Ich bin heut´später aufgewacht
aus einer kalten Winternacht,
ich seh´die Bäume schneebeladen
und Jungen durch den Schneewall waten
und zwischen Schatten hoher Bäume
da glänzt der Schnee in voller Pracht,
die Sonne malt die schönsten Träume
in Schnee und Eis das Herz mir lacht.
Doch sieh, dort, auf der hohen Linde
sitzt zitternd eine Vogelschar
jetzt ausgesetzt dem scharfen Winde,
die mich erfreut Jahr für Jahr
mit ihrem Zwitschern, ihrem Sang,
bei ihrem Anblick wird´s mir bang.
Verschwunden ist die Fröhlichkeit
und wie der Schnee mich g´rad erfreut
so fühl ich nun, wie großes Leid
bringt mit sich diese schöne Zeit.
Ich streue auf die Fensterbank
das Futter und es sagen Dank
die Vögel, die es fressen,
sie werden´s nie vergessen
und singen in der Frühlingszeit
ein Lied, das mir das Herz erfreut.
Gedichte von Walter Bier
(Briefbot Walter)
1967-68