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Söhrewaldbote
Ausgabe 17/2025
Vereine und Verbände
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Geschichtskreis Söhrewald - Das Ende des zweiten Weltkrieges in Wellerode Teil 4

Gertud Ronschke und Annemarie Most vor dem Elternhaus Fahrenbachstraße 4

Teil 4

Von Gertrud Ronschke

Am Ostersamstag, dem 31.3.1945 zogen sich unsere Soldaten mit Pferd und Wagen und zu Fuß aus der Richtung Fritzlar kommend von der Front zurück und durchfuhren unser Dorf in Richtung Autobahnbrücke. Am Ostersonntag, dem 1.4.1945 mussten wir unser Dorf räumen. Es war zu befürchten, dass es Kampfhandlungen geben würde. Die Männer, die noch im Ort waren, hatten zuvor auf der Wattenbacher Straße Barrikaden errichten. Wir flüchteten mit dem Handwagen in die Wälder rund um die Fahrenbachsteiche. Hier lagerten wir zwei Nächte in den Tannen, andere verbrachten die Nächte im Diebgraben.

Aber der Amerikaner kam nicht über die Wattenbacher Straße, sondern von Wollrode über die Warpelstraße und die Schlade runter in unser Dorf. Die anderen Kampftruppen zogen die Schornstraße weiter in Richtung Wattenbach nach Eschenstruth. Bei diesem Einzug wurde nur ein einziger Schuss von den Amerikanern abgefeuert, der das Haus von Werners (Schusters) in der Friedhofstraße traf. Am 2. Ostertag zog der Amerikaner bei uns ein.

Abends lief ich mit meiner Schwester ins Dorf. Wir waren ja neugierig auf unsere Feinde. Als wir aus dem Wald kamen, sahen wir den ersten Amerikaner mit einem Gewehr im Anschlag von Dichhenn‘s Berg aus dem Bunker kommen. Aber trotzdem liefen wir bis zu unserer Wohnung. Das ganze Haus war voller Amerikaner. Wir schlichen zu meiner Tante in den Stall, die gerade beim Füttern war. Sie durfte im Hause bleiben, da meine Cousine in diesen schweren Stunden einem Jungen das Leben schenkte. Sie gab uns zu verstehen, nicht in das Haus zu gehen. Vor dem Haus und auf der Brücke tummelten sich die Ausländer, die ihre Befreier freudig begrüßten. Sie kamen aus dem Barackenlager von Wellerode-Wald. Es waren Zwangsdeportierte aus allen besetzten Ländern, die bei Junkers und Fieseler arbeiten mussten. Nach zwei Tagen mussten wir aber das Dorf schon wieder für eine Nacht räumen, wir verbrachten diese Nacht im Wartesaal des Bahnhofs Wellerode-Wald.

Der Grund hierfür war: der Amerikaner gab das Dorf zur Plünderung für die Ausländer frei. Sie holten sich aus den Kellern das Eingekochte, schlachteten Hühner und nahmen mit, was sie an Essbarem bekommen konnten.

Bei manchen wüteten sie ganz schön. Ab dieser Zeit war das Chaos vollkommen, es wurde überall geplündert. Die Fabriken waren ja ohne Aufsicht, und es holte sich jeder, was es nur gab.

Auszug aus dem Buch Söhrewald 1984