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Landkreisausgabe Treffpunkt Unstrut-Hainich
Ausgabe 5/2026
Sonstiges
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Krimi-Roman (Fortsetzung)

Der Schatten von Hainich - Die Wahrheit im Fall Voß

KAPITEL 5 - HENNING

(Was bisher geschah: Mira und Jonas fanden im Hainich Hinweise, die auf Erikas Verschwinden deuten. Die verletzte Frau sprach von „damals … bei ihr“. Und jemand beobachtet Mira und Jonas im Wald.)

Henning Voß wohnte in einem der penibel gepflegten Reihenhäuser am Rand von Bad Langensalza. Der Vorgarten wirkte eher wie ein Musterfoto als ein Zuhause. Mira stand bereits an der Haustür, die Hände zu Fäusten geballt. Jonas blieb kurz neben ihr stehen, dann klingelte er.

Die Tür öffnete sich sofort. Henning wirkte älter, aber seine Augen waren unverändert wach und prüfend.

„Jonas. Kein Routinebesuch, oder?“

„Wir müssen reden. Dürfen wir reinkommen?“

Henning sah an Jonas vorbei zu Mira, sein Blick wurde kälter. „Natürlich.“

Das Wohnzimmer war makellos. Steril. Keine Fotos, kein Hinweis auf Erika. Nur gerade Linien, neutrale Möbel.

„Du hast vom Angriff im Hainich gehört?“, begann Jonas.

Henning nickte. „Die Presse ist voll davon.“

„Die Frau wurde an Erikas alter Route gefunden“, sagte Mira.

Henning hob eine Braue. „Ich habe ihre Routen nicht mehr im Kopf.“

„Du kanntest jeden Schritt von ihr.“

Ein dünnes Lächeln. „Du hast dich immer gern eingemischt, Mira.“

Jonas unterbrach: „Am Tatort lag ein Anhänger. Identisch mit Erikas.“

Ein kaum sichtbares Zucken ging über Hennings Gesicht. „Und? Glaubt ihr jetzt, ich hätte ihn verloren? Nach drei Jahren?“

„Wir müssen Spuren prüfen“, sagte Jonas ruhig.

„Natürlich. Aber du weißt, dass ihr mir damals nichts nachweisen konntet.“

Mira machte einen Schritt nach vorn. „Weil du meisterhaft die Wahrheit verdrehst.“

„Und du überall Muster siehst“, entgegnete Henning. „Erika hat das oft gesagt.“

„Sie hatte Angst!“

Henning neigte den Kopf. „Sie sagte, sie fühlt sich beobachtet. Das ist nicht dasselbe.“

„Weil DU sie kontrolliert hast“, fauchte Mira.

„Und DU sie bedrängt hast“, schoss Henning zurück.

Jonas schnitt dazwischen. „Wo warst du am Morgen des Angriffs?“

„Zuhause. Homeoffice.“

„Kann das jemand bestätigen?“

„Nein.“ Henning sah Jonas fest an. „Wie damals.“

Mira lachte bitter. „Du klingst wie jemand, der eine Rolle übt.“

Henning lächelte langsam. „Und du klingst wie jemand, der unbedingt einen Schuldigen braucht.“

„Wenn du die Wahrheit kennst - sag sie.“

Da flackerte etwas in seinem Blick. Ein überlegenes Funkeln.

„Vielleicht wollte Erika jemanden schützen.“

Jonas’ Körper spannte sich. „Wen meinst du?“

„Denk selbst nach. Ihr wart damals… eng.“

Mira erstarrte. „Das konnte sie dir nicht gesagt haben. Das wusste nur ICH.“

Henning antwortete ruhig: „Vielleicht wusste ich mehr, als du glaubst.“

Jonas stand abrupt auf. „Wir melden uns.“

„Mach das“, sagte Henning nur.

Draußen blieb Mira abrupt stehen. „Jonas… hast du gehört, was er gesagt hat? ‚Sie wollte jemanden schützen.‘ Das konnte er nicht wissen!“

Jonas zögerte. Zu lange.

„Du glaubst ihm“, flüsterte Mira.

„Ich prüfe nur-“

„NEIN! Du verteidigst ihn wieder!“

„Ich verteidige die Wahrheit!“

Mira schüttelte den Kopf, bitter und verletzt. „Dann sieh hin.“

Sie ging zum Auto, schlug die Tür zu und sah ihn nicht mehr an.

Auf der anderen Straßenseite, hinter einer hohen Thujahecke, stand jemand.

Reglos. Wartend.

Er sah die Szene, jeden Blick, jeden Riss.

Mira gehört nicht zu Jonas.

Noch nicht.

Aber sie wird es verstehen.

Er neigte den Kopf - fast zärtlich -

und verschwand lautlos hinter den Häusern.

- Der Unstrut-Erzähler -