Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
Sonntag 19. April | |
| kein Gottesdienst |
Dienstag 21. April | |
Beginn 14:45 Uhr | Frauenstunde |
„Wenn du Lust hast“, sagte mein Freund zu mir, „dann begleite mich doch ein Stück.“
Ich tat ihm den Gefallen. Wir fuhren ungefähr 50 km vor die Stadt in ein großes, reiches Dorf.
Vor einem großen Bauernhof hielten wir an. Es dauerte eine kurze Zeit, bis der Bauer ihn empfing.
„Sie werden sich an mich nicht mehr erinnern“, sagte mein Freund zu ihm. „Am Ostersonntag
vor wie viel Jahren kam ich in meiner größten Not zu ihnen und bat sie um ein Stück Brot.“
„Damals kamen viele“, sagte der Bauer.
„Eben. Aber sie hatten ein Herz für mich. Sie gaben mir Brot und noch zwei rote Ostereier dazu.
Das vergesse ich nie. Ich war damals am Ende meiner Kraft.“
„Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, aber es ist möglich“, sagte der Bauer.
Er war ein wenig beschämt und glücklich zugleich.
„Es ist schon so lange her...“
Mein Freund nickte: „Damals hatte ich mir vorgenommen, es ihnen eines Tages zu vergelten.
Heute geht es mir wieder gut. Darum schenke ich ihnen diesen Korb mit roten Ostereiern und
einen Osterschinken dazu. Diese Gaben sollen Zeichen meines Dankes sein.“
Der Bauer war so überrascht und beschämt, dass er nichts mehr sagen konnte.
Wir fuhren weiter. Im zweiten Haus empfing uns die Frau.
„Am Ostersonntag vor wie viel Jahren?“ fragte sie.
„Nein, ich erinnere mich wirklich nicht. - Es war damals eine harte Zeit.“
„Aber sie hatten ein gutes Herz“, sagte mein Freund, „sie schenkten mir zwei rote Ostereier und ein großes Stück Brot. Heute bin ich gekommen, um ihnen zu danken. Dieser Korb mit roten Eiern soll ein Zeichen meines Dankes sein.“
„Sie beschämen mich“, sagte die Frau und begann zu weinen.
In den nächsten Häusern ging es auch so. Als wir am siebten Haus hielten, sagte ich verwundert zu meinem Freund:
„Dir muss es damals aber gut gegangen sein, wenn du überall am Ostersonntag zwei rote Ostereier und hier ein Stück Speck, dort einen Kuchen, ein Stück Brot oder Wurst bekommen hast.“
Ich sah noch ganz viele Körbe mit roten Ostereiern in seinem Wagen. Wir waren also noch nicht am Ende.
Mein Freund hielt den Wagen an und sagte:
„Es ging mir damals nicht besser als den anderen.
Überall, wo ich in meiner Not anklopfte, wurde ich hart und unfreundlich abgewiesen. Überall rannte ich gegen Mauern. Ich habe mir die zwei roten Ostereier überall gewünscht, aber ich habe kein einziges bekommen, erst recht nicht ein Stück Brot, Käse oder Schinken.“
„Überall dort, wo wir heute waren, bist du abgewiesen worden?“ fragte ich ihn.
„Genau in diesen Häusern. Genau von denselben Menschen.“
„Warum bringst du ihnen dann einen Korb mit roten Ostereiern und ein anderes Geschenk?
Warum bedankst du dich bei denen, die dir nicht halfen?“
Mein Freund lächelte leise. Er antwortete:
„Wir feiern Ostern. Da müssen doch Mauern durchbrochen werden. Wer mit Jesus aufersteht zu einem neuen Leben, der liebt, der liebt auch seine Feinde, der tut Gutes auch denen, die ihn enttäuscht haben.
Natürlich wissen die Leute noch, wie hart und abweisend sie damals waren.
Deshalb waren ja auch alle so verlegen und beschämt. Aber wenn einer versucht, durch ein Zeichen der Liebe und Vergebung die harte Mauer zu durchbrechen, vielleicht tun sie dann heute oder morgen wirklich einmal etwas Gutes und helfen einem Menschen, der es nötig hat.
Ist das nicht einen Korb Ostereier wert?“
Bei uns ist alle Tage Ostern, nur dass man einmal im Jahr Ostern feiert. (Martin Luther)
Info: Landeskirchl. Gemeinschaft (LKG), Hauptstr. 61, 36142 Tann / H. Limpert