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Ausgabe 4/2026
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Das „besonders“ besondere Interview - Menschen aus unserer Heimat

Ein Interview, geführt von Mirko Reise, LW Medien KG

 

In einer Zeit, in der Lebensmittel aus Supermarktregalen oft anonym erscheinen, vergessen viele, wie viel Arbeit, Wissen und Verantwortung hinter jedem Stück Obst, jedem Liter Milch oder jedem frischen Ei steckt. Der Beruf des Bauern ist nach wie vor unverzichtbar: Er sorgt dafür, dass unsere Ernährung nachhaltig, regional und qualitativ hochwertig ist. Bauern pflegen nicht nur Tiere und Felder, sie erhalten Traditionen, gestalten die Landschaft und sind die direkten Ansprechpartner für Menschen, die Wert auf gesunde Produkte legen. Trotz steigender Kosten, Bürokratie und wachsender Anforderungen ist ihre Arbeit ein Fundament unserer Gesellschaft - und ein Beruf, der Leidenschaft, Hingabe und Herzblut verlangt.

Genau hier setzt unser heutiges Interview mit Jonas Meier, Jungbauer an der thüringisch-bayrischen Grenze, an. Er hat den Hof seiner Familie in sechster Generation übernommen und zeigt, dass Landwirtschaft heute mehr ist als Arbeit: Sie ist Berufung, Verantwortung und gelebte Tradition zugleich.

Unser Interviewer Mirko Reise traf sich mit Jonas an einem Tag im März.

Ein Tag auf dem Hof Meier:

Von Sonnenaufgang bis zur Abendruhe

Ort: irgendwo am ehemaligen Grenzgebiet Thüringen / Bayern

 

 

Der Wecker klingelt um 5:15 Uhr. Draußen liegt dichter Nebel über den Feldern, der Tau glitzert auf den Gräsern, und ein frischer Hauch von Erde, Heu und Milch zieht durch die offenen Scheunentore. Auf dem Hof Meier beginnt ein neuer Tag. Die Luft ist kühl, die Geräusche des Morgens noch gedämpft. In der Ferne kräht ein Hahn, die Kühe rufen einander über die Weiden zu.

Jonas Meier zieht die Gummistiefel an, schultert die Jacke und tritt hinaus. Er freut sich über die Möglichkeit des Interviews und die damit bekannter werdenden Probleme seiner Zunft und möchte gerne ohne Bild veröffentlicht werden. Diesem Wunsch entsprechen wir und spielen ein paar Musterbilder von Istock ein. Schon jetzt kann man sehen, wie er den Hof im Blick hat - jede Ecke, jede Weide, jeden Stall.

Mirko Reise: Jonas, war von Anfang an klar, dass Du Bauer wirst?

Jonas Meier: (lächelt) Absolut. Schon als Kind wollte ich Kühe melken, Eier ablesen, Gemüse ernten und Menschen mit unseren Produkten versorgen. Für mich war immer klar: Das hier ist mein Lebenstraum. Kein Bürojob, kein 9-to-5. Ich wollte raus auf den Hof, die Tiere spüren, die Erde riechen, Lebensmittel für Menschen machen.

 

 

Er geht zum Melkstand. Die Kühe treten neugierig ein. Jonas streicht ihnen über den Rücken, während er die Melkmaschine vorbereitet. „Jede Kuh hat ihren eigenen Charakter. Die eine ist temperamentvoll, die andere ruhig. Man kennt sie beim Namen, weiß, wer krank ist oder wer einfach Aufmerksamkeit braucht.“

Mirko Reise: Die Vorschriften ändern sich ständig.

Wie gehst Du damit um?

Jonas Meier: (nickt) Das ist eine große Herausforderung neben der Arbeit selbst. EU-Vorschriften, Bundesgesetze, Tierwohlauflagen, Düngepläne - alles ändert sich permanent. Ein kleiner Fehler bei der Dokumentation, und es kann richtig teuer werden. Das raubt Nerven und Zeit.

Nach dem Melken füttert Jonas die Kühe, kontrolliert die Tränken, überprüft die frisch gepflanzten Gemüsebeete und wirft einen Blick auf die Hühnerställe. Überall summt Leben. Die Sonne bricht langsam durch den Nebel, taucht den Hof in warmes, goldenes Licht.

Die Kosten für Betrieb, Futter, Energie und Baustoffe steigen beständig. Jonas deutet auf die Silageballen und das Heu: „Futterpreise explodieren, Heizkosten sind astronomisch. Alles, was wir bauen oder modernisieren wollen, kostet immense Summen. Neubauten oder Anbauten ziehen sich oft über Jahre, allein wegen der Genehmigungen.“

 

 

Mirko Reise: Fördergelder helfen da doch, oder?

Jonas Meier: (lacht trocken) Eigentlich ja, aber die Realität sieht anders aus. Förderungen sind kompliziert, oft schwer zu beantragen, passen nicht zu unseren Bedürfnissen oder kommen viel zu spät. Manchmal kommt man schneller voran, wenn man alles selbst bezahlt.

Um 8 Uhr öffnet der Hofladen. Die ersten Kunden stehen bereits vor der Tür. Kinder rennen zu den Hühnern, die aufgeregt gackern, die Kühe wiehern neugierig.

Kundin: Guten Morgen, Jonas! Ich nehme wieder ein Kilo Eier und ein bisschen Gemüse.

Jonas Meier: (lächelt) Klar, gleich für Dich abgewogen. Die Eier sind frisch vom Morgen. Schau, das Gemüse wurde gestern noch geerntet.

Solche Momente treiben Jonas an. Die Direktvermarktung ist nicht nur wirtschaftlich wichtig, sie gibt ihm die Möglichkeit, den Menschen zu zeigen, was Landwirtschaft bedeutet.

Gegen 10 Uhr beginnt die Feldarbeit. Traktor fahren, Bewässerung prüfen, neue Saat kontrollieren. Jeder Handgriff muss sitzen, jede Entscheidung wirkt auf den gesamten Hof. Zwei junge Helfer unterstützen ihn heute.

 

 

Mirko Reise: Jonas, wie schwer ist es, Leute für den Hof zu finden?

Jonas Meier: Sehr schwer. Viele wollen nicht aufs Land, andere halten die Arbeit für zu hart oder unattraktiv. Dabei ist der Beruf vielseitig: Technik, Tierpflege, Logistik, Hofladen - alles in einem Paket. Aber oft bleibt nur die Familie als Arbeitskraft. Wir schuften zwölf bis fünfzehn Stunden täglich.

Mittags kommen die Lieferungen für den Hofladen: frisches Obst, Kräuter, Milchprodukte. Jonas packt aus, räumt Regale ein, wägt Gemüse ab.

Kunde: Die Erdbeeren sehen toll aus!

Jonas Meier: (lächelt) Ja, die haben wir gestern noch geerntet. Direkt von den Feldern in den Laden.

Die Bürokratie ist ein ständiger Begleiter. Anträge für Fördergelder, Bauplanungen, Genehmigungen - jedes Projekt zieht sich über Monate oder Jahre. „Ohne diese Schritte geht es nicht, aber sie kosten viel Geduld. Manchmal frage ich mich, wie andere Länder das einfacher hinbekommen.“

Am Nachmittag prüft Jonas die Ställe. Die Kühe grasen, die Hühner suchen Schutz, die Pferde traben über die Wiesen. Jonas kontrolliert, ob alles läuft: Tränken funktionieren, Tiere sind gesund.

 

 

Jonas Meier: Jeder Tag ist anders. Kein Moment gleicht dem anderen. Das ist anstrengend, aber genau das macht dieses Leben aus. Man lebt mit der Natur, den Tieren, und für die Menschen, die unsere Produkte kaufen.

Im Hofladen herrscht wieder reges Treiben. Kinder bestaunen die Hühner, Kunden kaufen Obst, Gemüse und Eier. Jonas packt Körbe, wägt Produkte ab und erzählt den Menschen, wie sie entstanden sind. „Der direkte Kontakt mit den Kunden ist einer der schönsten Teile des Tages. Man sieht sofort, dass die Arbeit geschätzt wird.“

Gegen Abend bespricht Jonas mit einem Handwerker die Pläne für den neuen Stall. Jede Schraube, jede Wand muss bedacht werden. „Jede Investition will gut überlegt sein, die Bürokratie ist zäh. Aber wenn wir keinen Platz für die Tiere haben, können wir nicht wachsen.“

Die Sonne neigt sich dem Horizont entgegen. Jonas geht noch einmal über den Hof. Die Kühe grasen friedlich, die Hühner sind in den Ställen, ein leichter Wind streicht über die Felder.

Jonas Meier: Manchmal ist es hart, manchmal frustrierend. Aber niemals langweilig. Und wenn ich am Abend zurückblicke, alles läuft, die Tiere gesund sind, die Kunden zufrieden - dann weiß ich: Genau dafür lebe ich.

 

 

Am Abend schließt Jonas den Hofladen. Er setzt sich noch einmal auf die Bank vor dem Haus, schaut über die Felder, Ställe, Tiere. „Der Hof ist Geschichte, Tradition, und gleichzeitig mein Lebenswerk. Ich will ihn modernisieren, nachhaltiger gestalten, den Hof weitergeben - vielleicht eines Tages in siebter Generation.“

Jonas Meier vereint Tradition, Leidenschaft und harte Arbeit. Trotz steigender Kosten, Bürokratie, Mitarbeitermangel und komplizierter Förderungen bleibt er ein Symbol für moderne Landwirtschaft.

Mirko Reise: Jonas, ein letzter Gedanke?

Jonas Meier: Landwirtschaft ist kein Beruf, den man mal eben ausübt. Sie ist Berufung, Lebensstil und Herzblut zugleich. Wer sie liebt, gibt sie nicht auf - egal wie steinig der Weg ist.

Die Sonne versinkt hinter den Hügeln, die Geräusche der Tiere werden leiser. Ein weiterer Tag auf dem Hof Meier endet - voller Arbeit, Herausforderungen, Leidenschaft und Visionen für die Zukunft.