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Amtsblatt Lollar
Ausgabe 26/2018
Stadtnachrichten
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Zeitungsartikel Staufenberg-Exkursion

„Die Wege sollst du dir selbst suchen“

Auf den Spuren Peter Kurzecks bewegten sich einige Studentinnen und Studenten der Universität Basel des Philosophie-Seminarkurses „Das Weltbild der Igel - Naturethik einmal anders“ von Prof. Dr. Angelika Krebs bei einer Staufenberg-Exkursion. Die Masterstudentin Stephanie Eaton hatte diese Exkursion in Kooperation mit der Leiterin der Stadt- und Schulmediothek an der CBES Lollar / Staufenberg vorbereitet. Gemeinsam mit Peter Kurzecks Tochter Carina Wächter, den Zeitzeugen und Jugendfreunden Roland Heger und Hans Fink, dem Historiker Volker Hess, Ilona Fuchs von der Stadt- und Schulmediothek sowie Michael Kling, einem langjährigen Anhänger von Peter Kurzeck, wanderte die Gruppe nach Tradition der literarischen Spaziergänge zu wichtigen Orten aus Peter Kurzecks Roman „Vorabend“ (2011).

In diesem erzählt Peter Kurzeck die Entwicklung Staufenbergs, dem Heimatort seiner Kindheitstage, von der Nachkriegszeit bis Ende der 1970er Jahre. Dabei kommt er immer wieder auf den Wert der Natur und insbesondere die Bedeutung ihrer Schönheit und Heiligkeit zu sprechen und beklagt ihre zunehmende Zerstörung. Das Philosophie-Seminar interessiert sich vor allem für die literarische Umsetzung naturethischer Gedanken in Kurzecks Roman, weshalb die Gruppe einen Ausflug zu den von ihm beschriebenen Örtlichkeiten unternahm. Bei den einzelnen Stationen berichteten die Zeitzeugen von vergangenen Zeiten, erzählten Geschichten, die sie mit Peter Kurzeck erlebt hatten, und lasen eindrückliche Textstellen aus Kurzecks Werken vor. Damit hauchten sie den Orten Leben ein.

Die Exkursion startete auf dem Peter-Kurzeck-Platz bei der Roten Schule, die Peter Kurzeck in Kindheitstagen besucht hat. Von dort aus ging es in die ehemalige Unterkunft, die Peter Kurzeck mit seiner Familie nach seiner Vertreibung aus dem Sudetenland bewohnt hatte. Die Räumlichkeiten stehen seit dem Auszug der Familie Kurzeck leer. Weiter ging es zum „Kreuz“, einer Straßenkreuzung im Herzen Staufenbergs. Hier bot sich die Gelegenheit auf die Geschichte bestimmter Häuser und Bräuche der damaligen Zeit zu sprechen zu kommen.

Von dort aus ist es nicht weit zum ehemaligen „Schlapps Laden“, in den Kurzeck in seiner Kindheit öfter geschickt wurde, um Besorgungen für seine Mutter zu erledigen. Anschließend kam die Gruppe am Stadtturm vorbei, der mit seinen Glocken früher die wichtige Aufgabe erfüllte, den Feierabend, Sterbefälle und andere Ereignisse anzukündigen. Er stellte daher einen Sammelpunkt für zahlreiche Kinder dar, die es kaum erwarten konnten, mit dem Glöckner nach oben zu steigen und die Glocken zu läuten.

Im Anschluss wagte die Gruppe den kleinen Aufstieg zur Ruine der Burg Staufenberg. Zunächst wurde im Burghof Halt gemacht, wo Roland Heger berichtete, dass die Burganlage nach dem Krieg eine Notunterkunft für die Vertriebenen darstellte. Von der Anhöhe aus hat man einen (wenn auch bautechnisch eingeschränkten) Blick auf das Tal und Staufenberg. Im Burghaus konnte sich die Gruppe mit einer von Ilona Fuchs vorbereiteten hessischen Spezialität, dem „Schmierkuchen“ stärken. Nach dem gemeinsamen Essen konnten Habseligkeiten aus Peter Kurzecks Nachlass, wie seine Schreibmaschine oder eine Sammlung Zeitungsartikel, begutachtet werden.

Als nächste Station auf dem Programm stand der „Poul“, der früher ein Feuerlöschteich am Rande der Stadt gewesen war. Leider wurde er im Laufe der Zeit zugeschüttet und betoniert und dient heute als Parkplatz. Der andere berühmte Teich aus Kurzecks „Vorabend“, der „Kojdriebspoul“, ist dagegen noch erhalten. Hierfür wanderte die Gruppe aus der Stadt hinaus ins weite Feld hinein. Die Zeitzeugen versicherten, dass auch heute noch einige Froschpaare im Teich ihr Zuhause haben, ganz wie Peter Kurzeck es geschildert hat. Auf der Strecke lag auch Kurzecks Lieblingsplatz, die sogenannte „Hardt“. Von diesem Punkt aus hat man eine wunderbare Sicht auf das Lahntal.

Der Abschluss der Exkursion erfolgte im gemütlichen Biergarten des Gasthauses Felseneck, das Peter Kurzeck nach seinem Wegzug aus dem Ort gerne aufgesucht hatte, um seine Heimat zu besuchen. Voller Impressionen kehrte das Seminar nach Basel zurück und zehrt noch immer von den vielen wertvollen Anregungen.