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Freisener Nachrichten
Ausgabe 10/2018
Kommunales näher gebracht
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Das Schneeglöckchen

Im Garten vor dem alten Haus,

da schaut aus Schnee und Eis,

ein kleines Schneeglöckchen heraus

und spricht zu mir ganz leis‘:

Der Frühling naht, ich bin erwacht

aus kaltem Eis und finst’rer Nacht,

doch steh‘ ich hier allein und arm,

o, lieber Frühling mach doch warm,

die Erde, daß sie bringe,

gar viele schöne Dinge,

Margrit, Narziss und Primelein

und mach die Wiesen grün und fein.

Das Blümlein ich so lustig fand,

ich nahm es schnell in meine Hand,

da schrie es ach und wehe,

ich muß zu Grunde gehen.

Du hast gebrochen mir das Herz,

Du meinst es gut, doch großer Schmerz

beraubt mir allen Sinn,

wie elend ich nun bin.

Da nahm ich’s mit in meine Kammer,

erbarmte mich des Blümleins Jammer

und stellt es dort zu meinem Spaß

vor meiner Liebsten Bild ins Glas.

Dort steht es nun schon lange Zeit,

erfeuet mir den Sinn,

es tröstet mich in meinem Leid

und wenn ich einsam bin.

Gedichte von Walter Bier

(Briefbot Walter)

1967 - 68