Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wenn man Bürgermeister einer Stadt wie Staufenberg ist, dann lernt man schnell: Lebendige Orte entstehen nicht auf dem Reißbrett. Sie entstehen dort, wo Menschen Verantwortung übernehmen, wo sie anpacken, Ideen entwickeln und sich nicht damit abfinden, dass etwas leer steht oder verloren geht. Genau deshalb möchte ich heute über ein Projekt schreiben, das mir persönlich sehr am Herzen liegt - die Entwicklung der ehemaligen LINDENHOFSCHULE in MAINZLAR zu einem weiteren Ort der Begegnung für unsere Stadt.
Staufenberg lebt von seinen Stadtteilen. Und jeder dieser Stadtteile lebt von Menschen, die bereit sind, mehr zu tun als nur zuzuschauen. In Mainzlar ist dieses Engagement seit Jahren spürbar. Drei gesellschaftliche Fixpunkte prägen den Jahreskalender: die traditionsreiche Burschenschaftskirmes auf dem Festplatz, das vorweihnachtliche Hoffest im Ausstellungszentrum und natürlich die Prunksitzung der TV 05 Mainzlar in der Stadthalle.
Hinzu kommen der Autofreie Sonntag, der Aktivpark Lumdatal, in dem sich Jung und Alt begegnen, sowie Veranstaltungen der Eisstockabteilung wie das Jedermann-Turnier oder der Narren-Cup. All das zeigt: Mainzlar ist kein stilles Dorf. Mainzlar ist aktiv, lebendig und gemeinschaftlich.
Und dennoch wurde immer wieder der Wunsch laut: Es fehlt ein weiterer Ort, an dem Begegnung möglich ist. Ein Ort, an dem Vereine Raum finden, an dem Kultur, Sport, Kreativität und Geselligkeit zusammenkommen können. Ein Ort, der nicht nur punktuell, sondern dauerhaft Leben in den Stadtteil bringt. Genau hier kommt die Lindenhofschule ins Spiel.
Mit dem Bau der neuen Grundschule im Lumdatal sind die früheren Schulgebäude vom Landkreis Gießen in das Eigentum der Stadt Staufenberg übergegangen. Damit stellte sich auch für Mainzlar die Frage: Was machen wir aus der ehemaligen Lindenhofschule? Leerstand war für mich nie eine Option. Denn leerstehende Gebäude sind nicht neutral - sie wirken. Und sie senden das falsche Signal. Ich bin fest davon überzeugt: Alte Bausubstanz zu erhalten und sinnvoll weiterzuentwickeln ist nicht nur nachhaltiger, sondern auch identitätsstiftend.
Als wir zu einer Informationsveranstaltung in die Lindenhofschule eingeladen hatten, wussten wir nicht, was uns erwartet. Rund 60 Interessierte kamen - ehrlich gesagt: Das war eine Überraschung. Eine positive. Gemeinsam mit Norfried Stumpf von der Voice Factory und Stefan Naumann vom TV 05 Mainzlar konnten wir die Nutzungsmöglichkeiten des Gebäudes vorstellen. Die Resonanz war eindeutig: Da ist Lust auf mehr. Da ist Energie. Da ist Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Unser Ansatz ist dabei bewusst kein städtischer Alleingang. Ja, die Stadt Staufenberg übernimmt weiterhin Verantwortung für den historischen Backsteinbau, in dem bereits der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr Staufenberg beheimatet ist. Aber das übrige Gelände und das ehemalige Schulgebäude sollen von einem Trägerverein betreut werden. Dieses Modell hat sich bewährt - man denke an das Kultur-Café Wohnzimmer in Daubringen oder an das Begegnungszentrum BING in Treis. Warum also das Rad neu erfinden?
Wichtig war mir von Anfang an eines klarzustellen: Dieses „Haus der Vereine“, wie wir es vorläufig nennen, ist für alle offen. Und mit „alle“ meine ich ausdrücklich nicht nur Mainzlar, sondern alle Stadtteile Staufenbergs. Begegnung kennt keine Ortsgrenzen.
Ein entscheidender Meilenstein ist nun erreicht: Der Förderverein „Freundeskreis Lindenhofschule Mainzlar“ ist gegründet. Zahlreiche engagierte Bürgerinnen und Bürger haben sich zusammengefunden, eine Satzung erarbeitet und einen Vorstand gewählt. Menschen wie Heinz-Josef „Jupp“ Lennartz, Gerhard Schwalb, Oliver Werner und Cordelia Kreiling stehen stellvertretend für viele andere, die bereit sind, Zeit, Ideen und Herzblut zu investieren. Ihnen allen gilt mein ausdrücklicher Dank.
Mit der Vereinsgründung ist der Grundstein gelegt, um die Lindenhofschule zu einem lebendigen Zentrum des Miteinanders zu entwickeln. Erste konkrete Planungen liegen bereits auf dem Tisch: Zwei ehemalige Klassenräume sollen zu einem größeren Mehrzweckraum zusammengelegt werden, um flexible Nutzungsmöglichkeiten zu schaffen. Und auch besondere Ideen finden Platz - etwa die Nutzung des ehemaligen Turnraums durch die Interessengemeinschaft Schlitzpistenflitzer Mittelhessen, die mit ihrer professionellen Slot-Racing-Bahn Wettbewerbe und Meisterschaften nach Mainzlar holen möchte. Auch das ist Begegnung - vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnlich, aber genau darin liegt der Reiz.
Manchmal werde ich gefragt: „Herr Bürgermeister, lohnt sich das überhaupt?“ Meine Antwort ist klar: Ja. Nicht nur finanziell, sondern auch menschlich. Begegnungsstätten sind kein Selbstzweck. Sie halten Dörfer lebendig. Sie schaffen Räume, in denen man sich begegnet, austauscht, streitet, lacht und gemeinsam Lösungen findet. Sie sind Orte, an denen Gemeinschaft wächst - und genau darum geht es.
Die Lindenhofschule steht sinnbildlich für diesen Gedanken. Sie war einmal ein Ort des Lernens. Jetzt hat sie die Chance, ein Ort des Miteinanders zu werden. Ein Ort, der zeigt: Staufenberg schaut nicht weg, wenn Gebäude leer stehen. Staufenberg packt an. Und Staufenberg vertraut auf die Kraft seiner Bürgerinnen und Bürger.
Die Lindenhofschule ist dabei kein Luxusprojekt. Sie ist Ausdruck von Gemeinwohl, von Innenentwicklung und von Respekt vor dem, was frühere Generationen aufgebaut haben. Vor allem aber ist sie Ausdruck des Engagements der Mainzlarer Bürgerschaft. Ohne engagierte Mainzlarerinnen und Mainzlarer gäbe es diese Entwicklung nicht. Punkt!
Ich freue mich auf alles, was in der Lindenhofschule entstehen wird. Und ich lade Sie alle ein: Machen Sie mit! Denn eine Stadt lebt nicht von Mauern - sie lebt von Menschen.