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Ausgabe 27/2026
Vereine und Verbände
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Förderkreis 'Synagoge in Vöhl' e. V.

Am Sonntag um 15:00 Uhr wird in der ehemaligen Vöhler Synagoge die Ausstellung „Shtil, di Nacht iz oysgeshternt“ eröffnet. Bis zum 9. August kann sie wochentags – außer samstags – von 9 bis 17:00 Uhr, sonntags von 15 bis 18:00 Uhr besucht werden.

Bei der Renovierung des Sakralraums in den ersten 2000er Jahren wurde festgestellt, dass 18 der Bretter aus der Kuppel wurmstichig waren. Sie wurden herausgenommen, wieder haltbar gemacht und Menschen gegeben, die daraus Kunstwerke herstellten. Viele der Künstlerinnen und Künstler hatten bereits bei einer der Documenta in Kassel ausgestellt. Sie wohnten bzw. wohnen in Neuseeland, Indien, Israel, Togo, Surinam und natürlich auch in Deutschland. Einige von ihnen sind inzwischen gestorben.

Der Inder K. V. Balakrishnen hat sein Brett in eine Tapisserie eingearbeitet, die die Symbolwelt dreier miteinander verbundener Religionen – Judentum, Christentum und Hinduismus – in einer eigenen künstlerischen Bildsprache zusammenzuführen versucht.

Barbara Betz-Böttners Stele hat den Titel „Lichter an der Feste des Himmels“. Ihr Kunstwerk verweist auf Hoffnung, Erneuerung und die Möglichkeit, dass die himmlischen Lichter erneut zum Leuchten finden.

Thomas Emde, ebenfalls aus unserer Region stammend, ist Farbkünstler. Farbe wird hier nicht nur als Mittel zur Bildgestaltung eingesetzt, sondern selbst zum eigenständigen Material. Sie „wächst“ in Schichten und entwickelt eine eigene materielle Präsenz.

Kurt-Willi Julius – von der Gründung des Förderkreises 1999 bis zu seinem Tod 2014 Vorsitzender des Vereins und Organisator der Vorgänger-Ausstellung im Jahre 2005 – hat sein Kunstwerk in die Mitte des Sakralraums platziert. Er hat es in den Fußboden hineingebaut. Unter Glas ist das Brett umgeben von Spiegelscheiben und liegt auf Erde aus Richard Rothschilds Rosengarten. Um die Glasplatte herum hat Julius in hebräischen Buchstaben sieben Tugenden genannt.

Vered Kaminski, in Jerusalem lebend, ist eine der bedeutendsten Schmuckdesignerinnen Israels. Ein zentrales Thema ihrer Arbeit ist das Zerlegen und Neu-Zusammensetzen von Materialien und Strukturen. Dies hat sie auch bei dem Brett aus der Synagogenkuppel realisiert.

Mit Dani Karavan – er wohnte in Tel Aviv und Paris – konnte einer der bedeutendsten Künstler seiner Generation zur Mitarbeit gewonnen werden. Er versah das Brett aus der Vöhler Synagoge mit einem zweiten Davidstern: einer originalgetreuen Nachbildung jenes Sterns, den Juden in Deutschland und den besetzten Gebieten auf ihrer Kleidung zu tragen hatten. Vergoldete Elemente sollen die Hoffnung auf eine von Respekt und Toleranz geprägte neue Zeit ausdrücken.

Roman Koksch, ein Künstler aus der Region, thematisiert gleichermaßen die Verletzungen, die das Verhältnis von deutschen Nichtjuden zu Juden in aller Welt durch die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten erlitten hat, und eine neu aufkommende Stabilisierung der Beziehungen.

Eva René Neles Arbeit für Vöhl – „Die letzten Aufrechten“ ist der Titel – greift das Motiv der gebeugten, unterdrückten Kreatur auf. Die das Brett tragende Gruppe kleiner Metallfiguren – geschundener Menschen – bezieht sich auf den Holocaust.

Wolfgang Niedeckens „Drei Nägel und ein Stück vom Himmel“ ist eine Arbeit, die Erinnern und Hoffen miteinander verbindet. Sie eröffnet neue Perspektiven auf die Geschichte der Synagoge und setzt zugleich ein Zeichen des Optimismus. Niedecken ist sicherlich der bei uns bekannteste unter den Brettbearbeitern, allerdings kennen wir ihn eher als Musiker.

Der aus Neuseeland stammende Hafiz Parker und seine deutsche Frau Ulrike schufen gemeinsam die Arbeit From Another Planet (Von einem anderen Stern), in der das historische Sternenbrett in eine farbintensive Bildwelt integriert wird. Das Werk verbindet persönliche Erinnerung, Reiseerfahrungen und die symbolische Kraft des Sterns als Zeichen von Orientierung und Hoffnung.

Reta Reinl, die Kurt-Willi Julius Kontakte zu vielen anderen Künstlern vermittelt hat, gab ihrem Werk den Titel „Kleines großes Zelt, schimmernd“; es besteht aus gerissenen Papiersternen, zwischen denen gelbe und schwarze Pigmente schimmern. Sie sind an feinen Kupferdrähten befestigt und formen einen räumlichen, schwebenden Zeltkörper.

„Und die Nacht war dunkel und erhellte die Nacht“ – so lautet der Titel der Arbeit von Miguel Rothschild, einem aus Argentinien stammenden, aber in Berlin lebenden Enkel eines Vöhler Juden. Sein Werk verweist auf die vielschichtige Geschichte des Synagogenhimmels. Bis etwa zum Jahr 1900 war dieser in einem dunkleren Blauton gefasst; einzelne Sterne waren damals nicht gemalt, sondern aus Papier ausgeschnitten und aufgeklebt. Spuren dieser älteren Gestaltung sind unter der späteren Überarbeitung noch sichtbar.

Gabriele c. Schmitt, der Landsynagoge Roth eng verbunden, gab dem Brett eine Einfassung – gewissermaßen einen Schutz – aus Ton und ergänzte es um Rose Ausländers Gedicht „In Dir“.

Micha Ullmann, der neben Dani Karavan der international namhafteste unter den „Vöhler“ Künstlern (immerhin hat er das „Denkmal der verbrannten Bücher“ in Berlin geschaffen), nannte sein Werk „Schwarze Sterne“. Damit verweist er auf die Wurmlöcher auf der Rückseite des Brettes, der er allerdings auch die blaue Farbe der Vorderseite gegeben hat. Seine Arbeit lässt die Wahrnehmung kippen: Nacht und Tag, Licht und Dunkelheit, An- und Abwesenheit durchdringen einander.

Dovi Vidzraku aus Togo, Arbeit „La Main de Dieu“ (Die Hand Gottes) zeigt eine Kirche oder Synagoge als Orte des Glaubens und der spirituellen Gemeinschaft; die blaue Farbe des Brettes wird zum „Wasser des Lebens“.

Michael Wong Loi Sings „Sky Instrument of Peace“ wurde in Kooperation mit der Synagoge in Paramaribo – Hauptstadt von Surinam in Südamerika – gestaltet. Fragmente des Vöhler Brettes wurden in Kupfer eingefasst und dann wieder zum Teil einer Violine.

Die Israelin Penny Hes Yassour nannte ihre Arbeit „Mnemonic Scrap“ (ungefähr: Erinnerungsstück). Sie hat das Brett aus der Kuppel der Länge nach auseinandergeschnitten, wodurch man „hinter die Oberfläche“ schauen kann. Man sieht auch den Schattenriss eines alten Leuchters, den die Künstlerin aus einem Foto der Vöhler Synagoge kopiert hat.

Die Vernissage am Sonntagnachmittag wird von Sahra Küpfer und Polly Hoffmann musikalisch umrahmt, unter anderem mit dem Namensgeber der Ausstellung, einem Partisanenlied aus dem Ghetto von Wilna in Litauen aus dem Jahr 1942, das eine Frau feiert, die einen Nazi-Konvoi überfallen hat. Einige der regionalen Künstlerinnen werden anwesend sein. Der Förderkreis lädt herzlich zu Gesprächen über die Kunstwerke ein.