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Amtsblatt VG Herxheim
Ausgabe 35/2026
Nichtamtlicher Teil
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Den Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges aus Herxheim eine Biografie geben

Das Gelände der Gärtnereien Trauth. Heute befindet sich da die Leonard-Peters-Straße, das Haus der Begegnung, seniorengerechte Wohnungen, die Festhalle, die Grundschule, der Marktplatz.

Letztes Foto von Edmund Trauth mit Familie, 1943

Edmund Trauth

In der Unteren Hauptstraße 167, einem Haus, das es heute nicht mehr gibt, kam Edmund Trauth am 17. Februar 1912 auf die Welt. Sein Elternhaus stand dort, wo heute die Leonard-Peters-Straße in die Hauptstraße einmündet.

 

Edmund war eines der sieben Kinder und einer der vier Söhne der „Gärtnerdynastie Stephan Trauth“ in der Dorfmitte. Das Gartengelände mit den Beeten und Treibhäusern umschloss das Gelände südlich der ersten Häuserreihe der Hauptstraße bis zum Klingbach und anderseits bis zur heutigen Litzelhorststraße, die es damals noch nicht gab, umschloss auch das Gelände, auf dem sich heute der Marktplatz, die Festhalle, die Grundschule und die Markstraße befinden.

 

Die Kinder Otto (1910), Edmund, Maria (1914), mit Abstand Karl (1921) und Arthur wuchsen in die Arbeit des Gartenbaus schon im Kindes- und Jugendalter hinein und erlernten das dazu notwendige Wissen. So nimmt es nicht Wunder, dass drei der Buben später einmal eigene Gärtnereien gründeten und das von ihrem Vater überlassene Gartengelände durch Ankauf vergrößerten.

Während Otto, der Älteste nach seiner Heirat im Jahre 1934 im Elternhaus verblieb, zog Edmund nach seiner Heirat mit Rosa geb. Eichenlaub im Januar 1936 mit seiner Frau in das Haus Am Badstubenweg 11 und wechselte in die Selbständigkeit. Dort kam im selben Jahr Kurt, ihr erstes Kind auf die Welt. Als das zweite Kind Elvira im November 1939 auf die Welt kam, da hatte der Zweite Weltkrieg mit dem Polenfeldzug schon die erste Phase hinter sich. Als dann mit dem Frankreichfeldzug die zweite Phase abgeschlossen und die Pläne zum Angriff auf die Sowjetunion gemacht waren, da gehörte Edmund zu den 441.000 Männern seines Jahrgangs, welche die Einberufung erhielten und bald danach im Soldatendienst standen. Edmund musste am 1. Dezember 1940 einrücken. Zu diesem Zeitpunkt war er schon mehr als drei Jahre mit Rosa verheiratet und hatte mit ihr den Gärtnereibetrieb im Badstubenweg 11 zum Florieren gebracht. Zum Zeitpunkt der Einberufung, war seine Frau Rosa schon mit dem dritten Kind schwanger. Dass 28-jährige Männer zum Wehrdienst mussten, hatte - wie schon gesagt - seinen Grund darin, dass der Plan zum Angriffskrieg gegen Sowjetrussland bereits in den Schubladen der Wehrmachtsleitung lag.

Nach seiner Ausbildung in Speyer ist Edmund ab 1. Juni 1941 als Besatzungssoldat in Frankreich. Im August selbigen Jahres hatte seine Frau die Tochter Ursel zur Welt gebracht. Als das Weihnachtsfest 1941 ins Land kam, da musste Rosa mit den drei Kindern erstmals ohne Mann feiern. In einem Brief, datiert vom 22. Dezember 1941 schreibt er nach Hause: „Liebe Rosa, nur noch zwei Tage sind es bis zu Weihnachten. Wie gerne möchte ich das schönste Familienfest zu Hause verbringen, aber leider ist es mir nicht gegönnt. (…) Was werden die Kinder machen? Bin mal gespannt, was Kurt zu seinem Flieger sagt. Schreibe es mir. Er ist doch immer so arg darauf. Und Elvichen hast du einen Puppenwagen zurecht gemacht mit der Puppe. Das wird sich auch schon freuen, nur Ursula weiß von dem alles noch nichts. Mein Liebling, ich glaube es dir, dass die Freude größer wäre, wenn ich hätte unter euch sein können. Aber halt leider ist nichts zu machen. Vielleicht das nächste Jahr“. Im selben Brief erfahren wir, dass seine Brüder Otto und Karl sowie sein Schwager Rudolf auch schon an der Front sind und dass ihr Nachbar Oskar Ring vom Badstubenweg gefallen ist.

Ab 1. März 1942 hat Edmund die Feldpostnummer 46582 und befindet sich in an der Ostfront. Es ist nicht bekannt, ob Edmund Trauth noch einmal ein Weihnachtsfest mit seiner Familie feiern durfte. Einmal war er jedoch bestimmt auf Fronturlaub, wahrscheinlich 1943. Das können wir aus einem Foto mit seiner Frau und der dreiköpfigen Kinderschar schließen.

Aus einem Gutachten des Deutschen Roten Kreuzes erfahren wir, dass Edmund Trauth zur Nachschubtruppe der 23. Panzerdivision gehörte. Weiter heißt es in diesem Gutachten: „Ende Januar 1944 hielten die Truppen der deutschen 6. Armee in der Westukraine einen weit nach Osten vorspringenden Frontabschnitt im Dnjepr-Bogen mit der Stadt Kriwoj Rog und den wichtigen Manganerzgruben besetzt. Während südlich die deutsche Front am unteren Dnjepr verlief, war sie weiter nördlich durch den Verlust von Kirowograd bei einer sowjetischen Offensive Anfang des Jahres nach Westen zurückgedrängt worden. Am 30. Januar trat der Gegner ostwärts von Kriwoj Rog erneut zum Großangriff an. Die deutsche 23. Panzerdivision verteidigte seit dem Spätherbst 1943 einen Abschnitt nördlich von Kriwoj Rog. Sie musste nach Beginn der sowjetischen Offensive das Panzer Grenadier Regiment 128 und eine gepanzerte Kampfgruppe an zwei im harten Abwehrkampf stehende Divisionen ostwärts der Stadt abgeben. Gemeinsam mit anderen, eilig herangeführten Reserven gelang es hier, die sowjetischen Angriffsverbände 25 km von Kriwoj Rog vorübergehend aufzuhalten. Inzwischen waren südlich davon starke sowjetische Panzerverbände zur Bahnlinie Apostolowo - Kriwoj Rog vorgedrungen und bedrohten die Stadt von Südosten her. Wiederum wurden die Kampfgruppen der 23. Panzerdivision in den gefährdeten Raum verlegt. In mehrtägigen Kämpfen bei Regen, Schnee und grundlosem Gelände mussten die Einheiten, zu denen auch die restlichen Teile der Division aus dem bisherigen Einsatzraum gestoßen waren, über Raduschnoje, Kalinowka und die Siedlung Rosa Luxemburg langsam zum Stadtrand zurückweichen. Am 20. und 21. Februar kämpfte die 23. Panzerdivision, die den Auftrag hatte, den Rückzug der noch weiter ostwärts eingesetzten deutschen Divisionen offenzuhalten, in den südlichen Außenbezirken von Kriwoj-Rog. Sie konnte nicht verhindern, dass sowjetische Einheiten eindrangen und musste die Stadt am nächsten Tag aufgeben und sich nach rückwärts über den Fluss Ingulez durchschlagen. Hier wurde sie, in mehrere Kampfgruppen aufgeteilt und als Reserve eingesetzt. Inzwischen hatten sich auch die deutschen Verbände nördlich von Kriwoj Rog, bei denen sich noch die Kampfschule der 23. Panzerdivision befand, über den Ingulez abgesetzt. (…). Seit diesen Kämpfen wurden zahlreiche Soldaten der 23. Panzerdivision, darunter auch Edmund Trauth, vermisst. Für einige von ihnen haben die Nachforschungen ergeben, dass sie gefallen sind. Andere haben in dem durch Einschnitte teilweise unübersichtlichen Gelände oder bei Orts- und Nachtgefechten den Tod gefunden, ohne dass es von überlebenden Kameraden bemerkt wurde. Auch Sanitäterfahrzeuge und Verbandsplätze gerieten in das Feuer von Artillerie und Panzern. Es gibt keinen Hinweis dafür, dass Edmund Trauth in Gefangenschaft geriet. Er wurde auch später in keinem Kriegsgefangenenlager gesehen. Alle Feststellungen zwingen zu der Schlussfolgerung, dass er bei diesen Kämpfen gefallen ist.“ Soweit der Bericht des Suchdienstes.

Die Vermisstennachricht des Kompanieführers traf am 2. Mai in Herxheim ein. Darin hieß es: „Ihr Mann war zur Ortsverteidigung von Kriwoi-Rog eingesetzt. Während beim feindlichen Durchbruch in den Morgenstunden des 22. Februar 1944 die einzelnen Gruppen beim Schlachthof vom Feind absetzten, wurde ihr Mann zuletzt gesehen. Er hatte offensichtlich eine leichte Beinverletzung. Seitdem fehlt jede Spur“

 

Nach Ende des Krieges meldete sich ein ehemaliger Kamerad aus der gleichen Einheit bei Rosa Trauth und berichtete von dem Tag, da er den Kontakt zu Edmund verlor. Nach seiner Aussage seien russische Panzer in breiter Front auf ihre Abwehrlinie zugekommen, als Edmund noch in einem vorgeschobenen Posten lag, aus dem er sich nicht rechtzeitig absetzen konnte. Möglicherweise hatte er gehofft, dass die Panzer über seinen Graben hinweg rollten und er sich anschließend zu seiner Truppe hätte durchschlagen können. Aber es sei nicht auszuschließen, dass er von einem der Panzer überrollt worden ist.

Offiziell gilt der Obergefreite Edmund Trauth seit dem 20. Februar 1944 als vermisst. Sein Name findet sich im Gedenkbuch des Sammelfriedhofes Kirowograd. Seine Frau Rosa (s’Gärtners Rosa) fand sich als Kriegswitwe wieder und die Kinder als Halbweisen. Per Gerichtsbeschluss wurde der 31. Dezember 1945 als sein Todestag erklärt.

Edmunds Brüder Otto und Karl hatten im Mai 1941 ebenfalls den Soldatenrock anziehen müssen. Otto stand an der sowjetischen Südfront und galt ab 24. Juli 1944 als vermisst, war jedoch in sowjetische Gefangenschaft geraten, aus der er erst 1948 zurückkehrte. Er starb 1997. Karl wurde Sanitätssoldat, kam im Afrikafeldzug zum Einsatz, erlitt durch einen Granatsplitter eine Halsverletzung und musste nach dem Lazarettaufenthalt ebenfalls an die Ostfront. Aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft kehrte auch er erst 1948 zurück, heiratete danach, betrieb die Gärtnerei mit seiner Familie in Herxheims Mitte bis zur Betriebsaufgabe Anfang der 80er Jahre. Er starb hochbetagt im Jahre 2010.

Edmunds Witwe, s’Gärtners Rosa, führte bis zur Betriebsaufgabe Ende der 1970er Jahre die Gärtnerei am Badstubenweg. Sohn Kurt eröffnete mit Ehefrau Mariele in der Dorfmitte das noch heute florierende Blumen- und Pflanzengeschäft Trauth. Elvira und Ursel erfreuen sich derzeit noch immer guter Gesundheit.

Dr. Klaus Eichenlaub