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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 5/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Die kleinen Leute:

Der einst auch in unseren Dörfern häufig mit einer Herablassung benutzte Begriff „kleine Leute“ hatte seinen Ursprung in der bürgerlichen Kultur. In den Städten unterschieden die Bürger Großbürger (Großbürgertum) und die Masse der anderen Einwohner, die Kleinbürger (Kleinbürgertum) und damit waren die „kleinen Leute“ gemeint. Zu den Kleinbürgern zählten die Handwerker, kleinere Kaufleute, Volksschullehrer und seit dem 19. Jahrhundert auch die Arbeiter und Bergleute.

Im Bürgertum wurden immer wieder die Merkmale der „kleinen Leute“ genannt. Für die Großbürger waren die Mitbewohner „einfach gestrickt“, also durchschnittliche Bürger ohne viel Geld und anderem Vermögen, ohne Macht und ohne Einflüsse auf die gesellschaftlichen Regeln.

Von dieser Gruppe ausgeschlossen war das Gesinde und vor allem die Vaganten, häufig und fälschlicherweise als Zigeuner beschimpft. Sie standen noch eine Etage tiefer in der Sozialbetrachtung.

Die Arroganz der Großbürger gegenüber den „kleinen Leuten“ ist bekannt -und das hatte sich auch auf dem Land durchgesetzt - was z. B. die Handwerker und auch andere Gruppen betrifft. So besitzen diese ein sehr umfangreiches Spezialwissen, das einerseits die Großbürgern nicht besitzen, andererseits ihnen eine lebensnotwenige Hilfe ist.

Diese Arroganz ist auch heute noch zu beobachten, vor allem wenn es darum geht, die Welt der „kleinen Leute“ zu beschreiben.

Gunter Altenkirch