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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 33/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Brauchtum: Werrzwischdaa

Am Samstag, den 15. August ist im Saarland ein Feiertag, es ist Maria Himmelfahrt. Wesentlich älter wurde innerhalb der Zeit zwischen „Heu und Ähren“ dieser Tag als hohes Fest gefeiert, als Tag der Segnung der Heilkräuter, einst gerne „Würzkräuter“ genannt, gilt der Brauch seit dem 9. Jahrhundert. Doch er ist viel älter. Die Kirche übernahm als wesentliches Symbol Zahlen der biblischen Schöpfungstage (7 und 77). Daneben galten den Dorfbewohnern auch andere wichtige Zahlen wie bereits die den Gallogermanen heilige 9 und die heilige christliche 12 als Grundlage für den Wisch.

Noch im 19. Jahrhundert wurde von vielen Frauen stolz die 77 gesehen und das bedeutete, dass sie 77 verschiedene Kräuter sammelten und in einen dicken und vor allem hohen Wisch einbanden.

Als „Seele“ dieses Wisches diente eine große blühende Königskerze, um die die übrigen Kräuter in kleineren gebundenen Sträußen aufzunehmen. Die Seele und die elf eingebundenen Sträuße erreichten die heilige christliche Zahl zwölf, einst jedoch noch die Zahl Neun.

Ein solcher Wisch erreichte häufig eine Höhe von einem Meter und mehr.

Zu den Kräutern zählten Heilkräuter, Brauchtumskräuter, Lieblingsblumen der Familie und vor allem Getreidehalme, besonders von dem Getreide, das im laufenden Jahr angebaut, geerntet und bevorratet wurde.

Der vom Priester in der Messe am Würzwischtag gesegnete Wisch wurde im Haus zum Schutz für Haus und seine Bewohner aufgehängt. In früheren Zeiten wurden aus diesem Wisch einige gesegnete Kräuter von solchen Pflanzen entnommen, die im Haus als Vorräte für Tee und Gewürze aufbewahrt wurden. Darüber hinaus sollten die Getreidehalme den Vorräten in den Getreidetruhen auf dem Speicher einen Segen erhalten.

Der Brauch ist heute in der alten Tradition nicht mehr zu finden. Nur noch in wenigen katholischen Kirchen findet noch eine Segnung der heute bescheidenen Wische statt.

Gunter Altenkirch