Dezentrale Standortstrategie wird weiter umgesetzt - Kreistag gibt einstimmig grünes Licht für die nächsten Schritte
Die Neuordnung der Kreisverwaltung Germersheim geht in die nächste Phase. Der Kreistag hat einstimmig die weiteren Schritte für zwei zentrale Verwaltungsstandorte beschlossen: Das historische Hauptgebäude am Luitpoldplatz in Germersheim wird umfassend saniert und modernisiert. Gleichzeitig wird der neue Standort in Kandel für rund 150 Mitarbeitende ausgebaut und zu einer wichtigen Anlaufstelle der Kreisverwaltung im Süden des Landkreises.
Damit setzt der Landkreis seine dezentrale Standortstrategie konsequent fort. Statt die Kreisverwaltung in einem großen Neubau an einem einzigen Standort zu konzentrieren, werden vorhandene und neu erworbene Gebäude gezielt genutzt und modernisiert. Ein zentraler Neubau hätte nach früheren Berechnungen Investitionen von mindestens 80 Millionen Euro erfordert.
„Wir reden nicht nur über eine moderne Verwaltung, sondern verändern sie konkret. Wir überprüfen Strukturen, die über viele Jahre gewachsen sind, und suchen dort bessere Lösungen, wo das möglich ist“, sagt Landrat Martin Brandl. „Unsere dezentrale Strategie verbessert die Erreichbarkeit der Verwaltung, schafft moderne Arbeitsbedingungen und zahlt sich gleichzeitig finanziell aus.“
Historisches Kreishaus wird grundlegend modernisiert
Am Luitpoldplatz ist der Übergangs- und Räumungsprozess im Zuge der neuen Standortstrategie inzwischen abgeschlossen. Damit kann die grundlegende Sanierung des denkmalgeschützten Hauptgebäudes vorbereitet werden.
Der Kreistag hat die Verwaltung beauftragt, die notwendigen Vergabeverfahren für die Architekten- und Fachingenieurleistungen durchzuführen.
Geplant sind unter anderem ein neuer Anbau mit Aufzug und Treppenhaus. Damit sollen Barrierefreiheit und Fluchtwegsicherheit verbessert werden. Hinzu kommen moderne Sanitäreinheiten sowie die vollständige Erneuerung der Gebäude-, Sicherheits- und Heiztechnik. Auch Dach und Fassade werden saniert. Zusätzlich werden der Einsatz einer Photovoltaikanlage und Möglichkeiten zur Raumkühlung geprüft.
Die bisherige Kostenschätzung liegt bei rund 5,3 Millionen Euro.
Kandel wird großer Verwaltungsstandort im Süden des Landkreises
Parallel baut der Landkreis den neu erworbenen Standort in der Gartenstraße 3 in Kandel aus. Nach dem Auszug der Sparkasse sollen dort Fachbereiche mit insgesamt rund 150 Mitarbeitenden der Kreisverwaltung arbeiten.
Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das vor allem: Leistungen der Kreisverwaltung werden künftig stärker auch im Süden des Landkreises gebündelt angeboten.
Im Erdgeschoss entsteht ein zentraler Infopoint mit Beratungsräumen und einem neuen Sicherheits- und Beratungskonzept. Die bisherigen Garagen im Untergeschoss werden zu modernen Untersuchungs- und Wartebereichen für das Gesundheitsamt umgebaut.
Für den Ausbau des Standorts Kandel sind nach aktueller Planung einschließlich Nebenkosten rund sieben Millionen Euro vorgesehen.
Dezentral statt mindestens 80 Millionen Euro für einen zentralen Neubau
Die beiden Investitionen sind Teil einer grundsätzlichen Neuordnung der Verwaltungsstandorte. Der Landkreis hat sich bewusst gegen die Konzentration der Kreisverwaltung in einem einzigen großen Neubau entschieden.
Ein solcher zentraler Neubau hätte nach früheren Berechnungen mindestens 80 Millionen Euro gekostet. Stattdessen setzt der Landkreis auf mehrere Standorte und nutzt vorhandene Immobilien. Gebäude werden dort saniert oder umgebaut, wo dies wirtschaftlich sinnvoll ist.
Damit verfolgt die Standortstrategie drei Ziele gleichzeitig: moderne Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten, eine gute Erreichbarkeit der Kreisverwaltung im Landkreis und einen wirtschaftlichen Umgang mit öffentlichen Mitteln.
„Wir investieren auch mit unserer dezentralen Lösung erhebliche Summen. Aber wir müssen immer die Alternative betrachten“, betont Brandl. „Wenn ein zentraler Neubau mindestens 80 Millionen Euro gekostet hätte, zeigt sich, dass es richtig war, die bisherige Planung grundsätzlich zu hinterfragen. Wir erhalten und modernisieren vorhandene Gebäude, bringen Verwaltung näher zu den Menschen und vermeiden gleichzeitig eine Investition in dieser Größenordnung.“
Verwaltung neu organisieren - nicht nur Gebäude sanieren
Bei der Standortstrategie geht es nicht allein um Immobilien. Mit den neuen Standorten werden auch Arbeitsabläufe, Arbeitsplätze und Bürgerangebote neu organisiert.
„Unser Ziel ist nicht, alte Verwaltungsstrukturen einfach in andere Gebäude zu übertragen“, so Brandl. „Wenn wir investieren, müssen am Ende auch die Bürgerinnen und Bürger einen Unterschied merken. Verwaltung muss gut erreichbar sein, zeitgemäß arbeiten können und ihre Leistungen möglichst einfach anbieten.“
Mit den beiden einstimmigen Beschlüssen hat der Kreistag die Grundlage für die nächsten Umsetzungsschritte in Germersheim und Kandel geschaffen.