Den Texten zu den von Oktober bis Januar vorgestellten Werken entnommene Zitate, die wir uns alle durch den Kopf gehen lassen sollten:
„Ferne sucht Nähe“ bei Meinhard-Braunrod: „…wir sollten nicht vergessen, dass früher hier Menschen standen, die nur eine Regung auf der anderen Seite erhaschen wollten, in einem Ort, einer Landschaft, die sie nicht betreten durften.“
„Gespalten - Stand gehalten“ am Bahnhof Eichenberg: „Die deutsche Niederlage im I. Weltkrieg nahmen die Nationalsozialisten 1939 zum Anlass, die Welt zum zweiten Mal in Brand zu setzen. Die Nazi-Barbarei endete nicht nur mit zig Millionen von Toten und dem Holocaust, sondern auch mit der Teilung Deutschlands. …Bis zum zweiten Weltkrieg war der Eisenbahn-Knotenpunkt Eichenberg verkehrstechnisch von herausragender Bedeutung. Während des Krieges wurde er zur Drehscheibe des Flüchtlings- und Kriegsgefangenendramas. Letztmals befuhr planmäßig ein Personenzug am 24.07.1945 das Streckenstück Eichenberg-Arenshausen … Am 26. Mai 1990 wurde …die „Halle-Kasseler Eisenbahn“ zwischen Eichenberg (Hessen) und Arenshausen (Thüringen) wieder in Betrieb genommen.
„come together“ am Wanfrieder Hafen: „Die Werra war der Grenzfluss zwischen den beiden deutschen Staaten; die Grenze lag in der Flussmitte. Grenzsperranlagen der DDR, die verhindern sollten, dass man die Grenze über die Werra verlassen konnte, tief ins Flussbett gerammte Metallzäune, gesprengte Brücken, durch den Kalibergbau eingeleitete Salze, die das Leben im Fluss töteten, gehören zu dieser leidvollen Phase der Geschichte der Werra. Wie die Werra zum Bollwerk gegen Massenflucht ausgebaut wurde, so wurden Stacheldraht und Beton zu Symbolen der gewaltsamen Trennung von Ost- und Westdeutschland allgemein.“
„Menschenkugel“ in Netra: „Am 18. November 1989 wurde um 06.00 Uhr früh unter großem Beifall vieler Bürger aus Ost und West ein über die B7 symbolisch gespanntes Band zerschnitten, eine bedeutende Verbindung zwischen West- und Ostdeutschland war wieder hergestellt.
„Aus der Enge in die Weite“ bei Herleshausen: Das Werk symbolisiert „an diesem Standort die Befreiung aus dem repressiven System der DDR, das seine Bürger durch Betonmauern, Stacheldraht und Minen an der Wahrnehmung demokratischer Grundrechte zur umfassenden Entfaltung ihrer Persönlichkeit hinderte und in ihrer Freizügigkeit drastisch beschnitt…“
„Breaking Walls“ am Grenzmuseum Schifflersgrund: Das Grenzmuseum Schifflersgrund wie auch das Kunstwerk stehen dort, wo ein Mensch mit seinem Traktor den „Eisernen Vorhang“ überwinden wollte und erschossen wurde.
„Ein Ende ist auch immer ein Anfang“ am früheren Todesstreifen unterhalb des Hansteins: „Familien, Verwandten- und Freundeskreise wurden getrennt, kulturelle Wurzeln gekappt.“
Wie ist es möglich, dass Deutsche die Nazi-Barbarei vergessen können oder leugnen, Ähnlichkeiten des Nazi- und DDR-Systems nicht mehr erkennen wollen, Putin nicht als skrupellosen Gewaltherrscher und imperialistischen Kriegsverbrecher betrachten, der Gegner vergiften oder aus dem Fenster werfen lässt, der Kritiker unter grausamen Haftbedingungen sterben lässt, dem auch das Leben seiner eigenen Soldaten gleichgültig ist? Wie ist es möglich, dass Deutsche bereit sind, sich wieder Parteien mit autoritärem und unmenschlichem Gedankengut zuzuwenden und ihre demokratischen Grundrechte und ihre Menschlichkeit auf zu geben?