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Niestetaler Nachrichten
Ausgabe 12/2026
Vereine und Verbände
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SPD Niestetal

(Fotos: Kathrin Hörtzsch)

Bei ihrem Treffen im Mai erlebten die Mitglieder der SPD AG 60plus eine Planwagenfahrt durch die ehemalige Sprengstofffabrik Hirschhagen. Für alle Beteiligten wurde die Fahrt zu einer eindrucksvollen und nachdenklich stimmenden Begegnung mit der Geschichte.

In Hirschhagen entstand zwischen 1936 und 1945 auf einer rund 233 Hektar großen Waldfläche mit fast 400 Gebäuden eine der größten Munitionsfabriken der nationalsozialistischen Diktatur.

Herr Schlegel, der in Hirschhagen aufgewachsen ist und mit der Geschichte des Ortes bestens vertraut ist, schilderte während der Fahrt die Herstellung von Sprengstoffen und Munition. Zwei Arten von Sprengstoff wurden hergestellt und verarbeitet (TNT/Pikrinsäure), ein anderer (Nitropenta) wurde nur abgefüllt.

Im März 1945 arbeiteten dort rund 6000 Menschen, darunter viele Zwangsarbeiter, Strafgefangene und KZ-Häftlinge. Unter menschenunwürdigen und lebensgefährlichen Bedingungen mussten sie dort jeden Tag, auch samstags und sonntags zehneinhalb Stunden arbeiten. Dazu kamen die An- und Abmarschzeiten in die Arbeitslager rund um Hirschhagen.

Für die Herstellung der Sprengstoffe wurden enorme Mengen an Wasser und Energie benötigt. Zugleich fielen giftige Abwässer an, die zunächst über die Losse in die Fulda geleitet wurden. Später entstand eine etwa 23 Kilometer lange Rohrleitung, die bei Sandershausen in die Fulda mündete.

Schlegel berichtete, dass nicht alle Abwässer in die Fulda gelangten, ein beträchtlicher Teil versickerte auch im Boden. Das verursachte Schäden an Boden und Grundwasser. Die Sanierung dauerte mehrere Jahrzehnte, wobei das Grundwasser immer noch mit Schadstoffen belastet ist. Die Sanierung wird immer noch weitergeführt.

Nach der Fahrt mit dem Planwagen wurden wir noch von Herrn Horn (der übrigens in Sandershausen geboren und aufgewachsen ist) mit Kaffee und Waffeln versorgt. Und das in dem schönen rustikalen „Waldhorn“.