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Amtsblatt VG Herxheim
Ausgabe 4/2026
Amtlicher Teil
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Interkommunale Gerätewartstelle schafft Synergien

Der interkommunale Gerätewart Ari Gadinger (links), Gerätewart MarcoDosch (Mitte) und Bürgermeister Christian Sommer (rechts) prüfen Atemschutzgeräte des Landkreises SÜW.

Modellprojekt im Landkreis SÜW

Katastrophenschutz ist Teamarbeit - zunehmend über Gemeindegrenzen hinweg. Mit der neuen interkommunalen Gerätewartstelle im Brand- und Katastrophenschutz haben der Landkreis Südliche Weinstraße sowie die Verbandsgemeinden Herxheim und Offenbach ein Modellprojekt gestartet, das wachsende technische Anforderungen, steigende Einsatzzahlen, Fachkräftemangel und die Entlastung des Ehrenamts zugleich adressiert. Seit rund einem halben Jahr ist der interkommunale Feuerwehrgerätewart im Einsatz - mit spürbaren Effekten auf Organisation und Einsatzbereitschaft.

Kern der Kooperation ist eine Vollzeitstelle, die zu gleichen Teilen für die beiden Verbandsgemeinden und den Landkreis tätig ist. Der Landkreis hat einen Großteil seiner Katastrophenschutzausstattung dezentral bei kommunalen Feuerwehren stationiert; Wartung, Prüfung und Instandsetzung dieser Fahrzeuge und ihrer Beladung erfolgen nun direkt vor Ort. Lange Abstimmungsprozesse und aufwändige Einzelabrechnungen werden damit reduziert, Zuständigkeiten sind klar definiert und Defekte können schneller behoben werden.

Höhere Effizienz und Entlastung

Im Alltag übernimmt die Gerätewartstelle die Wartung und Prüfung der Kreisfahrzeuge und deren Beladung an den Standorten Herxheim und Offenbach, vereinbart Prüftermine und vergibt Reparaturaufträge. Gleichzeitig unterstützt sie die örtlichen Gerätewarte der Verbandsgemeinden, sodass gesetzliche Prüf- und Dokumentationspflichten fristgerecht erfüllt und ehrenamtliche Feuerwehrangehörige entlastet werden. Bei Einsätzen besetzt der interkommunale Mitarbeiter je nach Lage die Feuerwehr-Einsatzzentrale oder unterstützt den Katastrophenschutzzug des Landkreises - ein flexibler Ressourceneinsatz, der Doppelstrukturen vermeidet.

Ein wesentlicher Mehrwert liegt in der engen Abstimmung und gesteigerten Präsenz vor Ort. Tätigkeiten können gemeinsam erledigt, Außendienstaufgaben flexibel verteilt und zugleich eine verlässliche Ansprechbarkeit im Feuerwehrhaus sichergestellt werden. Geregelt ist dies in einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung, die Arbeitszeitanteile, Urlaubsplanung, Vertretung und den aufgabentragenden Dienstherrn eindeutig festlegt - ein zentraler Erfolgsfaktor für übertragbare Kooperationen.

Ausgangslage für das Projekt waren stetig wachsende Anforderungen im Brand- und Katastrophenschutz: neue Technik, zusätzliche Ausrüstung, mehr Einsätze und komplexere Vorgaben für Wartung, Instandhaltung und Dokumentation. Für die Gerätewarte bedeutete dies einen stark gestiegenen Arbeitsumfang - von der Bestückung und dem Ersatz von Einsatzmitteln bis hin zur lückenlosen Nachweisführung. Zugleich bestand der Wunsch, ehrenamtliche Kräfte zu entlasten und eine verlässliche Ausfallsicherheit zu schaffen.

Optimierte Prozesse

Die interkommunale Vollzeitstelle ermöglicht es, Aufgaben neu zuzuschneiden und Fachbereiche zu bündeln. So hat der interkommunale Gerätewart den Bereich Armaturen und Schläuche mit Instandsetzung, Wartung und Prüfung komplett übernommen und teilt sich mit einem weiteren Gerätewart Aufgaben im Bereich Funk- und Kommunikationstechnik. Gleichzeitig konnte die anspruchsvolle Gas- und Strahlenmesstechnik vollständig in hauptamtliche Hände überführt werden. Ein weiteres Beispiel für Synergien ist die gemeinsame Nutzung spezieller Geräte, die für Materialien des Landkreises und der Partnerkommunen eingesetzt werden - teure Mehrfachbeschaffungen werden damit vermieden.

Die enge Zusammenarbeit eröffnet zudem Einblicke in unterschiedliche Verfahrensabläufe und IT-Systeme der beteiligten Verwaltungen und Feuerwehren. Dadurch können Prozesse vereinheitlicht und optimiert werden - vom Einsatz der Verwaltungssoftware bis zur Dokumentation von Prüf- und Wartungsvorgängen. Die Stelle unterstützt so auch die weitere Digitalisierung des Brand- und Katastrophenschutzes und trägt dazu bei, die Einsatzbereitschaft dauerhaft hoch zu halten.

Positive Zwischenbilanz

Nach rund einem halben Jahr fällt die Bilanz bei allen Partnern positiv aus. Der Landkreis berichtet von einer spürbaren Entlastung, da Wartung und Instandsetzung der kreiseigenen Gerätschaften an den beiden Standorten klar geregelt sind und Aufträge im vorgesehenen Arbeitszeitanteil erledigt werden können. Jens Thiele, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Landkreises Südliche Weinstraße, betont: „Die interkommunale Gerätewartstelle schafft klare Zuständigkeiten, verkürzt Abläufe und stärkt messbar unsere Einsatzbereitschaft - für uns ein wichtiges Zukunftsmodell im Brand- und Katastrophenschutz.“

Aus Sicht der Verwaltung wird zudem die Umsetzung hervorgehoben: Antragstellung und Abwicklung der IKZ-Förderung verliefen äußerst unbürokratisch, verbunden mit einer sehr guten Unterstützung und Beratung durch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion im Vorfeld. Wichtig war, dass alle Beteiligten von Beginn an gemeinsame Ziele verfolgten und der beantragenden Kommune das nötige Vertrauen entgegengebracht wurde, im Verfahren stellvertretend Entscheidungen zu treffen.

Die neu installierte IKZ-Stelle des Feuerwehrgerätewarts zeigt deutlich, dass interkommunale Zusammenarbeit gerade in technisch anspruchsvollen Aufgabenfeldern konkrete Entlastung und Effizienzgewinne bringt. Aufgaben, die einzelne Kommunen allein nicht oder nicht in der erforderlichen Tiefe leisten können, lassen sich gemeinsam sichern und professioneller organisieren; gleichzeitig werden dringend benötigte Vertretungsregelungen geschaffen und Stellenprofile attraktiver. Christian Sommer und Axel Wassyl, Bürgermeister der Verbandsgemeinden Herxheim und Offenbach, ordnen das Projekt ein: „Die interkommunale Zusammenarbeit im Allgemeinen und die Gerätewartstelle im Speziellen ist für uns ein gewinnbringendes Zukunftsmodell. Mit dem Gerätewart stärken wir unseren Katastrophenschutz, entlasten ehrenamtliche Kräfte und zeigen, dass Kommunen durch Kooperation handlungs- und zukunftsfähig bleiben - auch unter engen finanziellen und personellen Rahmenbedingungen.“

Angesichts neuer gesetzlicher Anforderungen und eines weiter ausgebauten Katastrophenschutzes sehen die Partner in der interkommunalen Zusammenarbeit eine große Chance, Leistungsfähigkeit und Resilienz dauerhaft zu sichern - ein Ansatz, der sich auch auf andere Regionen und Aufgabenfelder übertragen lässt.

nt