Manchmal ist eine Wand nicht einfach nur eine Wand. Manchmal erzählt sie eine Geschichte. Die Geschichte des neuen Jugendzentrums Uchtelfangen beginnt nicht erst mit der fertigen Fassade. Sie begann lange vorher – mit Ideen, Diskussionen, Beteiligung und dem Engagement junger Menschen. Denn dieses Jugendzentrum wurde von Anfang an gemeinsam mit Jugendlichen gedacht und entwickelt. Sie haben ihre Vorstellungen eingebracht, bei der Planung mitgewirkt und Entscheidungen mitgestaltet. Sie haben ihre Anliegen in politischen Gremien vorgestellt, für ihre Ideen geworben und Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern geführt. Gemeinsam wurden Herausforderungen besprochen, Lösungen gesucht und Kompromisse gefunden. Ein Jugendzentrum entsteht eben nicht einfach über Nacht. Es wächst. Wie ein junger Baum, der Wurzeln schlägt. Wie eine Pflanze, die Zeit, Pflege und Menschen braucht, die an sie glauben, eben wie ein Dschungel. Und genau dieses Wachstum wird nun auch an der Fassade sichtbar. Im Rahmen einer viertägigen Graffiti-Freizeit gestalteten neun Jugendliche gemeinsam mit dem Künstler alleskeinekunst die Außenwand des neuen JUZ Uchtelfangen. Was zunächst mit einem Vortreffen und ersten Ideenskizzen begann, entwickelte sich Schritt für Schritt zu einem großen gemeinsamen Kunstwerk. Wie in einem selbstverwalteten Jugendzentrum üblich, wurden auch die Motive nicht einfach vorgegeben. Die Jugendlichen sammelten Ideen, diskutierten Vorschläge und entschieden gemeinsam, welche Geschichte ihre Fassade erzählen soll.
Am Ende fiel die Wahl auf einen wachsenden Dschungel. Ein Dschungel voller Leben, Bewegung und Entwicklung. Zwischen üppigen Pflanzen, kräftigen Farben und großen Blättern finden sich verschiedene Tiere, die symbolisch für Werte stehen, die auch das neue Jugendzentrum prägen. Die Hummel steht für Gemeinschaft und Zusammenhalt. Der Flamingo für Mut, Individualität und die Bereitschaft, seinen eigenen Weg zu gehen. Die Eidechse symbolisiert Wandel, Anpassungsfähigkeit und Neuanfang. Natürlich durfte auch Brummbert, die Hummel und das Maskottchen des JUZ Uchtelfangen, nicht fehlen und erhielt einen besonderen Platz im Kunstwerk. Doch bevor die ersten Farben die Wand erreichten, war zunächst Handarbeit gefragt. Die Jugendlichen schliffen die Fassadenflächen, grundierten die Wände und bereiteten alles sorgfältig vor. Erst danach wurden die Skizzen übertragen und der Dschungel begann langsam zu wachsen. Tag für Tag kamen neue Pflanzen hinzu. Neue Farben breiteten sich aus. Tiere erschienen zwischen den Blättern. Aus einer schlichten Fassade wurde ein lebendiger Ort, der schon von Weitem sichtbar macht, dass hier etwas Neues entstanden ist. Am letzten Projekttag erhielt das Graffiti seinen Feinschliff. Details wurden ergänzt, Konturen ausgearbeitet und die letzten freien Flächen gefüllt. Mit jeder Spraydose wurde deutlicher, was dieses Kunstwerk eigentlich erzählt:
Dieses JUZ wächst.
Dieses JUZ lebt.
Dieses JUZ gehört den Menschen, die es mitgestalten.
Während der Dschungel an der Wand immer größer wurde, geschah noch etwas anderes. Immer wieder blieben Menschen stehen, beobachteten die Arbeiten und kamen mit den Jugendlichen ins Gespräch. Fragen wurden gestellt, Ideen ausgetauscht und Interesse geweckt. Eine Besucherin wollte sich nicht nur die Fassade ansehen, sondern auch das neue Jugendzentrum von innen kennenlernen. Genau darum geht es bei echter Partizipation. Nicht darum, einen Ort für Jugendliche zu schaffen. Sondern einen Ort gemeinsam mit Jugendlichen entstehen zu lassen. Gefördert wurde die Graffiti-Freizeit durch das Ministerium für Umwelt, Klima, Mobilität, Agrar und Verbraucherschutz des Saarlandes. Die Förderung ermöglicht es jungen Menschen, ihre Ideen sichtbar zu machen und ihren Lebensraum aktiv mitzugestalten. Der Dschungel an der Fassade ist deshalb weit mehr als ein Graffiti. Er ist ein Symbol für einen Ort, der gewachsen ist. Durch Ideen, durch Beteiligung und durch Gemeinschaft. Und durch junge Menschen, die gezeigt haben, was möglich wird, wenn man ihnen Verantwortung überträgt und ihnen zutraut, ihre Welt selbst mitzugestalten.
Ein herzlicher Dank gilt dem Künstler alleskeinekunst für die Begleitung des Projekts, dem Bauhof der Gemeinde Illingen für die Unterstützung mit dem Rollgerüst sowie allen Helferinnen und Helfern, die diese besondere Freizeit möglich gemacht haben.
Der Dschungel wächst nun nicht mehr weiter.
Das Jugendzentrum schon.