Der Serviceclub „Old Tablers 86 Wetzlar“ hat die Stadt Wetzlar mit einer Spende von 7.000 Euro für städtische Baumpflanzungen unterstützt. Mit Hilfe dieser Geldspende hat die Stadt Wetzlar Anfang Dezember am westlichen Ende des Laufdorfer Weges eine neue Streuobstwiese angelegt. Auf einer vorhandenen, rund 8.200 Quadratmeter großen Wiese wurden insgesamt 45 hochstämmige Apfel- und Birnbäume gepflanzt. Am Freitag, 12. Dezember, haben auch Mitglieder der Old Tablers sowie die Wetzlarer Umweltdezernentin Andrea Biermann mitgepflanzt.
Als Streuobstwiesen werden Bestände hochstämmiger Obstbäume bezeichnet, die „verstreut“ auf Wiesen stehen. Streuobstwiesen stellen eine kulturhistorische Obstnutzungsform dar, welche unter anderem auch in Wetzlar traditionell landschaftsprägend ist. „Darüber hinaus haben Streuobstwiesen eine sehr hohe ökologische Bedeutung. Als Lebensraum von über 5.000 Tier- und Pflanzenarten zählen sie zu den artenreichsten Biotopen Mitteleuropas.“, erläuterte Dirk Hadtstein vom Amt für Umwelt und Naturschutz. Zu den typischen Streuobstwiesenarten zählen z.B. Grünspecht, Gartenrotschwanz, Steinkauz, mehrere Fledermausarten und viele verschiedene Insektenarten. Streuobstwiesen haben daher eine wichtige Funktion für die biologische Vielfalt. Streuobstwiesen sind Nutzungsbiotope, in denen regelmäßige Pflegeschnitte an den Obstbäumen sowie eine regelmäßige Mahd oder extensive Beweidung des Grünlandes erforderlich sind. Seit den 1960er haben die früher weit verbreiteten Streuobstwiesen stark an wirtschaftlicher Bedeutung verloren. Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren sind viele Streuobstbäume gerodet worden. Die notwendige Pflege verbliebener Streuobstwiesen lohnt sich heute wirtschaftlich nicht mehr und findet daher kaum noch statt. Ein Großteil der heute noch vorhandenen Streuobstbestände ist daher überaltert, vergreist oder verbracht. Auch die Nachpflanzung junger Obstbäume ist in den letzten Jahrzehnten nur noch eingeschränkt erfolgt, so dass heutzutage jüngere Baumgenerationen häufig nicht mehr vorhanden sind. Die neuangelegte Streuobstwiese soll dieser Entwicklung entgegenwirken und einen Beitrag für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und des kulturhistorischen Landschaftsbildes in Wetzlar leisten. Bei den 45 neu gepflanzten Apfel- und Birnbäumen handelt es sich um alte und selten gewordene Lokalsorten. Es wurden folgende Sorten gepflanzt: Allendorfer Rosenapfel, Gacksapfel, Herrnapfel, Heuchelheimer Schneeapfel, Friedberger Bohnapfel, Gellerts Butterbirne, Gute Graue und Nordhäuser Winterforelle. Die erfolgte Pflanzung soll auch zum Erhalt dieser alten Sorten beitragen. Um ein gutes Anwachsen und eine stabile und vitale Entwicklung der noch jungen Obstbäume zu gewährleisten, sind in den kommenden Jahren ein regelmäßiges Wässern, ein Offenhalten und Düngen der sogenannten Baumscheibe sowie jährliche Erziehungsschnitte an den Bäumen erforderlich. Die Finanzierung dieser notwendigen Pflegemaßnahmen ist ebenfalls durch die Spende der Old Tablers gedeckt, welche somit die gewünschte Biotopentwicklung gewährleistet.
Auch Stadträtin Andrea Biermann (l.) und Ex-Oberbürgermeister Wolfram Dette (2.v.r., als Vertreter der Old Tabler 86) griffen bei der Pflanzaktion zum Spaten (Fotos: Stadt Wetzlar)