Illingen/Wustweiler – Mit dem Abschluss der Bauarbeiten am neuen Stauraumkanal P 30 setzt der Entsorgungsverband Saar (EVS) gemeinsam mit dem Abwasserzweckverband Illtal (AVI) einen bedeutenden Schritt für den Gewässerschutz und die technische Infrastruktur der Region. Rund 15 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert, das nun fünf veraltete Regenüberlaufbauwerke ersetzt und die Ill nachhaltig entlastet.
Der Spatenstich erfolgte am 27. Oktober 2022. Nach intensiver Planung und einer komplexen Bauphase wurde das Projekt im Dezember 2025 erfolgreich abgeschlossen. Das Ingenieurbüro Dipl.-Ing. Rudolf Kopper GmbH verantwortete die Planung, während die Projektsteuerung durch die KEN aus Püttlingen übernommen wurde. Die Arbeitsgemeinschaft OBG Tiefbau / K-Boringen erhielt nach EU-weiter Ausschreibung den Zuschlag und führte die bauliche Umsetzung durch. Der landschaftliche Begleitplan stammt vom Planungsbüro Dr. Maas aus Saarlouis.
Kernstück des Projekts ist ein 1.070 Meter langer Stauraumkanal mit einem Innendurchmesser von zwei Metern und einem Speichervolumen von rund 3.500 Kubikmetern. Der Kanal wurde im Rohrvortrieb hergestellt und verläuft in wechselnden geologischen Bedingungen, unter anderem mit Überdeckungshöhen zwischen 1,70 und 50 Metern. Die Trasse wurde bewusst gekrümmt geführt, um Unterfahrungen von Gebäuden zu vermeiden.
Zu den technischen Herausforderungen gehörten mehrere Unterquerungen der Ill. So wurde vom Zielschacht der Hauptpressung ein 113 Meter langer Rohrvortrieb DN 1000 sowie ein 43 Meter langer Rohrvortrieb DN 400 ausgeführt, über die bestehende Ortskanalisationen an den neuen Hauptsammler angeschlossen wurden. Zusätzlich entfielen im Bereich des Burgparks vier Regenüberlaufbauwerke, die durch den neuen Sammler überflüssig wurden.
Zur Anbindung weiterer Leitungen wurde im Bereich der Rathausstraße ein zusätzliches Schachtbauwerk errichtet, einschließlich dreier Haltungen DN 400 in offener Bauweise. Auch der bereits sanierte Hauptsammler 2.0 aus Uchtelfangen wurde angebunden. Für die Erreichbarkeit einzelner Bauabschnitte war temporär ein rund ein Kilometer langer Baustraßen-Zugang vom Friedhof Illingen notwendig.
Zu den wesentlichen Mengen und Leistungen zählen unter anderem 8.500 m³ Erdaushub, 3.600 m² Spundwandverbau, 310 m² Spritzbetonsicherungen sowie die Herstellung von insgesamt 19 Schachtbauwerken in Ortbeton und Fertigteilbauweise.
Außerdem wurde im Frühjahr 2025 ein 189 Meter langer Wärmetauscher zur Gewinnung von Abwasserwärme auf der Sohle des Sammlers zwischen Rathaus und Burgplatz eingebaut. Damit kann das Gaswerk Illingen künftig rund 800 kW thermische Leistung bereitstellen. Für die weitere Planung des dazugehörigen Wärmenetzes steht nun die Entscheidung über eine Förderung gemäß der Bundesförderung effiziente Wärmenetze (BEW) aus. Mit diesem zusätzlichen Baustein eröffnet die Gemeinde die Möglichkeit, mittelfristig eine nachhaltige und klimafreundliche Wärmeversorgung im Ortszentrum aufzubauen und Quartiere Schritt für Schritt auf klimaneutrale Energie umzustellen.
Mit der Fertigstellung des Stauraumkanals verfügt Illingen somit nicht nur über eine leistungsfähige und nachhaltige Lösung zur Entlastung der Gewässer bei Starkregenereignissen. Gleichzeitig wurde die Grundlage für ein innovatives und zukunftsorientiertes Wärmeprojekt geschaffen. Das Gesamtvorhaben stellt damit einen wichtigen Beitrag zur modernen Wasserwirtschaft und zur kommunalen Energiewende in der Region dar.