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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 16/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Mundart: lierisch

Bis ins frühe 20. Jahrhundert wurde dieses Mundartwort allgemein für das hochdeutsche Wort „liederlich“ benutzt.

Die ursprüngliche, mittelalterliche Bedeutung des Wortes war zunächst eine positive. Ein auffälliger Wildbach wurde ursprünglich als laut tosendes Wasser gesehen, das jubelnd dem Tal zuschießt. Auf die Gesellschaft übertragen wurde daraus jubelndes fröhliches Treiben, Der Begriff „liederlich“ stand im Gegensatz zu „ernsthaft“. Daraus entwickelten sich Bedeutungen wie sorglos, leichtsinnig, unüberlegt. Der ursprünglich fröhliche Gedanke hinter dem Wort kehrte sich folglich ins Gegenteil. Überlegungsloses und leichtsinniges Handeln, trat schon vor einigen Jahrhunderten an die Stelle der einst positiven Nutzung des Wortes. Menschen, die keine Ordnung halten können, sorglos leben, gelten heute als liederliche. Die Bedeutung des Wortes ist zwischen „nicht mehr gut aber auch nicht ganz so schlecht“ anzusiedeln.

Die Kirche übernahm das Wort im 19. Jahrhundert für „heidnisch“ und damit für leichtsinniges überlegungsloses Denken und Handeln, was religiöses Erzählen und Handeln betrifft. Ein bestes Dokument aus dem Bliesgau ist der Kindchesbrunnen von Ballweiler, den vor mehr als hundert Jahren ein katholischer Breitfurter Pfarrer als „Lierischborn“ bezeichnete und da Kindchesbrunnen in der Männerwelt keine hohe Beachtung fanden, bürgerte sich dieser Name schnell im Dorf als Spott auf einen alten Frauenbrauch ein und blieb bis zur Vernichtung des Brunnens in den 1970er Jahren erhalten.

Doch auch in anderen Bräuchen, die nicht ganz dem christlichen Glauben entsprachen, wurde gerne das Wort „lierisch“ benutzt. Dabei handelte es sich stets um solche Bräuche und Erinnerungen, die mit Spuren der vorchristlichen Religion gekennzeichnet waren.

Heute ist das Wort zurückgekehrt an seine alte Bedeutung: „Nicht ganz gut, aber auch nicht ganz schlecht.“

Am Sonntag, 19.4. sind die Museen in Rubenheim wieder von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.

Gunter Altenkirch