"Der Weltenbaum" von Peter Paul Medzech
Fritzlar_Dom_Stadtmarketing, Fritzlar Am Mühlgraben, „Zwölf Flüsse“ von Said Tabib
"Davidstern – versunkene und überspülte Erinnerung" von Hiltraud Peterova
ARS NATURA am idyllischen Mühlgraben
Mit prächtiger Silhouette präsentiert sich die mittelalterliche Fachwerkstadt Fritzlar. Entdecken Sie kulturelle Zeugnisse des Mittelalters, wandeln Sie auf den Spuren deutscher Könige und Kaiser, schlendern Sie durch die malerischen Gassen. Erleben Sie einen entspannten Bummel in der historischen Altstadt und am idyllischen Mühlgraben.
Geht man vom Grauen Turm das Grabengässchen hinunter und dann links in die Neustädter Straße, so trifft man auf den Mühlgraben, überquert diesen auf der Hospitalsbrücke und befindet sich auf dem ARS NATURA X8, der den Mühlgraben Richtung Südwesten begleitet. An der Brücke liegt die Heilig-Geist-Kapelle, Fragment einer Kirche, die, um 1308 erbaut, zu einem städtischen Hospital gehörte. Heute stehen nur noch der gotische Chor und ein Vorjoch.
Unweit der Kapelle steht am Mühlgraben der „Mönch“, eine Nachfolgeskulptur von Peter Schwill aus Dresden. Die erste gleichnamige Figur des eigenwilligen Bildhauers Maik Miol aus Wrocław/Breslau in Polen drohte zu vergehen, wird aber in Fritzlar aufbewahrt. Der Mönch, mit dem Auge Gottes versehen, d.h., mit dem Geist Gottes beseelt, strebt vielleicht der gegenüberliegenden Pforte einer früher dort gelegenen klösterlichen Herberge oder Bastion zu.
Da die Gründung der Stadt Fritzlar auf das Werk des angelsächsischen Missionars Bonifatius zurückführt, der im Jahre 723 die Donareiche, ein Heiligtum der germanischen Chatten, fällte, sind hier die Werke überwiegend religionshistorisch inspiriert.
Peter Paul Medzech aus Minden schuf den „Weltenbaum“. Ist es die nordische Yggdrasill oder die sächsische Irminsul, die hier gemeint ist? Die Bäume verkörperten den gesamten Kosmos, symbolisierten die verschiedenen Sphären der Existenz; Weisheit und Verstand sollen in ihren Wurzeln verborgen sein. Im Zuge der häufig gewaltsamen Missionierung Germaniens fielen fast alle heiligen Bäume und Haine der Axt zum Opfer.
Said Tabib, ein Schüler von Peter Paul Medzech und Arzt in Lübbecke, nannte seine Skulptur „Zwölf Flüsse“. Nach der germanischen Mythologie entspringen aus dem brodelnden Brunnen Hvergelmir zwölf Flüsse. Die Urströme erstarrten zu Eis und schmolzen wieder – das Szenario von der Entstehung der Welt erinnert stark an die Bedingungen der letzten Eiszeit. Die zwölf Flüsse fließen über zwölf Steine zu einem Hauptstrom zusammen. Anhand der typischen Form einer orientalischen Kuppel als Schlussstein verrät der Künstler seine iranische Herkunft.
Der ARS NATURA-Weg am Mühlgraben ist gleichzeitig Auenlehrpfad. Der urwaldähnliche dichte Bewuchs des Erlenbruchwaldes ist ein artenreiches Biotop. Zahlreiche Vogelarten finden hier Nistmöglichkeiten und Nahrung, auch auf der nahegelegenen Streuobstwiese. Am Ederwehr, das Wasser für den Mühlgraben und eine große Fischzuchtanlage liefert,sammeln sich alljährlich im Winter viele nordische Wasservögel.
Am 27. Mai fand in Spangenberg unter dem Motto „Gemeinsam erinnern. Zeichen setzen“ wieder einmal eine Stolpersteinverlegung statt. Die Metallinstallation »Davidstern – versunkene und überspülte Erinnerung« von Hiltraud Peterova aus Schwalmstadt, die sich unweit des Ederwehrs im Fluss befand, wurde leider mehrmals zerstört und wird daher nun an einem sicheren Ort in Fritzlar aufbewahrt. Sie wäre unter Wasser sinnbildlich besser aufgehoben; es ist bedauerlich, dass sie rechtsextremer Gewalt dort zum Opfer fiel. Das Werk bezog sich auf die seit 1096 bestehende jüdische Gemeinde in Fritzlar. Zwischen 1933 und 1942 lebten 161 jüdische Menschen in Fritzlar, 63 wurden Opfer des Holocaust.
Die seit Jahrhunderten nur wenigen Veränderungen der Innenstadt machen Fritzlar ganz besonders, Liebhaber historischer Städte dürfen sich daher auf einen intensiven, erlebnisreichen Rundgang freuen. Auch ist die Weiterwanderung auf dem ARS NATURA-Weg über den Büraberg, auf dem sich eine karolingische Festung mit Kloster befand, nach Rothhelmshausen und weiter nach Bad Zwesten ein Erlebnis. Idyllisch im Naherholungsgebiet an der ARS NATURA-Strecke am Mühlgraben gelegen, bietet der Tiny House Park Übernachtung mit Urlaubsflair. „Er ist charmant - er ist nachhaltig tiny – er ist Zeitgeist!“