Titel Logo
Amtsblatt VG Herxheim
Ausgabe 6/2026
Seite 2
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe
-

Trinkwasserversorgung in Rohrbach

Hintergründe und Ausblick

Nach dem flächendeckenden Ausfall der Wasserversorgung in der Ortsgemeinde Rohrbach aufgrund eines Defekts an der Pumpanlage eines der Tiefbrunnen am Samstag, fließt seit Sonntagabend wieder zuverlässig Wasser aus allen Rohrbacher Hähnen – allerdings gilt seit Dienstagnachmittag ein Abkochgebot. Wir erklären an dieser Stelle detailliert was passiert ist, wie wir gehandelt haben und welche Pläne die Zukunft absichern.

Hintergrund: Technischer Ausfall und schnelles Handeln

Am Samstag, 31. Januar, fiel gegen 9 Uhr die Wasserversorgung im gesamten Ortsnetz Rohrbach aus. Schnell war klar, dass der Grund hierfür ein umfassender Defekt der Pumpe in Brunnen 4 war. Der ca. 58 Meter tiefe Brunnen ist nicht nur zentral für die Versorgung in Rohrbach, sondern beliefert auch umliegende Gemeinden mit durchschnittlich 800 Kubikmetern Trinkwasser am Tag. Der Ausfall dieser Anlage stellte daher innerhalb kurzer Zeit auch ein zentrales Problem für die Wasserversorgung im Umkreis dar.

Zunächst schien der Austausch der defekten Komponenten die Lösung des Problems zu sein. Ein Pumpenwechsel in Tiefbrunnen ist eine technisch komplexe Aufgabe, Arbeiten daran gestalten sich grundsätzlich sehr zeitaufwendig und erfordern den Einsatz technischer Hilfsmittel und hohe Fachkenntnis. Die Mitarbeiter der Verbandsgemeindewerke Herxheim konnten in etwa 11 Stunden intensiver Arbeit – mit Kranarbeiten, Zufahrtssicherung zur Baustelle und stückweisem Auf- und Abbau der Brunnentechnik – die Pumpe erfolgreich austauschen: Ab ca. 21:00 Uhr am Samstagabend wurde die Leitungsspülung gestartet.

Kurz vor 23:00 Uhr fiel jedoch auch die neue Pumpe aus noch ungeklärter Ursache aus. Zur genauen Klärung wird die Expertise einer Fachfirma benötigt. Da die Pumpe in 48 Metern Tiefe sitzt, kann die Ursache nur mittels einer TV-Kamerabefahrung geklärt werden. Die Ergebnisse daraus bestimmen dann die nächsten Schritte.

Von der Krise zur Stabilität

Bürgermeister Sommer alarmierte um 23:00 Uhr Teile des Verwaltungsstabs der Verbandsgemeindeverwaltung Herxheim. In einer ersten Stabsbesprechung um 23:30 Uhr, die bis 01:30 Uhr am Sonntagmorgen dauerte, konnte gemeinsam mit den Verbandsgemeindewerken und den Gemeindewerken, sowie den Fachberatern des THW Ortsverbands Landau, dem Gesundheitsamt Landau, den Wasserwerken Landau-Land und den Red Farmern erste Schritte für eine Notversorgung eingeleitet werden.

Am frühen Sonntagmorgen begannen die Landwirte mithilfe von Tankwagen, die zum Lebensmitteltransport genutzt werden, den Hochbehälter mit Wasser zu beliefern. Der Hochbehälter hat ein Fassungsvermögen von 200 Kubikmetern; aus logistischen Gründen können mit einem Tankwagen pro Stunde nicht mehr als ca. 20 Kubikmeter befüllt werden. Daher waren parallel dazu weitere Maßnahmen notwendig, die mit den Fachberatern der THW-Fachgruppe Trinkwasserversorgung aus Wörrstadt und dem Gesundheitsamt Südliche Weinstraße erörtert wurden.

Als Ergebnis und Dank enger Kooperation mit den Nachbarversorgern gelang es schließlich, die Wasserversorgung im Netzverbund derart umzuleiten, dass der Hochbehälter in Rohrbach aus der „Impflinger Gruppe“ beliefert werden konnte, ohne dabei die Versorgung weiterer Hochbehälter im Verbund zu gefährden. In enger Abstimmung mit der hiesigen Feuerwehr war die Löschwasserversorgung in der gesamten Verbandsgemeinde zu jeder Zeit gewährleistet, auch in Rohrbach. Ab 16:30 Uhr am Sonntag konnte der Behälter in Rohrbach mit 200 Kubikmetern Wasser befüllt werden. Im Anschluss wurde das Leitungsnetz Rohrbach entlüftet und das Wasser langsam wieder eingespeist. Um keine Schäden im Leitungsnetz zu riskieren, konnte der Druck im – zu diesem Zeitpunkt leeren – Netz nur langsam aufgebaut werden. Entsprechend nahm das Befüllen der Leitungen einige Stunden Zeit in Anspruch.

Die Situation ist damit notdürftig im Griff: Als Trinkwasser darf das Wasser, das nun aus Rohrbacher Hähnen läuft, erst dann wieder bezeichnet werden, wenn es den chemischen Werten der Trinkwasserverordnung entspricht. Die gesetzlich vorgeschriebene Beprobung nimmt einen zeitlichen Umfang von bis zu 72 Stunden ein und kann nicht umgangen werden.

Unsere Brunnenlandschaft: Historie und aktuelle Herausforderungen

Rohrbachs Wasserversorgung basiert auf einem geologisch anspruchsvollen Aufbau: Früher bedienten die, schon lange stillgelegten Brunnen 1 und 2 das Leitungsnetz mit Wasser aus oberen Schichten. Moderne Brunnen fördern aus wesentlich tieferen Geologiezonen. Ein dritter Brunnen ist über 50 Jahre alt und ist auch aufgrund der damals verbauten Technik nicht mehr in das Versorgungsnetz integriert. Brunnen 4, mittlerweile 20 Jahre alt, entspricht heutigen Anforderungen; die Wasserinhaltsstoffe erfordern allerdings regelmäßige aufwändige Wartungs- und Unterhaltungsmaßnahmen. Neu ist Brunnen 5, der jedoch trotz Funktionsfähigkeit noch nicht ans Netz darf: Die Werte bei Eisen, Mangan und Kohlensäure überschreiten die Grenzen der Trinkwasserverordnung. Der Bau der notwendigen Aufbereitungsanlage dauert voraussichtlich zwei bis drei Jahre.

Zukunftssicherung: Mehr Redundanz für alle

Kurzfristig haben wir gehandelt, langfristig bauen wir aus: Brunnen 5 soll mit Hilfe einer Aufbereitungsanlage in den kommenden Jahren ans Netz gehen. Die Kooperationen zwischen den Verbundpartnern sollen weiter ausgebaut werden, um die Trinkwasserversorgung noch sicherer zu machen.

Ein Fazit

Katja Wahl-Knoll, Leiterin der Verbandsgemeindewerke Herxheim: „Trotz des sehr hohen Stresslevels, dem unsere Mitarbeitenden ausgesetzt waren, und mehreren notwendigen Änderungen in der geplanten Vorgehensweise, hat die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Technik und Nachbarwerken hervorragend geklappt – wir mussten oft neu starten und neu denken, dennoch gelang es immer wieder, neue Wege und Möglichkeiten zu finden.“

Christian Sommer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Herxheim: „Wir sind stolz auf unser Team, und dankbar für das Vertrauen und Verständnis unserer Bürgerinnen und Bürger aus Rohrbach in dieser für uns alle anspruchsvollen Situation.“

Anke Masek, 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Herxheim, Geschäftsbereich Verbandsgemeindewerke: „Ihre Gesundheit und Sicherheit stehen bei der Wasserversorgung an erster Stelle, daher gilt für uns: Sicherheit vor Schnelligkeit!“