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Germersheimer Stadtanzeiger
Ausgabe 19/2026
Germersheim aktuell
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Museen im Umbau: Regionalkonferenz Pfalz blickt hinter die Kulissen in Germersheim

Fotos: Museumsverband Rheinland-Pfalz e.V./ Katrin Luber

Im Rahmen der Regionalkonferenz Pfalz hat der Museumsverband Rheinland-Pfalz zu einer „Baustellen-Exkursion“ in die Germersheimer Museumslandschaft eingeladen. Unter dem Titel „Museen im Umbau – Chance und Herausforderung“ erhielten die Teilnehmenden Einblicke in aktuelle Transformationsprozesse vor Ort. Rund 30 Kolleginnen und Kollegen aus Museen in der Pfalz nahmen an der Veranstaltung teil.

Die Exkursion führte durch drei sehr unterschiedlich aufgestellte Häuser mit verschiedenen Trägerschaften und finanziellen Rahmenbedingungen: das vereinsgetragene Deutsche Straßenmuseum, das kommunale Stadt- und Festungsmuseum Germersheim sowie das privat initiierte Brennereimuseum Tausendsassa Alkohol. Diese Vielfalt ermöglichte einen differenzierten Blick auf Herausforderungen und Handlungsspielräume im Museumsumbau – von begrenzten Ressourcen bis hin zu gemeinsam von der Europäischen Union und dem Land Rheinland-Pfalz geförderten Maßnahmen.

 

Zum Auftakt begrüßten der Germersheimer Bürgermeister Marcus Schaile, der 1. Vorsitzende des Deutschen Straßenmuseums e. V., Jürgen Menge, sowie der Regionalvertreter der Pfälzer Museen, Frank Wieland, die Gäste im Deutschen Straßenmuseum.

 

Im Anschluss führte Museumsleiter Simon Sporenberg durch das Haus und erläuterte die laufende Modernisierung der Ausstellung. Während ein Ausstellungsflügel bereits neu gestaltet wurde, befindet sich ein anderer noch im Dornröschenschlaf. Die Präsentation endet derzeit im Jahr 2006 – aktuelle Entwicklungen im Straßenbau oder Perspektiven auf die Mobilität von morgen kommen bislang kaum vor. Vor diesem Hintergrund bleibt für Sporenberg noch einiges zu tun: Die komplette Ausstellung soll an veränderte Sehgewohnheiten angepasst, neue Vermittlungsansätze erprobt und inhaltlich weiterentwickelt werden. Auch die Frage, wie sich die Aufenthaltsqualität verbessern und das Museum für unterschiedliche Zielgruppen – insbesondere Familien – attraktiver gestalten lässt, wurde diskutiert. „Hier gibt es noch viel Potenzial“, so Sporenberg.

 

Weiter ging es zum Stadt- und Festungsmuseum, wo Leiterin Frauke Vos-Firnkes Einblicke in die aktuellen Umgestaltungsprozesse gab. Im Mittelpunkt standen die Neuausrichtung des Hauses, Fragen der Sammlungsarbeit sowie die Entwicklung eines klaren Profils – auch vor dem Hintergrund längerer Schließzeiten der Dauerausstellung. Die Teilnehmenden erhielten dabei auch Einblicke hinter die Kulissen: Neben der neuen Sonderausstellung zum 750-jährigen Stadtjubiläum führte Vos-Firnkes ihre Gäste in nicht öffentlich zugängliche Bereiche der Sammlung. Die seit rund 50 Jahren unveränderte Dauerausstellung sorgte für sichtliches Staunen unter den Fachkolleginnen und -kollegen und machte zugleich den Handlungsbedarf deutlich. Die Neugestaltung erfolgt dabei mit begrenzten finanziellen Mitteln, aber mit viel Kreativität – etwa durch Workcamps und neue Beteiligungsformate.

 

Zum Abschluss führte der Weg der Museumsleute in das Brennereimuseum Tausendsassa Alkohol. Mathias Berkel stellte das 2022 anlässlich des 175-jährigen Firmenjubiläums der Berkel AHK eröffnete Museum vor. Als Geschäftsführer in fünfter Generation führt er das Familienunternehmen, das heute in Ludwigshafen ansässig ist und Industrie-Alkohol herstellt. Die Präsentation knüpft an die Geschichte der Familie Berkel an, die bereits 1847 in Germersheim eine Essigfabrik und Branntweinbrennerei gründete, und führt sie bis in die Gegenwart fort. Untergebracht in der ehemaligen PAN Brennerei von 1899, lässt das Museum dabei Industriegeschichte lebendig werden. Mit seinem klar fokussierten Konzept stieß es bei den Teilnehmenden auf großen Anklang– für viele war es bislang ein echter Geheimtipp. Entsprechend angetan zeigten sich die Fachkolleginnen und -kollegen von der Führung, dem historischen Gebäude und der Präsentation.

 

Die Exkursion machte deutlich, dass Umbauphasen für Museen sowohl Herausforderungen als auch Chancen bieten. Dabei zeigte sich auch, dass nicht nur die Neugestaltung eines Museums anspruchsvoll ist, sondern ebenso der laufende Betrieb – etwa die Frage, wie es gelingt, dauerhaft Besucherinnen und Besucher zu erreichen. Neben Fragen der Publikumsbindung standen daher insbesondere die Weiterentwicklung von Sammlungen sowie zeitgemäße Vermittlungsformate im Mittelpunkt des fachlichen Austauschs. Auch das Thema „Entsammeln“ wurde diskutiert – also der Umgang mit gewachsenen Beständen und die Frage, wie man sich von Objekten trennen kann, die heute weder inhaltlich noch konzeptionell zum Profil passen. Die Teilnehmenden stellten fest: Die Herausforderungen ähneln sich in vielen Häusern.

Die Veranstaltung stieß auf ausschließlich positive Resonanz: Besonders hervorgehoben wurden die praxisnahen Einblicke und der direkte Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort. Der Tag klang im Brennereimuseum aus, wo der fachliche Austausch bei einem Glas Wein oder alkoholfreien Getränken in entspannter Atmosphäre fortgesetzt wurde; Mathias Berkel hatte hierzu eingeladen.

Weitere Informationen zu den Museen unter

https://www.germersheim.eu/kultur-tourismus/museen-kulturstaetten/museen/;

https://www.das-deutsche-strassenmuseum.de/;

https://www.pan-das-museum.de/