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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 1/2024
Sellemòls in der Gemeinde
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Dreschen in der Scheune

Zunächst allen Leserinnen und Lesern dieser Zeilen einen freundlichen Neujahrsgruß. Bleiben Sie gesund und haben Sie weiter Freude an diesen Beiträgen.

Sehen wir gleich noch einmal in Zeiten von sellemòls:

Mit dem Dreikönigtag am 6. Januar war in Zeiten bis etwa um 1900 die Zeit de Arbeitsruhe für die bäuerliche Gesellschaft vorüber. Das hatte vor allem einen besonderen Grund: Tagelöhner konnten nun wieder für sich sorgen, wenn sie in der Scheune zum Dreschen gerufen wurden.

Das Dreschen war den Tagelöhnern eine Möglichkeit, im Winter durch eigene Arbeit ein Zubrot zu verdienen. Doch diese Arbeit war sellemòls mit Unannehmlichkeiten verbunden, die wir heute nicht mehr hören wollen. Gedroschen wurde von Hand, mit Flegeln auf dem Scheunenboden. Die Arbeit war körperlich sehr anstrengend. Außerdem waren die Temperaturen in den Scheunen fast so niedrig, wie draußen. Damit sie nicht ganz so niedrig herabsinken konnten, wurden die Scheunentore und Außentüren mit „Strohschütten“ behangen. Diese gebundenen Strohgarben isolierten ein wenig. Doch das half nicht allzu viel, denn von dem Heuspeicher fiel weiterhin kalte Luft herab in den Arbeitsbereich der Drescher. Zeitzeugen berichteten häufig von Temperaturen knapp über dem Nullwert während der Arbeit.

Begonnen wurde die Drescherarbeit morgens in der Zeit um neun bis zehn Uhr und da die Helligkeit gegen etwa 16 Uhr so weit abgenommen hatte, dass man kaum noch etwas sehen konnte, wurde die Arbeit zu dieser Zeit wieder eingestellt. Die Arbeitszeiten der Scheunendrescher betrug bei eisiger Kälte nur fünf bis sechs Stunden am Tag.

Ein Teil der Entlohnung erfolgte am Abend dieser Dreschertage. Tagelöhner und Tagelöhnerinnen erhielten seit dem Spätherbst kein Abendessen mehr, da die Arbeitszeiten kürzer waren. Drescher dagegen wurden an diesen Abenden u. a. mit einem Abendessen entlohnt. Da dieses in der wärmeren Küche eingenommen werden durfte, klang häufig der Neid der anderen Tagelöhner und Tagelöhnerinnen durch, wenn sie sagten „Der frisst wie ein Scheunendrescher“, eine Redensart, die wir übernommen haben, deren Hintergründe wir aber kaum noch verstehen.

Gunter Altenkirch