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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 11/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Huflattich

Aus einer kürzlich erschienenen Pressemitteilung konnte man entnehmen, was heute von den Menschen unter „Fasten“ verstanden wird bzw. werden soll: Weniger rauchen, weniger Alkohol, weniger Zucker, weniger Essen.

Wie bereits darauf hingewiesen, waren das in früheren Zeiten, besonders die geringere Nahrungsaufnahme, eine Zwangsforderung, und zwar weder von Kirche noch der Behörden, sondern ein Zwang der alten Vorratswirtschaft. Die meisten Menschen in den Dörfern besaßen in dieser Frühlingszeit nur noch sehr magere Reserven an Vorträten. Entsprechend groß war seit dem frühen März die Sehnsucht nach den ersten Kräutern in den Wiesen, und zu denen zählte vor allem der gelb blühende Huflattich, die Gänseblümchen, der Löwenzahn und weitere Kräuter. Es waren die ersten des Frühlings, die von den Menschen als Ersatz-Nahrung genutzt werden konnten.

Der Huflattich erhielt seinen Namen von seinem Aussehen, er soll an einen Pferdehuf erinnern.

Das Kraut wurde von den Frauen und Kindern gesammelt und zum mittäglichen Eintopf zubereitet. Diesem Kraut folgten bald Löwenzahn, Gänseblümchen, Wegerich und weitere frühe Wildkräuter, die die Suppen anreicherten.

Huflattich wurde auch in diesen Zeiten als Tee gesammelt, getrocknet und bevorratet. Er war ein hervorragendes Heilmittel, das genau in diese Zeit passte: gegen Husten und Erkältungen.

Aber so manche Bauern oder Tagner sammelten die Kräuter auch aus einem anderen Grund: Getrocknet wurde der Huflattich in der Pfeife geraucht.

War die Fastenzeit zu Ende, stand das Osterfest an. Die Kinder wollten mit Huflattich, eingeschlagen um ihr Osternest, den Osterhasen erfreuen, was unseren mundartlichen Begriff „Hòòseblumm“ erklärt.

Gunter Altenkirch