Titel Logo
Wetzlarer Stadtteilnachrichten
Ausgabe 17/2026
Mitteilungen des Magistrates
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

28 neue Stolpersteine in Wetzlar verlegt

Ted Rosenthal legte Blumen zum Gedenken an seine Familie nieder (Fotos: Stadt Wetzlar)

Rund 100 Menschen folgten der Verlegung von sieben Stolpersteinen für die Familie Rosenthal in der Bannstraße.

Der Künstler Günter Demnig verlegte die Stolpersteine in der Bannstraße.

In der Wetzlarer Innenstadt sind am Montag, 13. April, weitere 28 „Stolpersteine" an sechs Stationen zum Gedenken an Wetzlarer Bürger, die während der Zeit des Nationalsozialismus vertrieben, deportiert oder ermordet wurden, verlegt worden. 25 Stolpersteine wurden in Wetzlar bereits 2009 und 2015 verlegt. Der Künstler Günter Demnig, der in den vergangenen 30 Jahren bereits über 125.000 Stolpersteine in 31 Ländern verlegt hat, verlegte die handgefertigten Steine mit Messingplaketten zusammen mit dem Stadtbetriebsamt. Zur ersten Verlegestelle in der Bannstraße am Fußgängerüberweg zum Forum kamen rund 100 Menschen zusammen, um der Aktion beizuwohnen. Als Ehrengast nahm Ted Rosenthal mit seiner Ehefrau aus New York teil, dessen Vater Erich Rosenthal sich der Verfolgung durch die Nationalsozialisten 1938 durch Flucht in die USA entziehen konnte. Sechs weitere Angehörige der Familie Rosenthal, die zuletzt in der Bannstraße 14 wohnten, wurden ermordet oder starben an den Folgen der Haft im KZ, darunter der Großvater von Ted Rosenthal, Theodor Rosenthal. Biographien der Familienmitglieder wurden von Schülern der Goetheschule Wetzlar vorgetragen, die sich im Rahmen eines Projektes im Geschichtsleistungskurs mit dem Schicksal der Familien Rosenthal beschäftigt hatten. Das Gedenken wurde musikalisch von Jörn Martens von der Wetzlarer Musikschule Lahn-Dill untermalt und mit einem Gebet von Rabbiner Shimon Grossberg abgeschlossen, der die gesamte Verlegeaktion begleitete.

Die zweite Station befindet sich in der Brückenstraße 5, wo vier Stolpersteine zum Gedenken an die Familie Stern, die bis 1935 an diesem Ort ein Bekleidungsgeschäft führte, verlegt wurden. Es folgten Verlegungen in der Langgasse für Angehörige der Familie Jessel, in der Lahnstraße für Familie Rabow, in der Weißadlergasse für Familie Davidsohn und schließlich am Geilberg für Ernst Jakob und Berta Sauer. Ernst Jakob Sauer wurde am 27.03.1945 noch kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner in Wetzlar von den Nationalsozialisten hingerichtet, weil er an seinem Haus am Geilberg ein Schild mit der Aufschrift „Schütze mein Haus. Wir sind keine Nazis. Wir begrüßen die Befreier." angebracht hatte. Für alle Stolpersteine wurden Patenschaften von Institutionen oder Privatpersonen übernommen, die die Kosten des Steins und nach Möglichkeit auch dessen Pflege umfasst. Die Paten sind: Goetheschule Wetzlar, Wetzlarer Geschichtsverein, Luise Goldstein, Barbara und Hans Joachim Deiker, Omas gegen rechts, Sybille Weißschädel, Margarete Rabow, Dagmar Beyer & Andrea Neischwander, Cornelia Sieber, Sigrid & Klaus Kirdorf, Irmtrude & Ernst Richter.

Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) nannte die Stolpersteine einen „lebendigen Auftrag zur Zivilcourage": „Stolpersteine fordern uns auf, den Blick zu senken und das Herz zu öffnen." Jeder Stein sei ein leuchtendes Erinnerungszeichen, das dazu auffordere, Fragen nach den Geschichten der gedemütigten und ermordeten Menschen zu stellen. Wagner sprach sich dafür aus, künftig noch weitere Stolpersteine in Wetzlar zu verlegen.

Alle Biographien der Wetzlarer Bürger, für die Stolpersteine verlegt wurden, sind in einer Broschüre dokumentiert, die für 10 Euro beim Verein Wetzlar erinnert e. V. (Helgebachstraße 32, 35578 Wetzlar, Tel. 06441/921840, E-Mail: info@wetzlar-erinnert.de) erworben werden kann.

Liste der 28 Gedenksteine 2026

Wohnsitz/Wohnhaus Wetzlar

Name

Geburts-jahrgang

deportiert, verschollen, ermordet

Bannstraße 14

Theodor Rosenthal

1881

Schutzhaft 1938 KZ Buchenwald Tot 02.12.1938 Frankfurt

 

Hertha Rosenthal

1888

deportiert 1942 Region Lublin ermordet

 

Erich Rosenthal

1912

Flucht 1938 USA

 

Bernhard Rosenthal

1883

deportiert 1942 Region Lublin ermordet

 

Minna Rosenthal

1896

deportiert 1942 Region Lublin ermordet

 

Ernst Rosenthal

1923

deportiert 1942 Region Lublin, Majdanek, ermordet 25.09.1942

 

Gerda Rosenthal

1930

deportiert 1942 Region Lublin ermordet

Brückenstraße 5

Klara Stern geb. Jessel

1885

deportiert 1941 Kowno/Kaunas Fort IX ermordet 25.11.1941

 

Heinrich Stern

1876

gedemütigt/entrechtet tot 17.03.1937 Frankfurt

 

Erich Stern

1910

Flucht 1935 Palästina

 

Hans Stern

1919

Schutzhaft 1938 KZ Buchenwald Flucht 1938 England

Langgasse 44

Moritz Jessel

1882

Schutzhaft 1938 KZ Buchenwald deportiert 1943 Auschwitz ermordet 22.03.1944

 

Christine Jessel

1891

ausgegrenzt/drangsaliert überlebt

 

Lore Brück geb. Jessel

1924

gedemütigt/entrechtet überlebt

Lahnstraße 34

Georg Rabow

1891

gedemütigt/entrechtet tot 05.03.1942 Frankfurt

 

Margarethe Rabow

1895

ausgegrenzt/drangsaliert überlebt

 

Heinrich Georg Rabow

1920

gedemütigt/entrechtet Zwangsarb. Clausthal-Zellerfeld überlebt

 

Oskar Emil Rabow

1922

gedemütigt/entrechtet 1944 KZ Buchenwald überlebt

 

Walter Friedrich Rabow

1923

gedemütigt/entrechtet Zwangsarb. Clausthal-Zellerfeld überlebt

 

Hans Joachim Rabow

1924

gedemütigt/entrechtet Zwangsarb. Clausthal-Zellerfeld überlebt

 

Ernst Ludwig Rabow

1926

gedemütigt/entrechtet Zwangsarb. Clausthal-Zellerfeld überlebt

Weißadlergasse 1

Georg Davidsohn

1876

Flucht 1939 Argentinien

 

Agnes Davidsohn geb. Rabow

1881

Flucht 1939 Argentinien

 

Kurt Davidsohn

1905

Flucht 1937 Argentinien

 

Heinz Davidsohn

1912

Flucht 1938 Argentinien

 

Lotte Davidsohn

1912

Flucht 1935 Argentinien

Am Geilberg 4

Ernst Jakob Sauer

1880

hingerichtet 27.03.1945 Friedhof Wetzlar

 

Bertha Sauer

1884

ausgegrenzt/drangsaliert überlebt