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Waldbrunner Nachrichten
Ausgabe 13/2026
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100. Geburtstag des Fussinger Kirchenkünstlers Paul Grimm

 

 

Paul Leonhard Grimm gehört zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten weltweit, die der Westerwald hervorgebracht hat – ein Künstler von internationalem Rang, dessen Werk bis heute Menschen berührt und inspiriert. Er wurde am 29. Juni 1926 in Fussingen als das fünfte von zehn Kindern geboren, besuchte die hiesige Volksschule und absolvierte eine Maler- und Anstreicherlehre. Mit 17 Jahren wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nach Frankreich kommandiert. Dort geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft und verbrachte einige Jahre in Alabama/USA in einem Kriegsgefangenenlager mit Holzfällen, Zuckerrohr schlagen u.ä. Aber immer, wenn er etwas Zeit hatte, malte und zeichnete er. Zurück in Deutschland besuchte er ab 1947 Werkkunstschulen sowie Maler- und Bildhauerklassen. Schon vor Abschluss seines Studiums gewann er zahlreiche Kunstpreise und nahm an Kunstausstellungen teil.

Manche Künstler hinterlassen ihre Spuren in Museen und Galerien. Paul Leonhard Grimm hat darüber hinaus Orte geprägt, die für viele Menschen Räume des Glaubens, der Besinnung und der Gemeinschaft sind: Kirchen. Er schuf Werke, die weit über seine Heimat hinaus Beachtung fanden und bis heute in zahlreichen Sakralbauten zu finden sind. Mit seiner unverwechselbaren Formensprache verband er Kunst und Spiritualität auf besondere Weise. Seine Altäre, Kreuze, Reliefs, Skulpturen und künstlerische Gestaltungen laden dazu ein, Glauben nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen und zu erleben.

So war es naheliegend, ihm, 34-jährig, die Aufsicht bei der umfassenden Innenausstattung der Fussinger Kirche St. Leonhard Anfang der 1960er Jahre zu geben. Er selbst schuf damals Altar, Tabernakel mit Tragesäule, Kanzel, Christkönigsbild, Altarkreuz, Kommunionbank (zwischenzeitlich entfernt) und die Kerzenleuchter. 1968 schuf er aus Marmor die Madonna mit der Lilie und dem küssenden Jesuskind, 2006 das Portrait von Maximilian Kolbe für die örtliche Katholische Arbeitnehmerbewegung, deren Patron Maximilian Kolbe ist. 2016 schließlich schuf er, 90-jährig, im Auftrag des Fördervereins Kirche St. Leonhard und Pfarrheim Fussingen die Feuerplastik Hl. Dreifaltigkeit, die er als sein Alterswerk bezeichnete. Damit schmücken Werke Grimms die Fussinger Kirche über einen Schaffenszeitraum von 56 Jahren, beginnend 1960 bis 2016. Zwei Jahre später, am 5. Juli 2018, verstarb Paul Grimm, er ist begraben auf dem Friedhof seines Heimat- und Wohnortes Fussingen. (Das Bild zeigt den Künstler 2016 in seinem Atelier bei der Modellierung der Feuerplastik „Hl. Dreifaltigkeit“).

Sakrale Werke von Paul Grimm gibt es zahlreiche in den Kirchen unserer näheren Umgebung. So z.B. in der neuen Kirche in Waldbrunn-Lahr, wo auf künstlerische Weise der Heil- und Erlösungsgedanke der Bibel dargestellt ist, in Waldbrunn-Hausen, Winkels, Waldernbach, Oberzeuzheim, Löhnberg, Seck, Offheim, Linter usw., aber auch weiter entfernt, z.B. in Höxter und Düsseldorf.

Die Schaffensweise Grimms umfasst sehr viel mehr als sakrale Kunst. Mit am bekanntesten sind seine Erfindung der Feuerplastik und seine Tierreliefs (das Tierrelief „Musiktier“ stellte er 2002 als Leihgabe dem Kindergarten „Regenbogenland“ in Fussingen zur Verfügung). Für sein Wirken erhielt er zahlreiche internationale Preise und Auszeichnungen, wie z.B. die Ehrendoktorwürde der Universität in Buenos Aires. Für einen weiteren Einblick in sein Schaffen sei auf Wikipedia, das Buch „Chronik von Fussingen“ und den Kirchenführer „St. Leonhard Fussingen“ verwiesen.

Am Montag, den 29. Juni 2026, seinem 100. Geburtstag und gleichzeitig Namenstag, gedenken wir Paul Leonhard Grimm, dem Fussingen so viel zu verdanken hat, in einem Gottesdienst um 10 Uhr in seiner Heimatkirche.

Der Förderverein Kirche St. Leonhard und Pfarrheim Fussingen lädt zu einer Kirchenführung, bei der die Werke Grimms in der Fussinger Kirche im Vordergrund stehen, am Sonntag, dem 5. Juli 2026, seinem Todestag, um 14 Uhr ein.