Das neue AWO Quartier in Fuldabrück möchte sich in diesem Jahr für die weitere Förderung einer inklusiven Nachbarschaft einsetzen. Aus diesem Grund laden wir Sie herzlichst ein in unserer Auftaktveranstaltung über barrierefreie, öffentliche Räume in Fuldabrück teilzunehmen. Mit dem Bürgermeister, habe ich ein Gespräch über die bisherigen Maßnahmen und Ziele im Bereich der Inklusion geführt:
Solbey Blanco: Herr Damm, Sie sind seit Juli 2023 Bürgermeister Fuldabrücks. Welche Ziele hat die Gemeinde im Bereich der Barrierefreiheit und welche Projekte werden bereits umgesetzt?
Andreas Damm: Wir sind immer dabei durchgängig für Verbesserung bei der Barrierefreiheit zu sorgen, und die vorhandene Infrastruktur instand zu halten. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir bei Neubauten und Sanierungen die Planung der Barrierefreiheit miteinfließen lassen. Öffentliche Einrichtungen sind barrierefrei zu gestalten, sei es durch Aufzüge, Rampen, etc. Bei alten Dorfkernen ist es etwas schwieriger vorzugehen, da verschiedene Faktoren, wie die Topographie und die zu erhaltene Bausubstanz eine wichtige Rolle spielen. Wir schauen dabei, ob es genug Platz dafür gibt, ob die Neigung stimmt oder ob unter den gegebenen Voraussetzungen eher andere Problematiken schaffen. In der Hinsicht lassen wir uns immer von Bauingenieuren beraten. Die Frage ist auch dabei, wie viele Bürger werden von einer Maßnahme betroffen und was kostet das am Ende. Wir haben bspw. in den vergangenen Jahren zusammen mit dem IKS-Planungsbüro unter Beteiligung der Fuldabrücker Bürgerschaft, ein Nahmobilitätskonzept erarbeitet. Am Ende entstand ein Konzept, das als Vorlage für die weitere Verbesserung im Straßenverkehr genutzt wird. Weiterhin wurden bereits in ganz Fuldabrück 15 barrierefreie Bushaltestellen umgesetzt. Zu einer Umsetzung von wünschenswerten Maßnahmen kommt es aber nicht immer aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen. Bei größeren Sanierungsmaßnahmen, wie z.B. der Langenberg- oder Flughafenstraße, wird immer die Möglichkeit einer Nullabsenkung oder der Einbau von Rundborden betrachtet.
S.B.: Barrierefreie Straßenüberquerungen sind eigentlich gar nicht so einfach zu planen, weil man mit verschiedenen Straßenarten zu tun hat, und es ist wichtig wie oft eine Straße benutzt bzw. überquert wird. Dies entscheidet z.B. ob ein Zebrastreifen oder Noppenplatten angebracht werden können.
A.D.: Genau. In Bergshausen sieht man das ganz gut. Straßenüberquerung z.B. am Kreisel, finden Sie auf jeder Seite eine Gehweg-Nullabsenkung und das taktile System, also die Noppenplatten. Weitere taktile Leitsysteme sind in Planung. Das sind noch die einfachen Maßnahmen, die wir als Gemeindeverwaltung selber planen und umsetzen können. Bei Fußgängerüberwegen oder Ampelanlagen wird es schon richtig schwierig. Noch sind die gesetzlichen Vorgaben so, dass es kaum zu Umsetzungen solcher Anlagen kommen kann. Wir befinden uns dann z.B. bei einer entsprechenden Anzahl von Fußgängern und Kfz Verkehr in einem zeitlichen Zusammenhang. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt wird eine Realisierung insbesondere bei Kreisstraßen fast unmöglich.
S.B.: Wie lange dauert so ein Prozess von der Entscheidungsfindung bis hin zur baulichen Umsetzung? Und wovon hängt es eigentlich ab, dass es am Ende wirklich realisiert wird?
A.D.: Es ist unterschiedlich wie lange solche Prozesse dauern können. Rampen oder Rundborde zu errichten sind kurzfristige Projekte und stellen keine großen Herausforderungen für die Gemeinde dar. Diese Maßnahmen können schnell entschieden und umgesetzt werden. Baumaßnahmen größerer Ordnung können durchaus bis zu zwei/drei Jahre dauern: von der Planungs- zur Ausschreibungsphase und vom Baubeginn bis zum Bauabschluss. Dafür sind die entsprechenden Gelder bereits in den Haushaltsplanungen mit vorzusehen und die Zustimmung der Gemeindegremien muss natürlich ebenfalls erfolgen.
S.B.: Welche Rolle spielen dabei andere Akteure wie Vereine, Unternehmen und andere Initiativen bzw. welche Herausforderungen sind Ihnen dabei begegnet?
A.D.: Wir sind als Gemeindeverwaltung immer offen für Vorschläge von allen, egal ob von den Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen oder Unternehmen. Diese fließen in unsere weiteren Planungen und bei Möglichkeit auch in Bauvorhaben mit ein. Wichtig ist uns dabei ein offenes Ohr zu haben. Wir schauen uns auch mit den Ideengebern die Situation vor Ort an. So finden nach Bedarf auch mal eine Verkehrsschau statt oder es wird mit den bewegungseingeschränkten Personen und ihrem Rollator ein Weg gemeinsam abgegangen. Herausforderungen sind wie bereits erwähnt Kosten, rechtliche Bedingungen, Zeit und manchmal auch Interessenkonflikte. Gelder für größere Maßnahmen sind rechtzeitig zu planen und müssen natürlich auch zur Verfügung stehen. Zur Entlastung werden dabei auch immer Fördermöglichkeiten betrachtet. Interessenskonflikte können bei den verschiedenen Verkehrsteilnehmern bestehen. Fußgänger haben oft andere Vorstellungen und Bewegungsbereiche als Radfahrer oder Autofahrer. Anwohner haben mitunter auch eigene Betrachtungsweisen in ihrem direkten Wohnbereich. So stößt eine Fahrradstraße nicht unbedingt auf Gegenliebe bei allen. Hier sind häufig Kompromisslösungen zu finden. Leider können aber nicht immer alle Bürgerinnen und Bürger zufrieden gestellt werden. Die gegenseitige Rücksichtnahme und Achtsamkeit aller Verkehrsteilnehmer sollte aber stets im Interesse aller Beteiligten sein. Am Ende ist zu sagen: Besser geht immer, ich glaube aber, dass wir insgesamt gut aufgestellt sind und schon einiges erreicht haben.
Das Gespräch wurde am 04.04.24. durchgeführt.
Nächste Woche: Auftaktveranstaltung - Eine Gemeinde für alle!
Kollektive Kartierung über Barrierefreiheit in den öffentlichen Räumen Fuldabrücks
Fr. 10.05.2024
16:15 – 18:00 Uhr
DGH Dörnhagen
Anmeldung unter:
quartier.fuldabrueck@awo-nordhessen.de
oder Telefon/whatsapp:
0151 15825 007