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Felsberger Nachrichten
Ausgabe 15/2026
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Herzlichen Dank: Christopher Willing, links, Vorsitzender des Vereins zur Rettung und zum Erhalt der Synagoge in Felsberg, und Spender Uwe Cornelius Lengen. Er erhielt 4200 Euro von den Gästen seines 85. Geburtstages. Foto: Manfred Schaake

Uwe Cornelius Lengen spendet 4200 Euro seiner Geburtstagsgäste

Felsberg/Böddiger - "Ich habe in der Synagoge mein neues Zuhause gefunden." Das sagte Uwe Cornelius Lengen, als er dem Vorsitzenden des Vereins zur Rettung und Erhalt der Felsberger Synagoge, Christopher Willing, 4200 Euro überreichte. Diese Summe war ihm aus Anlass seines 85. Geburtstages von den Gästen geschenkt worden. Die würdige Feier hatte in der Synagoge stattgefunden. Sie war für 1,3 Millionen Euro in ihren ursprünglichen Zustand versetzt und im September 2022 feierlich wieder eingeweiht worden. Zu verdanken war dies vielen Spendern und Zuschüssen.

Die Synagoge präsentiert sich Dank einer beispielhaften Initiative wieder in dem Zustand wie vor dem 8. November 1938. Die Nationalsozialisten zerstörten damals das Innere des 1847 fertiggestellten Sandstein-Gebäudes. An diesem Abend hatten sie auch den stellvertretenden Stadtverordnetenvorsteher Robert Weinstein (SPD) in den Tod getrieben - deutschlandweit das erste Pogrom-Opfer. Das Inventar der Synagoge verbrannten die Nazis bei der Sonnenwendfeier auf der Burgwiese. Noch heute wird es als Wunder angesehen, dass im Innern kein Brand gelegt wurde. Eine Bewohnerin aus der Nachbarschaft hatte sie davor gewarnt.

Abstellraum, Kneipe, Pizzeria, Wohnung und nun wieder Gotteshaus. Der Verein zur Rettung und Erhalt der Synagoge, Spender, staatliche Zuschüsse und vorbildliche Eigenleistungen führten dazu, dass sich das Gebäude der jüdisch liberalen Gemeinde Region Kassel Emet we Schalom - Wahrheit und Frieden - wieder in dem ehemaligen Zustand befindet. Uwe Lengen war einem der wichtigen treibenden Kräfte. Aus Anlass der Einweihung hatte er gesagt: "Für mich geht ein Traum in Erfüllung." Lengen war Mitbegründer des Rettungsvereins.

1994 war der ehemalige Kasseler Gastronom, ehemalige ehrenamtliche Richter und Ehrenmitglied des Hotel- und Gaststättenverbandes in sein Haus in Böddiger eingezogen, nachdem er 54 Jahre im Hotel- und Gaststättengewerbe tätig gewesen war. Näheres über die Felsberger Synagoge erfuhr er vom damaligen Böddiger Ortsvorsteher Georg Bachmann. Lengen erzählt gern davon, wie er mit seinem Lebenspartner am Gasthaus-Tisch rechts in der Ecke ganz heimlich Schabatt gefeiert habe. Damals sagte er sich, die Synagoge werde falsch genutzt: "Ich wollte, dass sie wieder in ihre traditionelle Bestimmung zurückgeführt wird - es ist Gottes Eigentum."

Schon 2008 war nach den Worten Lengens klar, dass die Synagoge wieder Synagoge sowie Begegnungsstätte für interkulturelle und interreligiöse Veranstaltungen werden und die 900-jährige Geschichte der Juden in Nordhessen vermitteln sollte. Im Jahre 2013 wurde der Rettungsverein gegründet. "Es war politischer Konsens und ich stand voll dahinter"; unterstreicht Lengen. Und: "Ohne die Tatkraft von Annette und Christopher Willing wäre dieser Traum nicht erfüllt worden."

 

"Ich bin sehr glücklich über den jetzigen Zustand des Gebäudes und die gelungene Rekonstruktion", sagt Uwe Lengen, "und ich wünsche mir sehr, dass noch viele Geburtstagskinder als Geschenk eine Spende für die Synagoge wünschen." Über 50 000 Euro hat Lengen nach eigenen Angaben bisher für die Synagoge gespendet. Die 4200 Euro der Geburtstagsgäste werden für eine Photovoltaik-Anlage verwendet, um die Energiekosten zu reduzieren. Insgesamt werden dafür 30 000 Euro benötigt.

Manfred Schaake