Zu Ostern, dem bedeutendsten christlichen Fest, erlebte man in früheren Zeiten noch viele kleine Bräuche, die heute fast gänzlich vergessen sind und in vielen volkskundlichen Beiträgen nicht mehr erwähnt werden. Dazu zählt u. a. der Tanz der Ostersonne, der von vielen Kindern noch in den 1950er Jahren geübt beobachtet wurde und viel Freude bereitete.
Wer am Ostersonntagmorgen früh aufstand, konnte nach alter Sage ein erstes Osterwunder erleben: Bei klarem Wetter sollte man die Sonne hüpfen sehen können.
Das „Hüpfen der Sonne“ ist eine optische Täuschung, besonders hervorgerufen durch langes Richten des Blickes gen Osten, wo man das Aufgehen der Sonne erwartete. Kam die Sonne endlich, so hatten die halb betäubten Betrachter das Empfinden, sie hätten die Sonne hüpfen gesehen. An der unteren Saar soll sie mit den Osterlämmchen hüpfen. Im hiesigen Sagengut ist die Erzählung von der hüpfenden Sonne weit verbreitet. Die Anzahl der Sprünge wird linksrheinisch nicht genannt. Es sollten jedoch stets drei gewesen sein.
Der Glaube an die Freudensprünge der Sonne an einem Frühlingstag war in indoeuropäischen Völkern bereits weit verbreitet. Den rechtsrheinisch siedelnden Germanen erschien die Sonne am Abendhimmel, kurz vor dem Untergang. Sie sollte vor dem Verschwinden drei Freudensprünge machen.
Da der Himmel häufig mit Wolken oder Nebel verhangen war und ist, galt das Erleben der springenden Sonne am Ostersonntagmorgen als ein großes Erlebnis.
Heute ist der Brauch nicht mehr zu beobachten.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein sehr freudiges Osterfest.