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Stadtgespräch Spangenberg
Ausgabe 3/2026
Vereine und Verbände
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ARS NATURA

Franz Marcs leuchtende Tiere

Franz Marc und die bunten Stadtmusikanten

Vor am 04. März 2026 110 Jahren starb Franz Marc, einer der bedeutendsten Erneuerer der Tierdarstellung in der Kunst. Marc brach radikal mit bisherigen Sehgewohnheiten. Wo frühere Maler Kühe, Pferde oder Hunde naturgetreu und oft idyllisch-ländlich ins Bild setzten, löste Marc Farbe und Form vom bloßen Motiv. Ein Hund durfte kantig sein, eine Kuh gelb – ein Affront für viele seiner Zeit, ähnlich wie für jene Menschen, die auch heute noch über Abstraktion die Nase rümpfen und Künstlerinnen und Künstler schnell als weltfremd abtun: 1911/12 reagierte die Augsburger Postzeitung auf die Ausstellung des „Blauen Reiter“ mit Spott: man sprach von „infantilen“ bis „farbenwahnsinnigen“ Bildern. Die Ablehnung setzte sich später im NS-Kunstverdikt noch wesentlich radikaler fort. Von Entartung“ war damals die Rede – mit zerstörerischen bis todbringenden Konsequenzen für die damaligen Künstlerinnen und Künstler. Heute hingegen gehören Marcs leuchtende Tiere – sein „Tiger“, „Liegender Hund im Schnee“ oder „Die blauen Pferde“ – zu den beliebtesten Werken deutscher Museen.

Der Weg zu dieser neuen Sicht auf die Tierwelt war kurz, aber intensiv. Marc hielt das Tier für „schöner und reiner“ als den Menschen – ursprünglicher, mit der Welt im Einklang. Er wollte nicht darstellen, wie Tiere uns erscheinen, sondern wie sie sich selbst fühlen. Seine Farbenlehre – Blau als geistiges, männliches Prinzip; Gelb als heiteres, weibliches; Rot als schwere Materie – wurde zum Ausgangspunkt der kristallinen und schließlich abstrakten Formen, die viele damals verstörten und bis heute manche ratlos bis aggressiv zurücklassen. Marc glaubte an eine neue geistige Kunst in Europa. Doch sein Leben endete abrupt: Am 4. März 1916, während eines Erkundungsritts bei Verdun, als er von seinem Pferd abgestiegen war, um eine Geländekarte zu studieren, traf ihn ein Granatsplitter tödlich am Kopf. Marcs Werk jedoch überdauerte die Anfechtungen – und ermöglichte eine neue Weltsicht und Kunst.

Klasse 3a, 2018/19, Burgsitzschule Spangenberg, Leitung: Frau Dorothee Weisel-Müller, „Franz Marc und die bunten Stadtmusikanten“, Rundweg Schnellrode

Im Kunstunterricht bearbeitete die Klasse der 3a eine Franz Marc-Werkstatt. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert darüber, wie er den Charaktereigenschaften der Tiere bestimmte Farben gab und diese mit Formen kombinierte. Den Farben für die Bremer Stadtmusikanten ordneten die Kinder daher entsprechende Gefühle zu:

Der Hahn ist bunt, weil er ein kunterbuntes Leben hatte und kräftig und fröhlich krähen kann.

Rot ist für die Katze gedacht, da sie manchmal wütend ist und blutig kratzen kann.

Grün für den Hund bedeutet, dass er auch mal Gras frisst und ansonsten ein Genießer ist.

Für seine Lebhaftigkeit und bekannte Sturheit erhielt der Esel die Farbe Blau.

– Kinder haben überhaupt noch keine Probleme mit dem Reich der Fantasie. Sie abstrahieren frei und ohne Vorbehalte Farben und Formen in ihren Zeichnungen und Malereien.