Holzstatue der Heiligen Gertrud von Nivelles, 14. Jh. mit typischen Attributen: Jungfräuliches Aussehen, fürstliche Kleidung und Spinnwrocken mit Spindel. Was hier fehlt, sind die Mäuse,
Erneut möchte ich auf einen alten Frühlingsbrauch zu sprechen kommen, den nur noch einige Alte kennen: den Am 17. März gedenken die Katholiken der Heiligen Getrud. Die Heilige stammte aus dem 7. Jahrhundert. Ihr Gedenktag war einst einer der wichtigsten Vorfrühlingstage in unserer alten Bauernkultur.
Er galt als der letzte Tag der Winterschule und war nach Lichtmess der letzte Abschlusstag winterlicher Arbeiten und das galt vor allem für die Frauenarbeit „Spinnen“. Wer sich gegen dieses Verbot versündigte, musste mit einer Strafe seitens der Heiligen Gertud rechnen, und die konnte im schlimmsten Fall eine persönliche Mäuseplage im Haus, dem Garten oder den Feldern sein, denn Mäuse waren ihre permanenten Begleiter, mit denen sie die Frauen strafte, die nach diesem Tag noch einmal das Spinnrad zu Hand nahmen.
Sie selbst konnte auch eine Mäusestrafe erfahren, denn der Teufel, der es auf sie abgesehen hatte, sollte, der Heiligenlegende nach, versucht haben, sie, die Liebhaberin des Flachses, des Spinnens und der Mäuse, selbst als Maus in ihren Spinnrocken geklettert sein, um sie zu reizen.
Im Bliesgau war der Gertrudentag ein besonderer Tag in der Landwirtschaft: Es war der Tag der Flachsaussaat, dem Grundstoff für die weit verbreitete Leinenwirtschaft in der früheren Bauernkultur.