Erbrich, o Wirt, der Flasche Siegel,
schenkt ein, ihr Brüder, jauchzt und singt,
die Zeit fliegt hin mit raschem Flügel,
die Gläser hoch und lacht und trinkt.
Trinkt Brüder schnell die Gläser leer,
und füllt sie immer wieder;
die Sorgen senkt ins tiefste Meer;
frisch auf, singt lustge Lieder!
Des Liebchens Blick ist frisch und frei,
der Wein perlt auf den Lippen;
und wenn Gott Amor ist dabei,
lasst ihn, den Schelm, nur nippen!
Auf unsern Lippen schwebt das Herz,
wenn wir einander küssen
und jeden, der’s ertragen kann,
sehn wir mit hellen Augen an,
das macht ein gut Gewissen.
Und wer ein echter Zecher ist,
der nimmt was ihm beschieden;
und wer ein gut Gewissen hat,
der trinkt sich auch am Wasser satt
und ist auch dann zufrieden.
Gedichte von Walter Bier
(Briefbot Walter)
1967-68