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Landkreisausgabe Treffpunkt Unstrut-Hainich
Ausgabe 8/2026
Sonstiges
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Krimi-Roman (Fortsetzung)

Der Schatten von Hainich - Die Wahrheit im Fall Voß

TEIL 8 - DIE FRAU

(Was bisher geschah: Mira und Jonas sahen den Unbekannten erneut im Hainich. Er scheint sie zu führen - und immer einen Schritt voraus zu sein.)

Der Wald wirkte, als hielte er den Atem an. Jonas und Mira gingen schweigend den Pfad zurück, jeder Schritt begleitet von dem Gefühl, dass jemand unsichtbar zwischen den Stämmen stand. Mira spürte die Spannung in jeder Faser.

„Er war hier“, flüsterte sie.

Jonas sagte nichts, aber seine Hand lag unbewusst näher an ihrer.

Sie waren kaum dreißig Meter vom Auto entfernt, als Jonas’ Diensthandy vibrierte. Der Ton schnitt durch die Stille.

„Hartung.“

Eine Pause. Seine Haltung verhärtete sich.

„Was? … Wann? … Wir sind unterwegs.“

Mira blieb stehen. „Jonas?“

Er sah sie an - ernst, hart. „Die Frau. Frau Henschel… sie ist verschwunden.“

„Verschwunden? Aber sie war bewusstlos! Sie konnte doch nicht-“

„Eben.“

Er öffnete die Autotür. „Los.“

Im Klinikum Mühlhausen herrschte Aufruhr. Streifenwagen, hektische Pfleger, Absperrband. Jonas zeigte seinen Ausweis, zog Mira mit sich durch die Gänge.

Das Zimmer war unheimlich ordentlich.

Bett glatt. Tisch leer. Kissen akribisch zurechtgelegt.

Nur ein Detail verriet Gewalt:

Der Infusionsständer lag am Boden, als wäre er im Vorbeigehen angestoßen worden.

Mira bückte sich. „Hier liegt etwas…“

Ein kleines Stück Stoff.

Blau-grau kariert. Hochwertig. Sauber abgerissen.

Jonas erstarrte.

„Das sind Hennings Hemden“, flüsterte Mira. „Erika hat sie ihm geschenkt.“

Jonas nahm das Stück. Er kannte das Muster. Zu gut.

„Das kann jeder tragen“, murmelte er - und klang selbst nicht überzeugt.

„Aber nicht nachts im Intensivbereich“, sagte Mira. „Das hat ER verloren.“

Da trat eine junge Schwester zitternd auf sie zu.

„Ich… ich muss etwas sagen.“

Jonas’ Stimme wurde weich. „Ganz ruhig. Was haben Sie gesehen?“

„Gestern Abend… ich war im Lagerraum“, begann sie. „Ich hörte Schritte. Dann ging ein Mann vorbei. Er trug eine Frau im Arm. Bewusstlos. Ich wollte schreien, aber er sah mich an. Nur kurz. Und ich… konnte mich nicht bewegen. Ich war wie gelähmt.“

Mira fröstelte.

„Haben Sie sein Gesicht erkannt?“, fragte Jonas.

Die Schwester schüttelte heftig den Kopf. „Zu dunkel. Es ging schnell.“

Mira hob das Stoffstück. „Lag das dort?“

„Ja“, flüsterte die Schwester. „Genau da.“

Ein Beamter kam angerannt. „Chef, wir haben die Kamera.“

Auf dem Ausdruck:

Ein Mann, Rücken zur Kamera. Graue Jacke. Durchschnittliche Größe.

Ruhig. Zielgerichtet.

Mira atmete scharf ein. „Das sieht ihm ähnlich.“

Jonas’ Stimme wurde rau. „Oder es sieht genauso aus, wie jemand möchte, dass es aussieht.“

„Du willst wieder nicht hinschauen!“ Miras Stimme zitterte. „Erika hat sich vor ihm verändert. Und jetzt verschwindet die einzige Frau, die damals etwas gesehen hat! Jonas, es passt!“

„Es passt zu gut“, murmelte er.

Aber der Zweifel nagte trotzdem.

Die Schwester trat erneut vor. „Was immer passiert ist - es ging schnell. Und er wusste genau, wohin er musste.“

Mira starrte auf das leere Bett.

„Er hat sie geholt“, sagte sie. „Damit sie nicht reden kann.“

Jonas starrte auf den Stoff in seiner Hand.

Henning.

Sein Freund.

Oder war jemand dabei, die perfekte Spur zu legen?

Er wusste es nicht mehr.

Und irgendwo im Krankenhaus, vielleicht im Schatten eines leeren Korridors, lächelte der Unbekannte.

Leise. Geduldig.

Die Spur lief genau dorthin, wohin er sie haben wollte.

- Der Unstrut-Erzähler -