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Bekanntmachungsblatt der Gemeinde Gersheim
Ausgabe 9/2026
Sellemòls in der Gemeinde
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Mundart, Redensart: Hungriger Wind

Der letzte Beitrag ließ uns wissen, dass alte Mundartwörter wohl für immer verschwunden sind. Ein zweites Beispiel zu diesem Thema ist der „hungrige Wind“. Bei diesem Wind handelt es sich um einen Frühjahreswind. Er ist stark, kalt und trocken. Er kann viele Tage, sogar Wochen, anhalten und weht aus Nordost bis Ost. Ein hungriger Wind mit anhaltender Kälte und Trockenheit bring ein Erliegen des jungen Pflanzenwuchses im Frühling mit sich. Vor allem arme Menschen, die im Frühling die ersten Pflanzen von Wiesen und Äckern für ihre bescheidene Ernährung benötigen, litten unter einem derartigen eingetretenen Mangel. Aus diesem Grund war der Wind stets sehr gefürchtet. Auch Viehfutter kann bei diesem Wetteraufkommen kaum geerntet werden und auch der Gartenanbau ist während dieser Wetterlage stillgelegt. Auf den Äckern vertrocknete das Getreide. Sollte der Wind längere Zeit anhalten, fällt die Ernte in solchen Jahren sehr mager aus. Natürlich leidet auch der Obstanbau. Die Blüten vertrocknen und fallen ab und Bienen sind bei diesem Wind kaum zu entdecken.

Insgesamt waren solche Winde Bereiter von Hungerjahren, in Zeiten, als es noch keinen Fernhandel gab, mit dem die aufgezeigten Mängel ausgeglichen werden konnten.

Gunter Altenkirch