplättchen-Gruppe, die gerade beim Reparieren einer kleinen Schramme war.
Die Blutplättchen riefen:
„He! Wir arbeiten hier! Kein Akrobatik-Zirkus!“
Captain Weiß entschuldigte sich schnell, bevor er weiterjagte.
Funke lachte:
„Hihiii, du bist viel zu langsam, Captain Weiß! Ich werde nie gefasst!“
„Ach wirklich?“, antwortete Captain Weiß grinsend. „Das werden wir ja sehen.“
Captain Weiß wusste: Funke liebte Chaos. Also hatte er eine Idee.
Er winkte ein paar seiner Freunde heran - andere weiße Blutkörperchen, die sofort bereitstanden.
„Leute“, flüsterte er, „wir stellen ihm eine Falle!“
Sie taten so, als wären sie völlig erschöpft und gaben Captain Weiß extra viel Platz. Funke, der kleine Angeber, konnte nicht widerstehen:
„Ha! Ihr seid SOOO langsam! Ich komm ganz nah ran, um euch auszulachen!“
Und genau in diesem Moment sprang Captain Weiß vor:
„Jetzt hab ich dich!“
Mit einem einzigen Satz schnappte er sich Funke und umarmte ihn fest.
Für einen Keim bedeutet eine Umarmung von einem weißen Blutkörperchen allerdings das Ende des Unsinns.
Funke schrumpfte, wurde ganz schlapp und verschwand schließlich - puh!
Der Körper war wieder sicher.
Die anderen weißen Blutkörperchen klatschten begeistert:
„Bravo, Captain Weiß! Du bist der beste Keimjäger der ganzen Blutstadt!“
Captain Weiß grinste stolz. „Alles in einem Tag erledigt“, sagte er und ließ sich zurück in den warmen Blutfluss treiben.
Doch kaum hatte er die Augen geschlossen, hörte er ein anderes Geräusch:
„Plopp.“
Captain Weiß öffnete ein Auge. „…War das ein neuer Keim?“
Ein rotes Blutkörperchen nickte: „Äh … ja. Und dieser sieht sehr zappelig aus.“
Captain Weiß seufzte, schüttelte sich, sprang auf und rief:
„Auf zum nächsten Abenteuer!“