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Ausgabe 1/2026
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Aktuelles

Menschen aus unserer Heimat

Ein Interview von Mirko Reise, LW Medien KG

Warum Patrick aus einem Dorf bei Sondershausen in 2019 in die USA auswanderte

Patrick, du bist gerade mal 25 Jahre alt und bist 2019 in die USA ausgewandert. Was waren damals deine wichtigsten Beweggründe für diesen großen Schritt?

Es war eine Mischung aus Neugier, beruflichen Chancen und dem Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung. Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas verändern musste, um nicht stehenzubleiben - dies wäre ich in Deutschland ganz sicher.

Die USA standen für mich schon lange für Möglichkeiten, Mut und einen gewissen Pioniergeist, übrigens schon seit meiner Kindheit - ich habe in Boston eine Tante väterlicherseits. Dies hat also nichts mit der Regierung dort zu tun - mir gefiel einfach immer schon das Land und ich war in den Schulferien öfter mal 2-3 Wochen „drüben“.

Gab es einen konkreten Moment, in dem du wusstest: Jetzt gehe ich?

Ja, den gab es. Ich saß eines Abends allein zu Hause in meiner ruhigen ländlichen Gegend (Paddy lacht) und hatte plötzlich das starke Gefühl, dass mein Leben sonst in festen Bahnen weiterläuft, ohne dass ich mich wirklich weiterentwickle. Dieser Moment war beängstigend, aber auch befreiend.

Ich ging mit einer Flasche Wein zu meinen Eltern, machte sie auf und schüttete mein Herz aus.

Das Thema wurde erstaunlich gut aufgenommen - der einzige Sohn, der Stammhalter, der, der für die Übernahme von Haus, Hof und Garten vorgesehen war, wird auswandern…

Vater war das nichts Neues - seine geliebte Schwester verlies in den 70ern auch die Heimat und folgte der großen Liebe, die hier einmal in Deutschland stationiert war und zurückmusste.

Mutter weinte leise und sagte: „…ich wusste das eigentlich schon immer und ich werde Dir nicht aus lauter Egoismus im Wege stehen“.

Du hast Familie in Deutschland zurückgelassen. Wie schwer fiel dir dieser Abschied?

Sehr schwer. Das war ehrlich gesagt der schwierigste Teil der Auswanderung. Meine Familie war immer mein Ankerpunkt. Gerade in den ersten Monaten in den USA hatte ich oft Heimweh - nicht nur nach den Menschen, sondern nach gemeinsamen Ritualen, Gesprächen am Küchentisch und dieser vertrauten Nähe, dem Essen meiner Mutter, der strengen Stimme meines Vaters, dem Geruch des Hauses, meiner behüteten Kindheit...

Du sprichst oft von Sehnsucht. Was genau fehlt dir am meisten?

Es ist die Sehnsucht nach den einfachen Dingen aus meiner Kindheit: Zusammenhalt, Verlässlichkeit, ehrliche Gespräche. Früher war vieles langsamer und überschaubarer. In den USA ist alles sehr leistungsorientiert, das kann motivierend sein, aber manchmal vermisse ich die alten Werte, mit denen ich aufgewachsen bin. Hier ist es extremer als in der Heimat - hier ist alles schneller, höher, weiter…

Hat diese Sehnsucht deine Entscheidung im Nachhinein infrage gestellt?

Nein, infrage gestellt nicht - aber sie hat mich geerdet. Sie erinnert mich daran, woher ich komme und was mir wirklich wichtig ist. Ich habe gelernt, dass Auswandern nicht bedeutet, seine Wurzeln abzuschneiden, sondern sie bewusst mitzunehmen. Ich bleibe immer der Junge aus der hessischen Rhön, der abends nach Sondershausen oder Bad Frankenhausen fuhr und dort Freunde traf oder einfach mit dem Vater die Kaninchen und Hühner ausmistete.

Wie gehst du heute mit der Entfernung zu deiner Familie um?

Ich halte engen Kontakt, wir telefonieren viel, und Besuche sind mir sehr wichtig. Trotzdem ersetzt kein Videoanruf eine Umarmung. Diese Lücke bleibt, aber man lernt, mit ihr zu leben. Aber. Ich habe seit ein paar Wochen eine aufkeimende Beziehung… Das ist natürlich toll - schauen wir einmal ob wird das beide hinbekommen. Die zweite Person hat übrigens auch deutsche Wurzeln - das Leben besteht eben auch manchmal aus Zufällen.

Ich habe den Kontakt beim Modeln geknüpft - ich modele mittlerweile für viele verschiedene Dinge ganz gern. Hier hilft mir eine kleine Agentur an Aufträge zu kommen.

Wenn du an 2019 zurückdenkst - würdest du den Schritt wieder gehen?

Ja, trotz aller Sehnsucht. Die Auswanderung hat mir gezeigt, wie wertvoll Familie, Heimat und Kindheitserinnerungen sind. Ohne diesen Schritt hätte ich das vielleicht nie so bewusst erkannt. Man lebt in seinem gewohnten Alltag und nimmt nicht wahr, was man doch eigentlich hat.

Was würdest du Menschen sagen, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen auszuwandern?

Man sollte nicht nur an Chancen denken, sondern auch an das, was man zurücklässt. Beides gehört zusammen. Wer bereit ist, diesen inneren Spagat auszuhalten, kann unglaublich viel über sich selbst lernen.

Andere Länder und andere Kulturen sind klasse - Deutschland hat viel Charme verloren - wer es austesten will - es muss ja nicht für immer sein - der sollte sich treiben lassen. Die Türen der Welt stehen doch offen! Für jedermann….

Vielen Dank Paddy für deine Offenheit.

Danke Dir, Mirko, diese Gelegenheit gehabt zu haben und weiterhin alles Gute für Dich und Euer Unternehmen und natürlich viele schöne Amts- und Mitteilungsblätter sowie Heimatjournale, die mir meine Mutter übrigens in die USA nachsendet…