Wir kennen und benutzen heute immer wieder alte Redewendungen, doch die Ursprünge aus Zeiten von gut hundert Jahren sind uns leider nur noch fragmentarisch bekannt, meist jedoch völlig in Vergessenheit geraten und dazu zählt auch die Redensart „auf Schusters Rappen“.
Rappen waren in unseren Dörfern sehr dunkle, bestenfalls pechschwarze Pferde. Diese Tiere fanden eine hohe Beachtung, beinahe so hoch, wie die Schimmel, also die weißen Pferde, denn diese galten als edelste Reittiere und wer ein solche Tier besaß und damit in die Stadt ritt, erhielt eine hohe Anerkennung.
Schimmel, aber auch die schwarzen Rappen waren im Dorf vor allem Reittiere der Großbauern. Das Reisen mit einem Pferd in Zeiten ohne Eisenbahn und Autos war etwas Besonderes. Man nahm seinen Schimmel oder Rappen.
Um nicht ganz so schlecht dazustehen, sprachen die meisten Männer von Schusters Rappen. Das klang besser als „zu Fuß gegangen“.
Wie entstand diese Bezeichnung? Es handelte sich bei diesen Schuhen ursprünglich um halbhohe Stiefel, die man vom Dorfschuhmachermeister anfertigen ließ. Das rohe Leder wurde anschließend von den Bauern selbst mit dem äußeren Darmfett von Rindern, Ziegen oder Schafen, dem Umschlitt, eingerieben. Vorher wurde es mit feinem Ruß aus dem Harsch (offener Kamin) sorgfältig durchgeknetet. Dadurch erhielt man eine schwarze Schuhwichse, die für die Stiefel benutzt wurde. Die Stiefel wurden folglich schwarz und nach längerem ‚Einwirken ließen sich die Stiefel sogar polieren, so dass sie edel aussahen. Diese Behandlung war eine besondere und galt nur den besseren Stiefeln.
Wer in der Saarbrücker Zeitung am 30.12. den Artikel über die saarländische Toilettengeschichte im Rubenheimer Museum für dörfliche Alltagskultur las, erfuhr, dass am 24.1.2026 eine Führung durch diese Ausstellung stattfindet. Sie beginnt um 10.00 Uhr, Erfweilerstr. 3. Bitte voranmelden Tel. 06843 91081.
Gunter Altenkirch