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Vellmarer Blättchen
Ausgabe 5/2026
Bürger-Info
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Klassen 8 der Ahnatalschule erleben Kommunalpolitik hautnah

Demokratie zum Anfassen: Zwei achte Klassen der Ahnatalschule Vellmar besuchten am 23. Februar 2026 die öffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung in der Mehrzweckhalle Frommershausen. Damit setzten sie ein Unterrichtsprojekt im Fach Gesellschaftslehre fort, das bereits im vergangenen Jahr mit einem Besuch im Rathaus begonnen hatte. Damals informierte sich der gesamte Jahrgang über Kommunalpolitik, Wahlen, Verwaltungsstrukturen und Berufsmöglichkeiten bei der Stadt. Nun folgte der zweite, besonders spannende Teil: Kommunalpolitik live zu erleben.

Fragestunde mit Stadtpolitik und Verwaltung

Eine Stunde vor Sitzungsbeginn hatte Stadtverordnetenvorsteher Eugen Kreitsch die Schülerinnen und Schüler zu einer eigenen Fragestunde eingeladen. Mit am Tisch saßen die Fraktionsvorsitzenden Torgit Brück (SPD) und Siegfried Kopperschmidt (Grüne) sowie der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Hartmut Brondke. Ebenfalls vertreten waren die Ausschussvorsitzenden Martin Saueressig (Haupt- und Finanzausschuss), Angelique Hebold (Sport, Gesundheit und Soziales) und Patrick Breyer (Bau- und Umweltangelegenheiten). Für den Magistrat begrüßte Bürgermeister Manfred Ludewig die Klassen. Auch aus der Verwaltung waren mit Büroleiter Stephan George und Kämmerer Karsten Milzarek-Staub zwei zentrale Ansprechpartner anwesend.

Wie funktioniert eine Stadtverordnetenversammlung?

Zunächst erklärte Stadtverordnetenvorsteher Kreitsch die Abläufe einer Sitzung: von der Fragestunde über den Bericht des Magistrats bis hin zu Abstimmungen nach dem Mehrheitsprinzip. Auch die Rolle des Ausländerbeirates und des Seniorenbeirates, die in dieser Sitzung ihre Berichte vortragen sollten, wurde erläutert.

Wichtig für die Jugendlichen: In der Stadtverordnetenversammlung haben ausschließlich die gewählten Abgeordneten und der Bürgermeister Rederecht. Die Einhaltung klarer Regeln und Redezeiten sorgt dafür, dass alle Tagesordnungspunkte innerhalb der maximal dreistündigen Sitzungsdauer behandelt werden können.

Viele Fragen – klare Antworten

Dann waren die Schülerinnen und Schüler an der Reihe – und sie nutzten die Gelegenheit intensiv.

„Wie lang ist denn die Redezeit?“, wollte eine Schülerin wissen. Die Antwort: Bei Haushaltsdebatten stehen den Fraktionssprechern jeweils 15 Minuten zu, für Nachfragen weitere fünf Minuten.

Ein Schüler fragte nach der Zusammensetzung des Parlaments. Vertreten sind in Vellmar die Fraktionen von SPD, CDU und Grünen sowie ein fraktionsloser Abgeordneter der AfD, der kürzlich verstorben ist. Zu Beginn der Sitzung sollte daher eine Schweigeminute stattfinden.

Auch das Thema Kommunalwahl am 15. März kam zur Sprache. Neben der Stadtverordnetenversammlung wird auch der Kreistag neu gewählt – mit einer größeren Auswahl an Parteien, wie auf den zahlreichen Wahlplakaten zu sehen ist. Was es bedeutet, eine Fraktion zu bilden? Mindestens drei Mandate sind dafür erforderlich.

Besonders interessiert zeigten sich die Jugendlichen an den persönlichen Beweggründen der Mandatsträger. Warum wird man Kommunalpolitiker – und warum ist das kein Hauptberuf? Die Antwort machte deutlich: Das Engagement ist ehrenamtlich geprägt. Sechs Stadtverordnetenversammlungen im Jahr sowie Ausschuss- und Fraktionssitzungen gehören dazu. Das Sitzungsgeld beträgt 25 Euro pro Termin – zum Leben zu wenig, aber Ausdruck der Wertschätzung für das Engagement.

Jugendbeteiligung im Blick

Ein zentrales Anliegen der Schülerinnen und Schüler war die Frage nach einem Jugendparlament. Ausschussvorsitzende Angelique Hebold erklärte, dass dieses Thema in der vergangenen Legislaturperiode mehrfach diskutiert wurde. Der Wunsch nach einer stärkeren Jugendbeteiligung sei vorhanden. Bis zur möglichen Einrichtung eines Jugendparlaments sollen weitere Beteiligungsprojekte umgesetzt werden. Auch die städtische Jugendarbeit stehe als erster Ansprechpartner bereit.

„Wie bleibt man respektvoll, wenn man politisch anderer Meinung ist?“ – auch diese Frage bewegte die Klassen. Die Antwort der Anwesenden fiel eindeutig aus: Respekt und Gesprächsbereitschaft sind Grundvoraussetzungen demokratischer Arbeit. Und selbstverständlich seien die Abgeordneten auch nach der Wahl weiterhin für Wünsche und Anregungen ansprechbar.

Ein lebendiger Einblick in die Demokratie

Viel zu schnell verging die Stunde. Stadtverordnetenvorsteher Kreitsch musste die lebhafte Fragerunde beenden, um die Sitzung pünktlich zu eröffnen. Er bedankte sich herzlich bei den Klassen für ihr Interesse und ihren Besuch.