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Amtsblatt VG Herxheim
Ausgabe 30/2026
Nichtamtlicher Teil
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Den Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges eine Biografie geben

Wilhelm Spengler

Wilhelm Spengler war Hauensteiner. Warum sich sein Name auf den Bronzetafeln in der Kriegergedächtniskapelle findet, hat folgende Bewandtnis: Als sechstes von sieben Kindern des Landwirtsehepaares Johann Spengler und Luise geb. Meyer in Hauenstein wollte er nach dem Besuch der Volksschule das Bäckerhandwerk erlernen. Eine Lehrstelle fand er im katholischen Herxheim. Sein Lehrherr war Bäckermeister Jakob Trauth in der Unteren Hauptstraße 97, damals Hindenburgstraße. Dort verblieb er über die Gesellenprüfung hinaus tätig. Dort lernte er die gleichaltrige Rosa Trauth, die älteste Tochter seines Lehrherrn kennen. Die beiden waren sich offensichtlich liebend verbunden.

1938 musste Wilhelm sein Handwerk, Herxheim und seine Rosa zurücklassen, als er dem Ruf zum Reichsarbeitsdienst folgte und danach unmittelbar zur Wehrmacht einrücken musste. Dann stand der Krieg vor der Tür, von dem die wenigsten Menschen ahnten, dass er zum Weltkrieg mutieren würde. So war Wilhelm vom ersten Tag des Krieges Frontsoldat.

Leider wissen wir relativ wenig von Wilhelms Einsatzorten, weil er zu diesem Zeitpunkt amtlich noch kein Herxheimer war und er in der entsprechenden Kartei im Archiv nicht geführt wurde.

Er gehörte zur Luftwaffe und avancierte zum Feldwebel. Am 1. Oktober 1941 heiratete er in seinem Geburtsort Hauenstein in einer sogenannten Kriegshochzeit seine Rosa Trauth aus Herxheim.

 

Viele junge Männer traten damals in Soldatenuniform an den Traualtar. Denn die Erfahrung, dass Krieg kein Geländespiel ist, sondern Tod und Leid mit sich bringt, das wurde mit den ersten eingehenden Gefallenenmeldungen jedem bewusst. So traf es schon drei Monate nach der Hochzeit die Familie seines Lehrherrn, als Arnulf, der jüngere Bruder seiner Braut, somit sein Schwager, am 27. Dezember 1941 unweit von Moskau durch Brustschuss starb. (Darüber wurde zuletzt berichtet).

Der amtliche Wohnsitz des jungen Paares wurde das Elternhaus seiner Frau Rosa, das Haus seines Lehrherrn in der Unteren Hauptstraße, eine Adresse, die ihn dann nur noch wenige Tage oder Wochen aufnehmen sollte. Jedenfalls war Wilhelm nunmehr Herxheimer geworden. Der Urlaub war kurz und er musste zurück zu seiner Einheit an der Front. Wohin? Wir wissen es nicht, zumindest nicht für diesen Zeitraum.

 

Am 18. September 1942 brachte Wilhelms Frau ein Mädchen zur Welt, welche Rosa Maria getauft wurde. Es ist nicht sicher, ob Wilhelm seine Tochter einmal in die Arme nehmen durfte. Er überstand vier Kriegsjahre.

Dann, am 20. Juli 1944, just an dem Tag, da auf Adolf Hitler im Führerhauptquartier Wolfsschanze das Attentat verübt wurde, fällt Wilhelm Spengler, Feldwebel der 2. Kompanie Luftwaffe, Baubataillon 227/X in Simonys im nordöstlichen Litauen, östlich von Panevȇžys. Um diese Zeit war die Heeresgruppe Mitte der Deutschen zerschlagen worden und die Rote Armee verstärkte die Angriffe nach Norden und Süden.

Einen Monat später wird Wilhelms Frau Rosa wird durch einen Brief des Kompanieführers vom Tod ihres Mannes informiert. Die offizielle Nachricht der zuständigen Dienststelle und damit der Eintrag ins Sterberegister erfolgt erst im April 1946.

 

Rosa heiratet später Hugo Spengler, den jüngeren Bruder des gefallenen Ehemannes.

Die Tochter wohnt später in Karlsruhe. Von ihr sowie von Gerda Trauth erhielt der Autor dieser Biografie dankenswerter Fotos und Informationen.

Dr. Klaus Eichenlaub