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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 2/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Muckefuck bzw. Ersatzkaffee

In alten und besonders in schlechten Zeiten gab es ein dunkles Getränk, das einem Kaffee ähnlich sah, aber in keiner Weise den herzhaften Geschmack eines „guten“ Kaffees erhielt, den vor allem die Kaffeeliebhaberinnen so gerne tranken, wenn es am Nachmittag ein besonderes Erzählereignis gab.

Der Ersatzkaffee Nummer eins war im Saarraum wohl der aus gerösteter Gerste einst von den Hausfrauen selbst hergestellte. Die dazu notwendigen Gerstenähren sammelte die Familie auf abgeernteten Kornfeldern. Die Ähren wurden getrocknet und anschließend auf dem Küchentisch mit einem speziellen hölzernen Bleuel ausgedroschen – in der Regel eine Herbstarbeit, da sich die ausgedroschenen Körner in einem Leinenbeutel lange hielten.

An zweiter Stelle lagen die im Wald gesammelten Eicheln. Diese wurden zunächst gewässert. Dabei werden die schwimmenden Früchte entnommen, denn sie könnten verdorben sein. Anschließend erfolgt eine Wäsche, das Schälen und das Zerhacken mit einem großen Messer auf einem Holzbrett. Nachdem diese ein wenig nachgetrocknet waren, konnten sie auch geröstet werden. Der bessere Eichelkaffee sollte nur der aus frischen Eicheln sein. Die Vorratshaltung war folglich begrenzt. Eichelkaffee war besonders gesund. Bei diesem Kaffee unterschied man „schwarzen“ und „braunen“. Während der schwarze Kaffee am Kaffeetisch serviert wurde, sollte der braune zusätzlich als Heilmittel dienen, besonders bei Magen-Darmverstimmung. Er ist reich an Mineralstoffen und enthält sogar kleine Mengen Vitamin B. Fachkundige Hausfrauen würzten ihn ganz leicht mit Zimt.

Zusätzlich konnten die Hausfrauen auch aus den Wurzeln von Löwenzahn, Wegwarte oder Chicorée auf gleiche Weise Ersatzkaffee herstellen. Natürlich musste auch der geröstete Ersatzkaffee in der Kaffeemühle gemahlen werden.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert setzte die Industrie ebenfalls auf Ersatzkaffee. Am bekanntesten war der „Kathreiner-Kaffee“ aus Gerstenkorn.

Das Wort Muckefuck stammt von unseren französischen Nachbarn, in deren Sprache bedeutet „mocca faux“ falscher Kaffee.

Gunter Altenkirch