In einem Kloster kehrt ich ein,
der Abt lud mich zu Gast,
bei einem guten Tropfen Wein
nahm er mir manche Last.
Am Abend ging ich zur Kapelle,
erhellt nur durch das ewige Licht,
ich war bei Gott an heiliger Stelle;
ich dacht daran, begriff es nicht.
O Gott, dacht ich, wie arm Du bist,
Du höchste Macht, Du höchstes Gut,
Du dort im Brot, Herr Jesus Christ,
verschlossen vor der Menschen Wut.
Man gibt Dich jetzt dem Menschen gar,
in seine immer sünd’gen Händen,
o guter Gott auf dem Altar,
mach diesem Elend bald ein Ende.
Es ist genug, wenn Priesterwort
Dich hüllt in diese Brotsgestalt;
es schaudert mich an diesem Ort,
das Menschen gabst Du solch Gewalt.
Mein Gott, ich Sünder knie vor Dir,
vor Deiner Liebe ich mich schäme,
kein brennend Dornbusch ist vor mir,
Du wartest, bis ich mich bequeme,
Dich aufzunehmen, Gott, mein Gott;
Du höchstes Gut, ich, armer Tropf.
Und doch willst Du mein Bruder sein;
o, brenne mich im Feuer rein
und gib mir Kraft in Deiner Nähe,
damit ich Deine Lieb‘ verstehe.
Gedicht von Walter Bier
(Briefbot Walter)
1967-68