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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 17/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Brauchtum: Mariä Verkündigung

Am Samstag den 25. April ist es wieder soweit: Mariä Verkündigung, ein wichtiger Lostag und ein Tag alten Brauchtums.

Nach christlicher Lehre ist es der Tag, genau neun Monate - der Zeit einer Schwangerschaft - vor Christi Geburt an Weihnachten.

Der April mit seinen teils schlechten Launen neigt sich nun endlich dem Ende zu. Die Hoffnung auf die warme Jahreszeit war schon in früheren Zeiten sehr groß. Und bis in die 1950er Jahre war Mariä Verkündigung auch der Tag der Schwalben, vor allem für die Jugend.

Die Schwalben waren noch vor einigen Jahrzehnten noch hoch anerkannte Zugvögel, geschätzte Glücksbringer und vor allem ersehnte Frühlingsbringer.

Beliebt war das Beobachten der Nester an den oberen Hauswänden, denn wer solche Tiere am Haus hatte, der sah sich für den ganzen Sommer über geschützt.

Seit Jahren wird von vielen Hausbesitzern der Schwalbenkot unter den Nestern als lästig gesehen und - eher heimlich - die Nester zerstört.

Die Kinder hatten von den Alten zu diesem Tag Sprüche gelernt:

„Mariä Verkündigung, bringt die Schwalwe um“

(Der Tag tötet sie nicht, sondern lässt sie aus dem Süden umkehren.). Und weiter wurde der Spruch gerne ergänzt mit dem Spruch

„Mariä Geburt (8.9.) sinn die Schwalwe wieder furt.“

Damit erinnerte man an die warme Jahreszeit, die den Alten vor allem auch die Anschaffung und Aufbewahrung von Wintervorräten ermöglichte.

Und wenn die Schwalben wieder gen Süden fliegen, sollte ihr Gezwischer heißen:

„Wenn mir furtflieje sinn Kischd unn Kasche voll -

Kumme mir zerick sinn Kischd unn Kasche leer.“

Damit sollten die Menschen auf ihre selbst eingebrachten Vorräte hingewiesen werden.

Der Tag wurde folglich als großer Feiertag gesehen. Heute, in einer Zeit, wo wir alles in den Geschäften oder noch mehr über das Internet kaufen können, haben wir diesen Tag mit seinem Erzählen und Sprücheleiern von Sprüchen vergessen.

Gunter Altenkirch