Titel Logo
Landkreisausgabe Treffpunkt Unstrut-Hainich
Ausgabe 7/2026
Sonstiges
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Krimi-Roman (Fortsetzung)

Der Schatten von Hainich - Die Wahrheit im Fall Voß

KAPITEL 7 - NEBEL ÜBER DEM HAINICH

(Was bisher geschah: Der Unbekannte rief Mira an - flüsterte „Du gehörst mir“ und beobachtete sie später auf dem Parkplatz. Die Gefahr ist jetzt greifbar nah.)

Der Morgen kam grau und schwer. Nebel hing über der Stadt, als Jonas mit zwei Kaffee zurück ins Wohnzimmer kam. Mira stand bereits angezogen da, die Haare zu einem festen Knoten gebunden.

„Du willst wirklich in den Wald“, sagte er.

„Ich will wissen, was er will.“

Er widersprach nicht. „Dann fahre ich.“

Sie schwiegen auf dem Weg zur Südschleife. Der Hainich lag im hellen, kalten Morgenlicht wie ein geschlossenes Buch, das jemand erst jetzt wieder aufschlägt.

„Wenn er hier war, finden wir Spuren“, murmelte Jonas. „Und wenn er uns gestern beobachtet hat…“

„Hat er“, sagte Mira. „Ich habe es gefühlt.“

Sie betraten den Pfad. Geräusche wirkten fremd, gedämpft, als würde der Wald selbst zuhören. Jonas blieb dicht hinter ihr; einmal berührten sich ihre Arme, und Mira wich nicht zurück.

„Er ist hier irgendwo“, flüsterte sie.

„Und er weiß, dass wir hier sind.“

Sie erreichten die Stelle, an der Frau Henschel gefunden worden war. Der Boden sah fast unberührt aus; nur ein paar Reste Flatterband hingen noch an den Ästen. Jonas kniete sich, strich über die Erde.

„Er war vor uns hier.“

Mira spürte ein Ziehen im Nacken, als stünde jemand direkt hinter ihr. Der Wald wirkte wie ein Zuschauer. Wach. Wartend.

„Wir gehen den alten Pfad weiter“, sagte Jonas. „Den, den du mir gestern gezeigt hast.“

Mira nickte. „Erika lief hier immer lang. Wenn jemand sie kannte… dann wusste er das.“

Sie gingen tiefer. Die Bäume rückten enger zusammen, Nebelschwaden glitten über den Boden. Mira legte zwei Finger auf die Rinde einer Buche.

„Hier haben wir einmal Pause gemacht“, flüsterte sie. „Sie hatte Angst. Ich habe es ignoriert.“

Jonas trat neben sie. „Du hast versucht, ihr zu helfen.“

„Nicht genug.“

Bevor er antworten konnte, unterbrach ein dumpfer Laut die Stille. Kein Tier. Zu schwer. Zu bewusst.

Mira fuhr herum.

Auf einer Anhöhe oberhalb der Senke stand eine Gestalt.

Still. Schwarz. Regungslos.

Nur einen Herzschlag lang.

Dann verschwand sie im Nebel.

„Jonas!“, rief Mira.

Er rannte los. Doch oben: nichts. Keine Fußspuren. Nur ein kaum sichtbares Knicken im Unterholz, als hätte jemand mit Absicht jede Spur verwischt.

„Er war hier“, keuchte Mira. „Ich habe ihn gesehen.“

„Ich auch.“ Jonas’ Blick wanderte zwischen die Stämme.

„Er führt uns. Oder er testet uns.“

„Oder er spielt“, flüsterte Mira.

Jonas berührte kurz ihre Schulter. „Wir holen Verstärkung. Eine Streife auf die Route. Wir-“

„Nein.“ Mira schüttelte den Kopf. „Wenn wir gehen, verschwindet er wieder. Er will, dass ich hier bin.“

„Und genau das macht es gefährlich.“

„Vielleicht muss es das sein.“

Jonas sah sie lange an. Angst lag in ihrem Blick, aber auch Entschlossenheit. Die gleiche, die sie damals hatte, als Erika verschwand.

„Mira…“

„Jonas, wir dürfen nicht wieder zu spät sein.“

Ein Windstoß trug feinen Nebel durch die Bäume.

Weit oben, hinter der Anhöhe, stand der Schatten erneut.

Reglos. Still.

Er sah hinab auf Mira und Jonas, als würde er prüfen, wie weit sie inzwischen gekommen waren.

Sie suchen mich. Gut. Sie kommen näher. Noch besser.

Er wartete, bis Mira sich umdrehte und ihr Blick - ahnend - kurz in seine Richtung ging.

Bald, dachte er. Sehr bald. Dann verschwand er lautlos zwischen den Fichten.

- Der Unstrut-Erzähler -