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Freisener Nachrichten
Ausgabe 44/2019
Kommunales näher gebracht
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Am Grabe der Schwester

Ich steh´ an Deinem offenem Grab,

mir zittern Arm und Bein,

mit Stricken senkt man Dich hinab.

Mußt es denn wirklich sein,

daß Du so früh schon folgen mußt

dem Bruder in den Tod?

Ein Seufzer löst sich aus der Brust,

der Sturm im Innern tobt.

Vor wenigen Tagen lacht ich noch

und scherzt an Deinem Bett,

nun steh ich klein und hilflos

hier an Deiner Ruhestätt!

Vor 20 Jahren wurd´ Dein Mann

zu Grabe schon getragen.

Seitdem, o Schwester, sag´s mir an,

warst Du voll Sorg´ und Plagen.

Du bist nun mit dem Gatten dort

im Himmel froh vereint,

mit ihm lebst Du nun weiter fort,

und wenn mein Aug´ auch weint,

blick ich hinauf zum Himmelszelt

und Du blickst zu mir hin.

Ich fleh´ Dich an, mich, den die Welt,

noch hält im Banne drin.

Gedichte von Walter Bier

(Briefbot Walter) 1967- 68