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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 15/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Sackarbeit: Fleischermesser

In den letzten Jahren habe ich immer wieder auf alte Sackarbeiten hingewiesen, also Werkzeuge aus der einst so wichtigen saarländischen Arbeiterkultur, die diese in den Werkstätten ihrer Unternehmen für sich privat herstellten.

Dazu heute wieder ein Beispiel: Ein Fleischmesser.

Ein wichtiges Ausgangsmaterial für derartige Arbeiten war in früheren Zeiten für die Arbeiter ein zerbrochenes Sägeblatt. Von der Trummsäge wurde das längste Stück zu einer Eissäge gefertigt, mit der im Winter auf den Weihern oder Flüssen Eis gesägt werden konnte und von den Bügelsägen stellten die Arbeiter Messer für die eigene Küche her. Die Sägeblätter waren aus Werkzeugstahl gefertigt und eigneten sich hervorragend für eine Zweitverwendung als Messer.

Ein solches Beispiel ist das hier abgebildete Fleischmesser.

 

Die Hauptarbeit bei der Arbeit war das Entfernen der Sägezahnspitzen, die entweder im Schraubstock abgeschlagen oder mit der Schleifmaschine entfernt wurden. Anschließend musste ein Griff gefertigt werden. Der hier abgebildete besteht aus zwei roten Fieberplatten und zwei Messingblechen über dem Ende des Bleches.

„Fieber“ war einst ein Isoliermaterial, das im Maschinenbau Verwendung fand.

Das Messingblech konnten die Arbeiter in der Schrottkiste in ihrer Firma finden. Der Griff wurde mit drei Nieten genietet und anschließend mit einer Feile handgerecht geformt.

Derartige Messer waren im Handel nicht erhältlich. Sie waren für die Hausfrauen hervorragende Werkzeuge zum Zerteilen von größeren Fleischstücken und den Männern halfen sie beim Hausschlachten.

Heute sind derartige Exponate aus den allermeisten Museen verschwunden, da ihre Herkunft nicht mehr bekannt ist oder als nicht erwähnenswert angesehen werden - ein weiterer Hinweis auf das Verschwinden unserer einst so wichtigen Arbeiterkultur.

Gunter Altenkirch