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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 8/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Mundart, Redewendung: Kuckucksbauer

Der Kuckuck ist noch lange nicht zu hören. Trotzdem war diese Zeit in der frühen Fastenzeit die gefürchtete Zeit der Kuckucksbauern.

Unter diesem Begriff verstanden die Alten vor der frühen Arbeiterkultur ärmliche Dorfbewohner, die sich zwar sehr viel Mühe gaben, im Sommer und Herbst genügend Lebensmittelvorräte für den Winter anzubauen und einzusammeln, die jedoch im Frühling immer wieder an ihre Grenzen gerieten. Mit dem ersten Schrei des Kuckucks sollten die Vorräte dieser Dorfbewohner ganz aufgebraucht sein, so die Erfahrungen der Alten.

Doch waren für viele dieser Kleinbauern die Tage vor Ostern, die Fastenzeit, eher eine willkommene Ermahnung, mit den wenigen restlichen Vorräten sparsam umzugehen. Gleichzeitig waren diese Leute die ersten, die in den frühkeimenden Wiesen das erste essbar Grün sammelten, um sich von Hungerzeiten noch ein bisschen fernzuhalten. So gesehen waren die wirklichen Kuckucksbauern nur eine Minderheit, die keine richtige Vorratswirtschaft betrieb und schließlich betteln musste, bis es wieder etwas mehr pflanzliche Nahrung in den Wiesen und auf Äckern zu ernten gab.

In der Arbeiterkultur des 19. Jahrhunderts verschwand diese Phänomen im hiesigen Raum. Viele Menschen konnten in Bergbau und Industrie einen Lohn verdienen, der auch noch in barem Geld ausbezahlt wurde – das beste Zahlungsmittel, für das die Bauern sich von ihren Vorräten gerne trennen konnten.

Gunter Altenkirch