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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 7/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Brauchtum: Fastnacht: Speckball

Der Fette Donnerstag, einst als „schmotzischer Dunnerschdaa“ bekannt, ist für dieses Jahr schon vorbei.

Der ursprüngliche Tag war bis etwa 1900 der Heischetag der Schweinehirten. Heischen bedeutet „erbitten, fordern für eine erbrachte Dienstleistung“.

Der alte Brauch der Schweinhirten am Fetten Donnerstag bestand darin, dass sie durch die Dörfer gingen und heischten mit eigenen, heute längst vergessenen Sprüchen. Dafür erhielten sie von den Bauern, deren Schweine sie im Laufe des Jahres als Herde hüteten, in der Regel ein Stück Speck oder Schinken aus der letzten Schlachtung als zusätzliche Entlohnung. Am Abend wurde dann fröhlich getanzt, gesungen und gefeiert, schließlich war Fastnacht.

Der Ursprung dieses Tages geriet nach dem Ersten Weltkrieg fast gänzlich in Vergessenheit, der Name „Fetter Donnerstag“ blieb jedoch bis heute erhalten und wird vielfach mit dem im Fett gebackenen Fastnachtsküchelchen erklärt.

In der 1968er Zeit, einer Zeit, des internationalen gesellschaftlichen Aufbruchs und der Proteste gegen alte herrschende Verhältnisse, richteten die Jugendlichen auch in der Fastnacht neue Bräuche ein, die bei den Alten zum Teil auf erheblichen Widerstand stießen. Und so entstand ein neuer Brauch, ein Speckball mit einer neuen Bedeutung. Der Fette Donnerstag wurde Teil einer neuen Freiheit auf den Maskenbällen. Besonders die weiblichen Ballgäste erschienen nun gerne mit aufreizenden und knappen Kostümen. Vor allem die Mädchen und jungen Damen glaubten, in ihren Kostümen „mehr Speck“ zeigen zu müssen.

Die ältere Generation reagierte mit neuen Erklärungen zum Ursprung des Fetten Donnerstages, sie erklärten, dass es der Tag wäre, an dem deftiges Essen, vor allem mit Speck, auf den Tisch kommen müsste.

Ich wünsche allen Fastnachtsfans fröhliches Feiern – und dennoch sind in Rubenheim die Museen am Sonntag geöffnet.

Gunter Altenkirch